Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 30.10.1847 (Keilhau)


F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 30.10.1847 (Keilhau)
(BlM XXVII,5,9, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Herrn Oberlieutenant Herman[n] v. Arnswald in Eisenach.
Keilhau b. Rudolstadt am 30 Oktobr 1847.

   Innig geschätzter, lieber Freund.
Mein erster Gedanke und Wunsch bei Ergreifung der Feder
um an Dich zu schreiben ist: daß Deine theuere Lina gänzlich von
ihrem Übel wieder geheilt und so von allen Schmerzen befreit
sey. Als Du mir die erste Nachricht von dem Beginne des Übels
schriebst war mir recht bang, weil sich solche Übel nicht immer lösen
und dann die Folgen mehrfach noch schmerzlicher sind; ich durchflog deß-
halb sogleich Deine lieben Zeilen um über den Fortgang des Übels Kunde
zu erhalten und herzlich theilnehmend freute ich mich, daß der Sitz
desselben einen Ausweg gefunden hat; möge nun auch der weite[-]
re Verfolg der Krankheit ganz den natürlichen Wünschen entsprechend
gewesen und Deine gute Frau gänzlich wieder hergestellt seyn.
Grüße sie mit inniger Theilnahme.
Auch die Nachrichten von den fortschreitenden Entwickelungen Eurer
l. Marie hat [sc.: haben] mich gar sehr erfreut. Je stetiger Ihr deren steigende
Entfaltung nährt, je ruhiger Ihr sie beachtet um so reinere Freuden
gleichsam ihres Aufblühens werden Euch werden. Ich erfahre dieß
jetzt zum öfterm mit dem kleinen 23 Wochen alten Reinhold Barop
welche[r] zu Zeiten mit seinen Wärterinnen mich besucht, wo ich mich dann
um mich von ihm belehren [zu] lasse[n] mit ihm beschäftige, es ist da wirklich
so rührend als erfreulich zu sehen, wie sich so stetig Sinne u. Glieder an
dem ihm dargereichten Ball, durch Form, Farbe und Bewegung entwickeln
und wie ganz vor allem eine rhytmische Bewegung seiner Arme an
Wort und Ton geknüpft ihn [sc.: ihm] Freude macht. Ich kann darum so ganz
die Freude mit Euch fühlen welche Dir u. Euch Mariens Entwickelung E bringt.
Auch I ihr meinen seegnenden Kuß.-
All deine erziehlichen Bemerkungen machen mir gar große
Freude, belehren und erwecken mich rc. Deßhalb bitte ich gar sehr
um stetige Fortsetzung derselben es geht dar nicht[s] davon verloren.
Daß Deinem lieben Weibe die Mutterspiele u Liedchen gefallen /
[21R]
freut mich gar sehr. Auch aus Darmstadt schreibt man mir
viel Freundliches über die Wirkung dieser Spiele auf die Kinder
dort sollen besonders die noch kleinen 5-6jährigen Mädchen
die Liedchen namentlich zu den Hand[-] und Fingerspielen gar lieblich
singen, wie werden wir uns alle freuen, wenn einst die kleine
Marie uns dieselben vorsingt. Daß Gesang des Kindes leben mit
ist dieß zeigt mir täglich ein noch lange nicht schulfähiges kleines
Nachbarsmädchen, welche[s] wie ein kleiner Vogel ihre paar Ton-
folgen gar nicht müde wird jeden Tag von Neuem zu singen.-
Pflege ja jeden Hauch von Gesang in Deiner Familie. Gesang gehört
in die Familie wie Vogelgesang in die laubigen Haine.
Mit reinster Seelenfreude las ich eben alles nochmals was Du
mir über Mutter und Kind schreibst. Wie gesagt: Kein Wort geht verl[oren.]
- Daß Dr Mai nicht eben mit seinen Kindergarten zusammenge-
wachsen ist, ist mir lieb. Ich bearbeite noch immer den Gedanken
daß etwas Tüchtiges in Eisenach auszuführen; in meinem nächsten
Brief komme ich darauf zurück.- Pflege auch Du den Plan im Stillen
fort aber - wenn Du Hauptmann wirst kommst Du wohl von Eise-
nach weg?- Eisenach ist schön, sehr schön; aber doch nur wenn Du
mit Deiner lieben Familie da wohnst.
Freuen sollte es mich wenn noch andauernd schöne Tage Dich
bald zu mir und uns brächten; viel habe ich Dir zu sagen.-
Was Du wünschest sollst Du demnächst erhalten.
Heut kommt mein Brief mit einer Bitte, deren baldige Erfüllung
mir sehr lieb wäre: - Ich will einen Plan meiner Bildungsan-
stalt für Kinderpflegerinnen drucken lassen. Nun weißt Du
was ich schreibe ist eben nicht allen gleich verständlich; da möchte
ich nun Dein und all Deiner lieben, geehrten Frauen Urtheil über
das von mir deßhalb Niedergeschriebene hören, aber offen und
wenn es kein Wort stehen läßt. Du kannst durchstreichen was Dir
oder Euch unpassend scheint; auch wird es mich freuen, sonst die f ver-
schiedenen Urtheile Deines Kreises zu hören. Schicke mir dann den Plan
mit all Euren Bemerkungen aber bald zurück. Siehe, diese Bildungsan- /
[Rand 21R/21V]
stalt liese [sc.: ließe] sich trefflich mit der Waisenanstalt für wohlhabende Kinder verbinden. Gar viel Schönes ließe sich viel-
leicht noch daran anschließen was wir später im Vertrauen besprechen könnten. Heut muß ich schließen. D. Fr. Fr.