Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Hildegard Muther in Coburg v. 13.2.1848 (Keilhau)


F. an Hildegard Muther in Coburg v. 13.2.1848 (Keilhau)
(BlM XVIII,2, Bl 24-25, Brieforiginal 1 B 8° 1 S. + Adresse)

Fräulein Hildegard Muther in Coburg.
Keilhau am 13 Febr. 48.

Liebe Hildegard.

Ihrem friedigen und heiterem Gemüthe scheinen von Neu-
em die Worte Schillers: "Freude, Freude treibt die Räder
in der großen Weltenuhr!" in ihrer ganzen Schönheit
und Wahrheit zu erblühen; dieß beweiset mir die viel-
fache reine Freude, welche Sie durch Ihre lieblichen Geschen-
ke, geschaffen durch eigene kunstfertige Hand und begleitet
von sinnvollem Worte, in so weitem Kreise zu verbrei-
ten wissen. Noch nie ist mir die wirkliche Macht und die
wirklich tiefe Bedeutung der von weiblicher Hand, durch
das Streben damit "Freude" zu bereiten, hervorgerufenen,
selbst kleineren Schöpfungen, so lebenvoll entgegengetreten,
wie bei der Vielheit der, so sinnigen als schönen Gaben,
womit Sie liebe, geschätzte Hildegard, so vielseitig
Freude in dem großen Kreise um mich her verbreitet
haben. Sie haben mir dadurch und recht eindringlich that-
sächlich gezeigt, welche entwickelnd-erziehende Macht; welche
so sanfte und doch gewaltige, so wohlthuende als augenblick-
lich wirkende in der Freude, in dem Geben der Freude liegt.
Und nun bin ich wirklich in Verlegenheit für welches von
beiden ich Ihnen inniger danken soll, für das so liebliche
Geschenk, welches durch sich, durch die es begleitenden sinnigen
Worte und durch seine übrige reizende Genossenschaft
jene mir, als Erzieher so lebenswichtige Erfahrung her-
vorrief, oder für diese selbst; nehmen Sie darum,
liebe Hildegard, den einfachen Dank für beide gütig auf
         von
Ihrem Ergebenen
Friedrich Fröbel. /
[24R/25V]
[leer] /
[25R]
[Adresse:]
Fräulein Hildegard Muther.
d. g. E.             Koburg.