Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 18.6.1848 (Keilhau)


F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 18.6.1848 (Keilhau)
(BN Anh. 43, Bl LC 72 - LC 83, Abschriftabschrift 6 B 8° 23 S., Handschrift unbekannt. - In der Abschriftabschrift heißt es: "18. Mai". Die Bezüge auf bestimmte Daten im Brief zeigen aber, daß der Brief am 18.6. geschrieben sein muß; vgl. auch den Brief an Richard Krell vom selben Tag. Der Abschriftabschreiber gibt als Vorlage eine Abschrift im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an. Bemerkungen des Abschriftabschreibers, die sich mit seiner Vorlage auseinandersetzen, werden, soweit sie als richtig erscheinen, hier u. in allen F.-Briefen an Stangenberger aus BN Anh. 43 analog zu eigenen Bemerkungen wie folgt aufgegriffen: Hinweise auf Auslassungen als "< ? >", Hinweise auf vermutliche Lesefehler als "[sc.: ...]".)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Keilhau am 18. Mai [sc.: Juni] 1848


Lieber Herr Stangenberger.

Ihr[e] freundliche Zusendung vom 16ten dieses [Monats] habe ich den Tag nach meiner Ankunft hier richtig erhalten und empfangen Sie zuförderst dafür meinen besten Dank. Wie mich sonst der Inhalt derselben mehrfach gefreut hat, so hat mich doch der Zusatz in den Zeilen von Jul. Kell, dass Sie sich fast mehr zu dem rein Politischen als zu dem Pädagogischen der Zeitfragen hingezogen fühlen - fast geschmerzt wenigstens auf den ersten Augenblick; aber auch wenn ich länger darüber nachdenke, so kann ich auch das Leid gefühltes darüber nicht erwehren; und warum?- Ich sage mir, für das rein Politische giebt es Kämpfer und Vorkämpfer genug für das rein Pädagogische, diess besonders von seiner volksthümlichen Seite aufgefasst, giebt es der Kämpfer und /
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ganz besonders der Vorkämpfer noch wenige; sie sind noch überall in der Minorität, wir dürfen, sie desshalb nothwendiger Weise jetzt nicht verlassen, freylich können werden Sie mir darauf antworten - "wenn nur erst das rein Politische durchgefochten und durchgekämpft ist, dann findet sich schon das rein Pädagogische auch -" es hat diess einigen Schein der Wahrheit für sich allein ich blicke bei solchen schwierigen Fragen und Antworten in die Natur, und da sehe ich dann z.B. in Beziehung auf den vorliegenden Fall, dass, wenn es sich in der Natur um die Ausführung und Darstellung eines Gesammtorganismus handelt, wie z.B. jetzt um den Organism. des deutschen Volkes und Nationallebens - dass da sich nicht erst ein System z.B. dass des Blutes oder der Nerven rein ausbildet, ehe die Ausbildung des andern auch gleichsam mit in Angriff genommen wird, /
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sondern dass diess wenigstens der Anlage nach so ziemlich zugleich geschiehet, doch solche Stimmen können im Besonderen nicht bestimmend, sondern nur berathend seyn, denn der Augenblick ist jetzt der Beher[r]scher der Zeit und die Erfüllung der Forderung desselben, doch wünsche ich nur, dass Sie das Politische nicht so ganz dem Pädagogischen entziehen werden, dass Sie bei unserm nun in Ernst in Angriff genommen[en] Zusammentritt deutscher Volkserzieher (Volks[-] und Landschullehrer) welcher für die erste Hälfte des Monats August nun ernstlich vorbereitet wird - fehlen würden. Diese Zusammenkunft ohne Zweifel im Keilhauer Thal ist eines der Ergebnisse meiner Reise, hören Sie deren Verlauf.
Freitags den 26. Mai reiste ich von Ihnen ab. Sonnabend Abends spät kam ich in Leipzig an, diess hielt mich ab noch Kell aufzusuchen. Als ich Sonntags /
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den 28. früh in sein Haus trat, fand ich ihn abgereist, denn die Conferenz fand nicht in Leipzig sondern in Oschatz statt.- Ich reiste nach - konnte aber, da es nur eine Ausschuss oder Comite Conferenz war, ihren Versammlungsort nicht erfahren. Nun kurz vor Abgang des Bahnzuges traf ich mit ihm zusammen. Das Ergebniss der Mittheilungen bestimmte noch zunächst d.h. sogleich nach Dresden u. von dort des andern Tages Montags nach Bischoff[s]werda und Bautzen zu gehen, was auch geschah.
