Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. u. < ? > an Joseph Meyer in Hildburghausen v. 21.3./26.3.1848 (Keilhau)


F. u. < ? > an Joseph Meyer in Hildburghausen v. 21.3./26.3.1848 (Keilhau)
(l. dat. Entwurf BN 722, Bl 4-5, 1 B 8° 4 S.; der 2. undat. Entwurf, BN 722, Bl 6-7V, 1 B fol. 3 S. ist mit "Dankadresse" überschrieben u. zeigt auf Bl 6, daß der Brief noch von einer weiteren Person unterzeichnet wurde. Der 3. undat. Entwurf, BN 722, Bl 8-8R, 1 Bl 4° 1 ½ S., enthält noch 2 Entwürfe zu einem Dankeswort in der Handschrift v. Luise Levin, der Text entspricht fast wörtlich dem auf dem 1. Entwurf der Buchwidmung für Wilhelm Bähring v. 24.3.1848, BN 367, Bl 19, dort allerdings von F.s Hand. - Der Brief wurde am 26.3.1848 abgesandt s. Hauskalender 1848/BlM VIII,1, März)

a) 1. Entwurf

Keilhau am Tage des Frühlings Anfang 1848. [*Jahreszahl eingekreist*]
Dankbar zu seyn ist eine der Haupt-
tugenden des deutschen und da dank-
bar zu seyn wo es die höchsten Güter
des Lebens gilt sein reinstes Glück
wir Unterzeichneten sind sämtliche
Deutsche, nicht Deutsche blos dem
Namen nach, sondern Deutsche von
von [2x] Gesinnung, von Wort von That
wie sollten wir nun nicht ganz von
Dank durchglüht seyn wenn ein
solcher deutscher Mann aus der Mitte unseres
Volkes es wagt auf eigene Vertretung und Gefahr
hin es wagt
dem innersten tiefsten Leben und Sehnen
den durch eisernen Druck tief im Innersten
zurückgedrängten heiligen Gefühlen
Gedanken und Bestrebungen
Worte zu geben, klare bestimmte
entschiedene Worte zu geben und
solchen Ausdruck zu geben, daß
sich das ganze erwachte sich seines Wesens
seiner Bestimmung u seines Rechtes, wie
seiner Pflichten zunächst der /
[4R]
Pflege alles hohen u heiligen klar
bewußte Volk wie um ein
Panier schaaren und so im Bruder
u Mitnachbar den gleichgesinnten
Bürger des deutschen Staatsbürger-
thumes zu erkennen. Ja edler
deutscher Mann, Thurmwart der
deutschen Freyheit nicht allein für
Ihr freundliches Heimath[-] sondern
für das schöne liebe deutsche gesammte Va-
terland empfangen sie unsern deutschen
herzigen Dank u Handschlag nicht blos
für die Abfassung sondern auch Über-
reichung, nicht blos für dieses sondern
auch für die klare offene und
wahre Darlegung unserer der Wünsche
welche uns als Menschen, als
Deutsche belebt. Es ist ein Dank
weniger, und wenig Genannter
einfacher Mannstill ihrem Berufe lebender Männer
aber verschmähen Sie ihn nicht, wie
Sie überzeugt waren daß
Ihre ehrerbietig Männlichen Sinnes überreichte Reform Adresse im
Herzen von Hundert
Tausenden von Deutschen u je weiter /
[5]
Sie bekannt werden wird in
noch mehreren ein Echo finden würde
so sind auch wir überzeugt, daß unser
einfacher Dank ein harmonisches Echo in dem Herzen jener Hundert
Tausenden finden wird.
Aber erlauben Sie uns aber auch
Sie glücklich zu preisen, daß Sie zu
einem Fürsten wie Herzog Bernhard
sprechen konnten, einem Fürsten, der
wenn er auch die Möglichkeit Schicksale der
Verschl[e]ierung der Wahrheit des menschl[ichen] Geistes für die Wahrheit einer Zeit theilt, doch
aber auch wieder der Wahrheit <mehr>
für willig seyn Ohr leiht und dann
der Wahrheit eine freye Gasse bildet.
Allein vergönnen Sie auch uns die Freude
und das hohe geprüfte u in der Prüfung
bewahrte Bewußtseyn aussprechen
zu dürfen, daß wir uns eines hierin
gleich edlen Fürsten erfreuen[.]
Heil darum unsern beiderseitigen
nachbarlich sogar d[urc]hflochtenen
Heimathländern, die wir uns
solcher Fürsten erfreuen, die
Volkes segnende Frühlings[-] und Morgensonne welche über /
[5R]
unserm ganzen gesammt[en] Vaterlande
aufgeht wird segnend u pflegend
auch seine Strahlen auf unsere
beiderseitigen Heimathländer senken.
Und mit jedem neu beginnenden Frühling
wird mit der steigenden Lerche unser
Dank zum Himmel jubeln der uns
solche Tage erleben ließ und d[urc]h diese
Harmonien wird sich als einfache
Melodie der Dank hind[urc]h ziehen u so sich
erneuen welchen wir Ihm hier bringen -
Doch nicht blosen wenn auch tief em-
pfundenen Wortdank bringen wir
nein auch Entschließungen u gleich Thaten[.]
Auch wir werden mit unser[em] erkannten
Recht wie für die Erfüllung unserer erkannten heiligen
Pflicht d[urc]h uns selbst eintreten
und uns beide schützend um das von
Ihnen aufgepflanzte Panner zusammen
schaaren
es nicht nur uns, sondern
auch unsern Kindern wahren, damit
Niemand uns und diesen unsern Kindern
deutsche[s] Volksthumlichkeit und Bürgerthum raube, denn
Unsere Kinder werden unsere Richter
seyn. Empfangen Sie nochmals deutsche Hand
u den Wunsch daß Gott sie <noch> [Text bricht ab]

