Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 12.10.1847 (Keilhau)


F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 12.10.1847 (Keilhau)
(BlM XVII,1, Bl 17-18, Brieforiginal 1 B 8° 3 S., ed. im Auszug Pösche 1887, 181-182.)

An Fräulein Luise Frankenberg in Dresden
Keilhau bei Rudolstadt am 12 Oktober 1847.


Sehr geschätzte, liebe Luise.

Sie werden sich sehr gewundert haben, daß Sie bisher noch keine Ant-
wort von mir auf Ihren lieben freundlichen Brief vom 18. August
empfingen; allein Sie wünschen auf denselben ”spätestens in 8 Ta-
gen” Antwort von mir zu erhalten und diese Zeit war schon ver-
flossen als der Brief an mich gelangte; denn ich war als der Brief
in Keilhau ankam gerade auf einer erzieherischen Wanderung an
der Saale begriffen, wohin er mir daher nachgeschickt werden
mußte. Sie lassen mir nun nochmals durch Allwinen die An-
frage: betreffend ein Kindermädchen für Fr. v. Leonhardi - wie-
derholen so, daß ich nicht säume, solche Allwinen Briefe zuzufügen.
Für diesen Augenblick ist es mir und auch bis zum Monat Mai
nicht möglich der Fr. v. L. ein Kindermädgen wie sie es wünscht
nachzuweisen. Anfangs dieses Halbjahres hätte ich ihr wohl ein
solches zuweisen können, doch ist es in Dienste der Fr: Consistor:
Räthin Wittich
in Gera getreten, die sehr mit ihr, so wie hinwie-
derum das Mädchen mit den Verhältnissen zufrieden ist. Sie hatte
vollständig den jüngsten Bildungscursus durchgearbeitet. - Hätte
dieselbe [Fr.v.L.] jedoch mit mäßiger Erhöhung des Jahrgehaltes ein junges
Mädchen mehr als Kinderführerin, Spiel- und Lebensgenossin
der Kinder, vielleicht nach der Art der Bonnen gewünscht,
welche sich jedoch gern auch mancher häuslichen Arbeit, wenn auch
nicht eben jeder unterzogen haben würde, so würde ich wohl
ein solches haben nachweisen können, welches den vorigen Bil-
dungscursus hier durchgearbeitet hat. - Und eben fällt mir
ja ein, daß Sie die Therese Langguth, die ich eben jetzt im Auge
habe, kennen; und können also am besten entscheiden ob das
Mädchen für die in Frage stehenden Verhältnisse tauge oder nicht.
Übrigens soll sich das Mädchen so wohl in Gotha als zu Hause
fortgebildet haben. - Die von Frau v. Leonhardi eigenhändig nie- /
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dergeschriebenen Eintrittsbedingungen werde ich zu etwannigen
Zweck noch zurück behalten. -
Eben in diesem Augenblick habe ich nun nochmals diese von der
Fr. v. L. eigenhändig geschriebenen Eintrittsbedingungen durch-
lesen und da hat es mir dann geschienen, daß die vorhin
gedachte Therese Langgut[h] wohl die Stelle wohl übernehmen wür-
de; es wird nun auf Sie liebe Luise ankommen, ob Sie meinen
daß ich das Mädchen zur Stelle vorschlagen soll. Es hat freilich
seine Schwierigkeiten, doch können Sie darüber besser als ich
urtheilen. - Schwierig ist bei Theresen wohl das Essen mit den andern Dienern.
Nochmals thut es mir gar sehr leid, daß mich mein so vielseiti-
ger Lebensverkehr so lange von der Beantwortung Ihres lie-
ben Briefes abgehalten hat. Und wie gern theilte ich Ihnen nur recht
viel von meinem Wirken mit, erlaubte es nur der Raum.
Zu dem Kinder-Spielfeste in Quetz b. Halle am 25 Aug Jul waren außer