Dienstag früh hörte ich in Bautzen einen ausführlichen Vortrag vom Seminardirektor Dressel über d[a]s <?> System und spielte hierauf eine Stunde mit den kleinsten Kindern, ich glaube zum Theil zwischen 5-6 Jahr die Übungsspiele des Seminars, was grossen Beifall erhielt, Wünsche hervorrief u.s.w. Der Herr Direktor fand es ganz besonders beachtens- /
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werth, dass die Kinder so unbefangen, freudig und einig sich zum Spiel zusammen fanden, und leicht die kleinen Bestimmungen desselben ausführten, indem unsere gegenseitige Bekanntschaft erst in u. mit dem Spielen selbst begann. Als wir ein Gehspiel spielte[n] schloss sich fröhlich die ganze Schaar der kleinen Mädchen an. Gemug [sc.: Genug] die improvisirte Ausführung gefiel.
Nach Bischoffswerda zurück gekehrt, machte ich Nachmittags in einen [sc.: einem] Garten in dessen Nähe Mittheilungen über Spiele, Beschäftigungen und Kindergärten ausser Pitz, waren nebst anderen Lehrern u.s.w. auch ein gewisser Rau, Herausgeber eines kleinen Schriftchens über Brucke, gegenwärtig. Ebenso noch ein dritter sehr wackerer junger Lehrer der Nähe dessen Namen mir leider entfallen. Hier war das Interesse sehr gross, der Gedanke eines Vereins deutscher /
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Volks Erzieher und Volkslehrer fand hier viel förderliche Bestimmung.
Mittwoch Vormittag kehrte ich nach Dresden zurück u. Besuchung zunächst des Kindergartens im Frauenschutz und Spiel daselbst; ich fand lebenvolle Erfassung der Sache und demgemäss Ausführung besonders eines Frühlingsliedchen, dessen Inhalt von den Kindern dargestellt wurde. Mir erweiterte es die Auffassung der Kinderspiele u.s.w.
Mittwochs Nachmittags und Donnerstag (den 1. Jun.) Himmelfahrt wurde persönlichen Mittheilungen gewidmet. Freitags Nachmittags fand auf Veranlassung vom Lehrer <Zfschetsche / Ztschetsche> in Dresden eine Vorführung der Spiele u. Beschäftigungen im Frankenberg'schen Kindergarten statt. 80 Personen besonders Dresdener Lehrer mochten anwesend gewesen seyn. Letzte nebst mehreren erziehenden Frauen hielten bis ganz spät als schon längst Licht /
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abgebrannt worden war, an den Mittheilungen fest. Allgemein wurde grosse Befriedigung ausgesprochen und die Überzeugung, dass dieser Vortrag viel zum richtigen Verstehen des Ganzen beigetragen haben würde. Auch hier wurden die ernstlichsten Mittheilungen zum Zusammentritt deutscher Volkserzieher Anfangs August in der Nähe Rudolstadt[s] gemacht und viele Versprechen zum Besuche derselben gegeben. In Dresdner Blätter[n] sollte zu diesem < ? > [sc.: Zwecke] meine Anwesenheit und Wirksamkeit in Dresden besprochen werden. Sonnabends (den 3. Juni) Vormittags fand eine sehr eingehende Besprechung mit Dresdner Kinderfreundinnen statt, der Erfolg versprach fruchtreich zu werden.