b) 2. Entwurf

[6]
        Dankadresse
               an
J. Meyer in Hildburghausen
Dankbar zu seyn ist eine der Haupttugenden des Deutschen, und
da dankbar zu seyn wo es die höchsten Güter des Lebens gilt
sein reinstes Glück.
Wir Unterzeichneten zwey sind sämtlich Deutsche u. wie uns unser Bewußtseyn sagt,
nicht Deutsche blosdem Namen nach, sondern Deutsche von Gesin[n]ung,
von Wort und v. That.
Wie sollten wir nun nicht ganz von Dank durchglüht seyn, wenn
ein solcher deutscher Mann aus der Mitte unseres bisher schmachvoll
niedergebeugten Volkes es wagt, auf eigene Vertretung und Ge-
fahr hin es wagt dem innersten, tiefsten Leben und Sehnen, den
durch bisher eisernen Druck tief im Innersten zurückgedrängten
heiligsten Gefühlen, Gedanken und Bestrebungen Worte zu
geben - klar bestimmte entschiedene Worte und solchen Ausdruck
zu geben, daß sich das ganze erwachte - sich seines Wesens u. seiner
Bestimmung, seines Rechtes wie seiner Pflichten, zu nächst der, der
Pflege alles Hohen und Heiligen - klar bewußte Volk wie um ein
Panner um dieselben schaaren und so im Nachbar und Bruder auch den gleichgesinnten
Bürger, des deutschen Staatsbürgerthums erkennen kann.-
Ja, edler deutscher Mann! Thurmwart der deutschen Freiheit, nicht
allein für Ihr freundliches Heimathland, sondern für das schöne, liebe
deutsche Gesammt-Vaterland - empfangen Sie unsern deutschen
herzinnigen Dank und Handschlag nicht blos für die Abfassung, son-
dern auch Überreichung, nicht blos für dieses, sondern auch für die
so klare so offene und wahre, wenn auch wohl schon in mehrfacher größerer
oder geringerer, doch, wie unsbekannt noch nicht so klar geeinter Zusammenfassung vorher ausgesprochenen Darlegung der Wünsche,welche als Menschen,
Deutsche ganz uns beleben ja mit unserm eigensten Wesen zu-
sammen gewachsen sind.
und
Es ist zwar nur ein Dank weniger und wenig genannter
einfacher, still ihrem Berufe lebender Männer; allein ver- /
[6R]
schmähen Sie ihn darum hochherziger Mann! nicht. Wie
Sie bei Abfassen Ihrer Adresse überzeugt sind waren und seyn konnten, daß Ihre so männ-
lichen Sinnes Ihrem <Deutschen> Herzoge überreichte Reform-
Adresse im Herzen von Tausenden u aber Hunderttausenden von Deutschen
und je weiter solche bekannt werden, sondern auch für die [*gestr.:klare*]
offene und wahre, wenn auch schon in größerer oder geringerer doch noch nicht in so klarer genannter Zusammenfassung vorhandener Darlegung der Wünsche, welche uns als
Menschen als Deutsche beleben [*gestr.: wird in noch mehreren*]
ein klar wiederholend <verste[h]endes>
Echo
finden würde, so sind auch wir überzeugt, daß auch unser einfacher
bescheidener Dank wenn auch im einzelnen als Consequenzen [in] folgenden Punkten Manche anderer
Ansicht seyn könnten in dem Herzen aller Jener Tausende ein harmonisches <verste[h]endes> Echo finden wird.
Erlauben Sie uns aber auch Sie glücklich zu preisen, daß Sie zu einem
Fürsten wie Herzog Bernhard sprechen konnten einem Fürsten, der
wenn er auch das Schicksal der Verschleierung des menschlichen Geistes
für die Wahrheit kurze Zeit theilte, doch aber auch wieder der Wahrheit
aus dem Munde seines treuen Volkes und deren Sprechern das
Ohr willig öffnete und dann selbst der Wahrheit eine freye Gasse
bildete. Allein vergönnen Sie auch uns die Freude und das
geprüfte und in der Prüfung bewahrte Bewußtseyn aussprechen
zu dürfen, daß auch wir uns hierin eines gleich edlen acht deutschen
Fürsten erfreuen. Heil darum unsern beiderseitigen nicht blos
nachbarlich sondern sogar in ihren Landestheilen durchflochtenen Heimath-
Ländern, der wir uns solcher Fürsten erfreuen; die Völkerfrühlings-
