Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Arthur Fröbel in Stadtilm v. 28.3.1848 (Keilhau)


F. an Arthur Fröbel in Stadtilm v. 28.3.1848 (Keilhau)
(Autograph nicht überliefert, BN Anh. 22, Abschrift 1 B 8° 4 S., Handschrift unbekannt, tw. ed. König II/1985, 42f.)

          Abschrift

          Keilhau am 28
FrühlingsM. 48 [*Jahreszahl eingekreist*]


Mein lieber Neffe Arthur.

Du wirst Dich wundern mich
schriftlich und noch überdieß mit einer
Bitte bei Dir einsprechen zu sehen;
doch die Zeit bringt jetzt des Unerwarteten
so Vieles und Großartiges, daß dieß
unter dem kleinen ein kleinstes ist;
dennoch aber muß ich Dir auch sogleich
aussprechen, daß es eben auch mit
diesem Unerwarteten der Zeitereig-
nisse und dem dadurch Hervorgerufenen
im innigsten Zusammenhange steht.
Durch die Sachlage d[er] Zeit- und
Lebensverhältnisse habt ihr, Bürger
StadtIlms, Euch aufgefordert gefunden,
in einfach, edler offener Sprache schrift-
lich und mündlich die wesentlichsten
Forderungen des Landes und unser
aller als Bürger dieses, wenn auch an sich
kleinen Staates auszusprechen. Die Art
wie Ihr es gethan habt, hat Euch aber auch
gewiß die Herzen unser Aller, ja über /
[2]
die engen Grenzen desselben hinaus
sicher noch die Herzen in den für Volkesglück und Vaterlands Wohl Glühenden gewonnen.
Auch in unserm Kreise sprach sich
als Euere Adresse und Euer männliches
Handeln in demselben bekannt wurde
allgemeine Beistimmung so laut als
freudig aus. Mich aber als in gewisser
Beziehung eines ehemaligen Stadtilme[r]s
durchströmte ein wirklich freudiges
Dankgefühl Euch Allen, daß ich mich nicht
enthalten [kann,] demselben, wenn auch nur
schriftlich die Worte zu geben, mit welchen
es zum Theil in mir laut wurde.
Mein Gedanke war gleich Dir solche
zur Prüfung zu senden, und - wenn
für sie dazu geeignet, es auch sonst der
Sache - (was alles ich Dir da mir die
genaueren Verhältnisse unter Euch
unbekannt sind zur Prüfung überlasse)
- angemessen findest und sie zu
einem zweckmäßigen, allgemeinen
Gebrauch zu übergeben. Es soll dieß
keinesweges irgend eine Art von
jetzt sogenannter Demonstration, sondern
der Ausdruck der so wahren, als war-
men Gefühle seyn, welche Euer Handeln
in mir als Deutschen, als früheren /
[3]
Jugendgenossen mit gewiß noch
vielen der Unterzeichneten und somit
Handelnden hervorgerufen hat. Jedoch
glaube ich auch daß es für den Einzelnen
wie für das Ganze jetzt heilsam ist,
wenn man sich seine Überzeugungen
wie selbst seiner Gefühle noch genauer
kennen lernt um für die Zeit ver-
einteren Handelns sich leichter zusam-
men zu finden, enger zu einen[.]
Doch prüfe es, und nach Deiner
Prüfung entscheide.
Daß das Ganze so verspätet erscheint,
daß [sc.: das] hat in dem Drange der Geschäfte
seinen Grund welcher auch in unserem
stillen Thale in diesen Tagen sich be-
merklich machte.
Ich freue mich hierdurch Gelegen-
heit zu erhalten Dich und all die lieben
Deinen herzlich und aufrichtig zu
grüßen. Irre ich nicht, so habe ich gehört
daß Du auch in Deines lieben sel[igen] Vaters
stelle als Bürgermeister getreten seyest,
doch wußte ich es nicht gewiß, darum
wirst Du verzeihen, daß ich auf der
Aufschrift das Gewisse dem [Un-]Gewissen vor-
zog um nicht irgend unangenehmen
Bemerkungen Raum zu geben.
Sollte es mir die Zeit vergönnen, /
[4]
was ich wegen meiner täglich
stehenden Geschäfte gerad jetzt freilich
nicht hoffen darf, so erlaube ich mir
Euch bald persönlich zu besuchen, bis
dahin immer bleibend lebet wohl.
Dieß der herzliche Wunsch
         Deines
aufrichtig gesinnten Oheims

Friedrich Fröbel
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Herrn Doct. Med. Arthur Fröbel
ausübendem Arzte
        in
        Stadtilm