Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 1.4.1848 (Keilhau)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 1.4.1848 (Keilhau)
(BlM XIV,67, Bl 223-225, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. + Adresse, tw. ed. Lück 1929, 156f.; Bl 225 ist ein inliegender Zettel.)

Keilhau am 1en April 1848 [*Jahreszahl eingekreist*]


        Meine liebe Muhme.

Gegen mein Erwarten empfange ich so eben von einer meiner
Schülerinnen aus dem vorigen Cursus - also von einer
Mitgenossin von Friederike Breternitz - von der
Frau Amalie Gerber, einer jungen Schullehrer Wittwe
Hildburghausens - welcher ich, um derselben meine Sorgfalt
für ihr Unterkommen zu beweisen, Ihre jüngste liebe
Anfrage übersandte - ganz unerwartet die Nachricht, daß
dieselbe gesonnen ist die in Ihrem letzteren Briefe bezeichnete
Stelle und Wirksamkeit in Ihrer Kinderbew. Anst. anzunehmen.
Recht sehr freue ich mich über diesen Entschluß der Frau
Gerber und ich gestehe sie gewinnt dadurch bei mir noch in der
Achtung welche ich wirklich für sie habe; daß nemlich sie sich
nicht durch den Namen Bewahranstalt - mit welchem sich
nun einmal, nach unseren Erfahrungen immer die Zusammen[-]
fassung mehrer wesentlichen [sc.: mehrerer wesentlicher] Mängel namentlich der, der
äußerlichen und mechanischen Erfassung der Kinder ver-
bindet - abhalten läßt, die von Ihnen bezeichnete Stelle
anzunehmen. Ich wünsche nun mir, daß solche noch nicht
fest vergeben seyn möge. Leider habe ich an Fr: Gerber
um bei derselben wegen Annahme der Stelle anzufragen
zu spät gedacht, warum?- Weil mir dieselbe geschrieben
hatte, daß sie nur eine Wirksamkeit an einem Kinder-
garten wünsche. Ob Sie sich nun gleich bei Frde Brtnitz
wegen der Persönlichkeit der Fr. G. erkundigen können;
indem, wie ich schon sagte, beide nicht nur den vorigen Cursus
gemeinsam bei mir durchgemacht ha sondern auch in einem
hiesigen bäuerlichen Hause zusammen gewohnt haben; so
will ich doch auch gegen Frau Gerber mein Wort lösen
und Ihnen mein Urtheil über dieselbe ablegen. Ich
glaube nemlich - wie Sie mir die offene Stelle bezeichnet
haben (und ich habe der Frau Gerber um jeder weiteren Ver[-]
antwortung von deren Seite baar zu seyn, neulich Ihre Be- /
[223R]
stimmungen und Forderungen in Ihrem Original-Briefe
zugesandt) - daß Frau Gerber ganz in diese Stelle
paßt und sie vollkommen ausfüllen und ihr in gleicher
Weise genügen wird. Sie schreibt eine klare kräf-
tige schöne Frauenhand - daß sie im Stande seyn
wird kleine häusliche Rechnungen zu führen, daran
zweifle ich auch nicht, sie ist, obgleich noch in den viel-
leicht ersten oder höchstens Mitte Zwanzigern - doch eine
Frau von Erfahrung hat große Liebe zu den Kindern, lau[-]
ter gute Eigenschaften. Leider, durch häusliche Verhältnisse
gehindert konnte sie nicht gleich nach vollendeten Bild[un]gs[-]
cursus in eine entsprechende Wirksamkeit treten, doch
höre [ich] daß sie besonders früher den Kindergarten in Hild-
burghausen zu ihrer Übung u Fortbildung viel benutzt
hat, und so hoffe ich denn - wenn anders, was mir in dop-
pelter Beziehung sehr leid thun würde, - die Stelle noch nicht
vergeben ist - daß Frau Gerber ganz Ihren und des
gesammten Frauen Vorstandes Wünschen u Forderungen,
wenigstens mehr als jede andere, dafür nicht Aus[-]
gebildete - entsprechen würde.- Dieß Ihnen aus zu
sprechen hielt ich für doppelte Pflicht. Sollte nun aber
Fr. Gerber ja Anfangs manche Unvollkommenheiten zeigen
so bin ich überzeugt, daß Sie l. Muhme dieselbe mütterlich
oder wenn Sie lieber wollen schwesterlich belehren werden.
- Einen, aber mir wesentlichen Wunsch hätte ich nur noch, und
ich glaube es ist gut solches sogleich auszusprechen: - sollte Fr.
Gerber
, wie man zu sagen pflegt, einschlagen, so wünschte
ich gar sehr - daß Sie dann alles Ernstes darauf antrügen,
daß Ihre Anstalt sich auch dem Namen nach zu einem Kinder[-]
garten erhübe, es handelt sich hier um Einführung des Geistes und
nicht um Einführung eines Wortes allein das Wort ist der Körper
und Träger des Geistes. Ihre Anstalt steht auch bei dieser Erhebung
nicht allein - Hildburghausen u Homburg vor der Höhe, entfal[-]
ten sich dabei trefflich. Leben Sie wohl, bald ein Wort Antwort
Ihrem Vetter FrdFröbel. /

[224]
[leer] /
[225]
[inliegender Zettel:]
Frau Gerber schreibt mir noch,
daß es ihr sehr wünschenswerth
wäre - im Fall sie die Stelle bekäme,
wenn sie erst 8 Tage nach Ostern in
selbige eintreten könnte, indem sie
noch Vieles zu besorgen habe.- /
[224R]
[Adresse:]
Frau Magister Fr. Schmidt
geb. Hoffmann
in
Gera.