und VölkerMorgensonne, welche unserm gesammten Vaterlande
aufgeht wird gewiß auch segnend u pflegend, entfaltend, gestaltend
u erhaltend seine reinen leuchtend u wärmenden Strahlen auf unsere
beiderseitigen Heimathländer senken! - Und mit jedem neu
beginnenden Frühling wird mit dem ersten steigenden Lerchenchor
auch unser Dank zum Himmel, zum Vater der Menschheit jubeln
welcher auch uns solche Tage erleben ließ und durch diese
Harmonien wird sieh als einfache Melodie auch der Dank
sich hindurch ziehen und so sich erneuen, welchen unser Herz Ihnen hier bringt
welchen unser Geist Ihnen sagt
[Notiz rechts unten, Bezug unklar: ]
bieder deutschem Vaterlands Wohl nach bester Einsicht, aus allen
Kräften u in jeder < erkannt > edlen Weise stets fördernder deutscher Mann. /
[7]
Doch nicht blosen, wenn auch tief empfundenen und klar gedachten
Wortdank bringen wir, nein! auch Entschließungen gleich
Thaten. Auch wir werden für unser klar erkanntes und immer
tiefer zu erfassendes göttliches darum heiliges Menschenrecht und urgeistiges deutsches Volks- u
Nationalgefühl wie
aber auch für volle Erfüllung unser[er] schon erkannte[n] und immer tiefer zu erforschende[n]
Pflicht als das was wir unserm Wesen als Menschen und Deutsche nach sind durch
uns selbst eintreten und das erstere nicht nur unsern Kindern und
jetzigen u künftigen Pflegebefohlenen wahren, sondern sie auch beide
für die Heilighaltung der letztern entwickeln erziehen erstarken machen
und ausbilden damit Niemand uns Deutschen unsere Krone: "deutsches
Bürger- u Volksthum" raube, denn unsere Kinder werden unsere Richter
seyn. Darum wird vor allem die Pflege der deutschen Kindergärten
[für] welche Sie schon vor langer Zeit seit Jahren gleich der Stimme eines Predigers in
der Wüste und mit nicht minder bedeutungsvollen Worten:
In den Kindern knospet des Lebens Ewigkeit, durch die Kinder
schaffen wir des Geschlechtes Zukunft knüpfen wir diese an die
Gegenwart flechten wir Rosen oder Dornen um ihre Schläfe.
In den Kindergärten weht Völkerfrühlingsluft: Kinderpflege
und Völkerpflege liegen in einem Tempel
ins große Volks- und Nationalleben u Streben ächter mit Seherblick von Ihnen erkannten hohen tiefen u
lebenswichtigen Bedeutungen dersleben von Ihnen Streben < eintreten > ; darum
wird die Pflege dieser unsere einzige Lebensaufgabe und ihr alle unsere Kraft geweihet seyn.
Damit aus ihnen eine urgeistige u. so auch die Lösung der socialen Lebensfragen in sich <setzende >
deutsche Volks- und Nationalerziehung welche zugleich die Lösung der socialen Lebensfragen sich zum
Ziele ;Aufgabe stellt setzt hervor
wachse blühe u fruchte ein[e] solche Erziehung wie sie Ihre gleichsam pro-
phetischen Worte schon vor Jahren als ächter Seher voraus sahe[n]
und wie deßhalb sollen aber auch diese Worte uns seines wie die ähnlichen eines deutschsinnigen aber
durch dem Lebensdrucke früh unterlegenen für Deutschlands und der Menschheit Heil erglühten Mannes
sollen werden gewiß allen künftig als Votivtafeln mit meinem Willen in allen von mir gegründeten u aus
ihnen sich entw. ächten Kindergärten
von jetzt bis in alle Zeit wo sie in Deutschland blühen werden auf-
gesaugt und so der Ihnen für ihre begeisterte u begeisternde <Erscheinung>
ins Leben <gebü[h]renden> Dank ein unvergänglicher u verwelklicher immergrünender
seyn. Empfangen Sie nochmals deutscher Hand u deutscher Herzen Dank mit
dem aufrichtigen Wunsche, daß Sie uns Gott noch lange zum Seegen
u Heile vieler ja unseres Heimath- Landes wie unseres gesamt[en ]
Vaterlandes gesund erh am Geist u Körper kräftig erhalten möge.