Ida Weiler - Amalie Krüger - Anna Hesse - Christiane Erdmann
und Marie Drescher gegenwärtig außerdem noch Herr Middendorff
Herr Härter, die Vorsteherin einer Töchterschule aus Hamburg, ich
meine die Made Lütkens und ihre junge Freundin Frl. Aug: Müller
dann noch einige andere Erzieher. Es sind in öffentlich[en] Blättern
mehrere Nachrichten davon erschienen wovon einige recht gut
sind so in der Magdeburger Zeitung und in N° 244 des Allgem. Anz:
der Deutschen v. 8 Septbr; durch Ihren Bruder können Sie es wohl
erhalten. - Daß ich in Braunschweig - Hannover - und Bremen
war und dort Saamen ausgestreut habe, haben Sie wohl durch
Wilhelm Middendorff gehört. - Für Ihre Theilnahme an dem
Lutherstifte in Marienberg meinen schönsten Dank. - Am 20. Aug.
hat die Königin von Sachsen die Anstalt besucht und sich von
Augusten Steiner alle Keilhauer Arbeiten derselben zeigen
lassen. - Am 6 Septbr hat Christiane Erdmann, mit welcher
[sich] nun Auguste Michaelis verbunden hat, das Stiftungsfest ihrer
Anstalt gefeiert, wobei ich anwesend war: - Viel hätte ich
Ihnen von diesem allen zu schreiben. Zur Kirchweih war
Amalie Krüger 14 T[a]ge hier. Jetzt ist sie nach Quetz zurück. -/
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Ludowika Werkenthin, welcher Sie sich vielleicht aus Willis-
au noch erinnern, lebte in dieser Zeit zu ihrer Gesundheit
auch 4-5 Wochen hier und ist nun in ihre frühere Er[-]
zieherin[-]Stelle nach Zechow bei Landsberg an der Warthe
zurückgekehrt. - Frau von Born ist mit Wilm Dreyer
gerad zur Kirchweih nach Keilhau zurück gekommen. - Daß
Allwina vor Ostern nicht nach Hamburg geht werden Sie von
Ihrer Schwägerin hören. Dieser u Ihrem Bruder meinen Gruß[.]
Letzterem meinen Dank für seinen Brief; ich hoffe ihn bald
beantworten zu können.
Daß es Ihnen in u mit Ihrer Anstalt so gut [geht] freut mich gar
sehr, ob ich gleich Ihnen gern glaube, daß es Ihnen viele Mühe
kosten und es langsam gehen wird, ehe Sie alles dort so ein[-]
führen können wie Sie es wünschen, doch Geduld überwindet
ja alles. - Wäre es mir möglich geworden so hätte ich Sie
und den hochachtbaren Vorstand des Frauenschutzes in
Dresden gern besucht; allein Zeit u Geld wollten dazu
nicht ausreichen. Grüßen Sie diese Vorstandsfrauen
besonders Frl. Marschner; sagen Sie ihr, ich habe mir
bestimmt vorgesetzt gehabt ihr heut zu schreiben; allein schon
schläft [sc.: schlägt] es Nachts 11 Uhr und morgen mit dem frühesten soll
der Brief zur Post überdieß bin ich sehr müde. Und
ich möchte so keinen Brief mehr schreiben. - Auch von
Ida Seele wie von Marie Christ sehr erfreuliche
Nachrichten von allen Seiten also das Eine Ergebniß:
Geht es auch langsam vorwärts, so schreitet es doch überall
weiter; besonders sind die Fortschritte der innern Aus-
und Durchbildung des Ganzen außerordentlich. Bald darüber
mehr. Jetzt nur noch die Grüße von Elisen - Fr. v. Born
Luise Levin - der treuen Wirtschafterin, Amalien Holz<hei>
auch von Amalien Krüger welche gestern abgereist ist, so
wie von allen Frauen hier. Und herzlich grüße auch ich Sie.
FriedrichFröbel.
[18R]
[Adresse]
Fräulein Luise Frankenberg

Kindergärtnerin an der Anstalt

des Frauenschutzes

durch                 in

      gütigen Beischluß        Dresden