c) 3. Entwurf

[8]
Herrn J. Meyer, Chef des Bibliographischen Institutes
und anderer großartiger Vereine in Hildburghausen.
Dankbar zu seyn ist eine der Haupttugenden des Deutschen, und dankbar zu
seyn wo es die heiligsten Güter des Lebens gilt, sein reinstes Glück.
Wir Unterzeichnete sind Deutsche und wie unser Bewußtseyn uns sagt nicht
Deutsche bloß dem Namen nach sondern von Gesinnung, von Wort und von That.
Wie sollten wir nun nicht von Dank ganz durchglüht seyn wenn ein solcher deutscher
Mann aus der Mitte unseres bisher schmachvoll niedergebeugten Volkes es
wagte auf eigene Vertretung und Gefahr hin es wagte dem innersten und tief-
sten Leben und Sehnen, den durch bisher eisernen Druck in Gemüth und Geist ge-
waltsam zurück gedrängten Gefühlen Gedanken und Bestrebungen Worte zu
geben, klar bestimmte, entschiedene Worte und solchen Ausdruck zu geben,
daß sich das ganze erwachte - sich seines Wesens und seiner Würde seines
Rechtes und seiner Pflichten, zunächst der, der sorgsamsten Pflege alles Hohen und
Heiligen, und so seines Zweckes wie seines Zieles, also seines Gesammtberufes
- klar bewußte Volk, wie um ein Panner, um dieselben schaaren und so im
Nachbar und Bruder auch den gleichgesinnten Bürger des einigen deutschen Staats-
bürgerthumes erkennen kann.-
Ja, edler, tapferer deutscher Mann! Thurmwart der deutschen Freiheit nicht
allein für Ihr freundliches Heimathland, sondern nein für das ganze schöne, liebe
deutsche Gesammtvaterland - und noch über dasselbe hinaus empfangen Sie unsern deutschen herzinnigen
Dank und Handschlag nicht blos für die Abfassung, sondern auch Überreichung,
nicht blos für dieses beides, sondern auch für die so offene, wenn auch sonst wohl
schon in mehrfacher größerer oder geringerer, doch, wie uns bekannt noch nicht
so vollständiger und klar geeinter Zusammenfassung ausgesprochenen Dar-
legung der Wünsche, welche als Menschen und Deutsche uns beleben, ja mit
unserm eigensten Wesen zusammengewachsen sind.
Es ist zwar nur der Dank von ein paar einfachen, still ihrem Berufe le-
bender Männer; allein verschmähen Sie ihn darum, Hochherziger Mann!
nicht. Wie Sie überzeugt waren und seyn konnten, daß Ihre so mannhaften
Sinnes Ihrem Herzoge überreichte Reformadresse - wenn auch im einzelnen als
[rechts unten: "Schreibübungen": S, Sie, r] /
[8R]
Consequenzen folgenden Punkten manche anderer Ansicht seyn könnten [Text bricht ab]

[Es folgen 2 Entwürfe zu einem Dankeswort v. Luise Levin:]
Gestatten Sie auch einer deutschen Jungfrau, die zu einer Kindergärtnerin sich ausbildete, daß
auch sie in aller Bescheidenheit Ihnen Ihren innigen Dank für .ihre erhebende Ueberzeugung von dem
Wesen der Kindergärten aussprechen und Sie aus eigener u fremder Erfahrung versichern darf daß sich
dadurch den Jungfrauen eine
ganz neue Welt beseligender und seegensreiche Wirksamkeit öffnet.
Luise
Gestatten Sie auch einer deutschen Jungfrau, die als Kindergärtnerin sich ausgebildet, daß auch
sie in aller Bescheidenheit Ihnen ihren innigen Dank, für Ihre erhebende Ueberzeugung
von d[em] Wesen der Kindergärten aussprechen u Sie aus eigener u fremder Erfahrung versichern
darf, daß sich dadurch den Jungfrauen eine ganz neue Welt beseligender und segensreicher
Wirksamkeit öffnet
Luise