Ich werde auf diesen Punkt in diesen [sc.: diesem] Briefe noch einmal zurück kommen. Sonnabends Mittags nach dieser Besprechung reiste ich von Dresden über /
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Nossen an Klappendorf (?) in der Nähe Freibergs um dort mit Julius Kell bei seinem Vater, dem hiesigen Pfarrer zusammen zu treffen. Sonntags (den 4. Juni) giengen wir früh zusammen nach Grossthemersdorf, wo Jul. Kell seinen Schwiegervater besuchte. Nachmittags waren auf Jul. Kells Veranlassung eine grosse Anzahl von Landschullehrern nach Grossthemersdorf gekommen, um von mir Mittheilungen über Kindergärten, Kinderspiele u. Beschäftigungsmittel u. Weisen zu vernehmen. Alles ging vortrefflich vonstatten, es war als hätte ich alle Zöglinge woraus [sc.: worauf] Alle Anwesenden wünschten Nachweisungen über das Ganze Mittheilungen von Spielen und Liedern. Gern gewährte ich die wenigen Wünsche die ich erfüllen konnte, sie die anwesenden Lehrer sandten, nachher noch einen aus ihrer Mitte zu mir um mir besonders zu danken. /
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Doch die Mittheilungen und Besprechungen mit J. Kell waren mir hier Hauptsache, Von [sc.: von] Dr Lommers zusammen gefassten (< ? >) Protokolle konnte konnte ich leider nicht den gewünschten Gebrauch machen weil derselbe gegen meine und gewiss auch Ihre Meinung ann [sc.: am] Ende desselben aussprach dass er diese Zusammenfassung auf mein ausdrückliches Verlangen zu meinen [sc.: meinem] Privatgebrauche ausgefertigt habe und noch überdiess Persönliches - wenn auch Wohlgemeintes über mich aussprach, wodurch das Ganze die Bedeutung verlor, welche es für die Sächsische Schulzeitg d.h. zunächst für Kell haben sollte u.s.w. Sie hatten ja diese Zusammenfassung so wenig für mich, als ich selbst, sondern für J. Kell bestimmt, gleichsam als kurze Bestätigung und Anknüpfung meiner mündlichen Mittheilungen. So gross es aber immer wenn eine, dem /
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Allgemeinen geltende Sache in das Persönliche - welches als vereinzelt hergestellt wird - herabgezogen wird.
Die Hauptsache unserer Mittheilung, ja Feststellung betraf jedoch die beabsichtigte Zusammenkunft deutscher Volkserzieher respektive Volksschullehrer und Kinderfreunde es wurde desshalb
1.) sogleich ein Einladung dazu von uns beiden entworfen, welche im Allgemeinen somit unsere beiderseitige Bestimmung, erhielt zu letzter Redaktion aber Jul. Kell ganz überlassen blieb.
2.) Darin wurde als Ort der Zusammenkunft im Allgemeinen die in der Nähe Keilhau und Rudolstadt, also an der Mündung der Schwarza festgesetzt.
3.) Als Zeit die nächsten Tage nach der Zusammenkunft der grossen sächsisch. Conferenz in Dresden, also ohngefähr vom 9[.] bis zum 13[.] August undem [sc.: indem] wir hoffen dass alsdann die meisten deutschen /
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Landschullehrer Sommerferien haben, oder wenigstens für einige Tage dort leicht noch von ihren Behörden zur Besuchung dieser Zusammenkunft leicht Erlaubniss erhalten werden.
4.) Alle sächsisch. Conferenzen sollen zur Beschickung dieser Versammlung durch bestimmte Deputirte eingeladen werden. (Ich hoffe, dass diess später auch von Meiningen und von Coburg aus geschehen wird und ich ersuche Sie lieber Herr Stangenberger vorläufig das Nöthige nach Möglichkeit in Beziehung auf Meiningen einzuleiten.[)]
5.) Da dahin gestrebt werden soll den Theilnehmenden wenigstens der Anforderung nach, mindestens freies Quartier zu geben, (woran sich aber gewiss gastfreundliche Bewirthung als freiwillige Zugabe schliessen wird) so werden diejenigen, welche daran ent- /
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weder persönlich für sich Antheil nehmen wollen, oder als Deputirte Antheil nehmen sollen, gebeten, diesen bei einen [sc.: einem] von denen, welche die Einladung als freiwillig zusammen getretenes Comite vorläufig unterzeichnet haben, zu melden. Damit man wegen des freien Unterkommens das Nöthige zur rechten Zeit besorgen könne.
Als freiwillig und vorläufig zusammengetretenes Comité haben wir uns um [sc.: nun] in alphabetischer Ordnung folgende aufzuführen erlaubt.- Heusinger aus Rodach; Jung aus Coburg; Jul. Kell aus Leipzig - Morgenroth in Saalfeld - Pilz in Bischoffswerda - Stangenberger in Schalkau - <Ztschetsche / Zfschetsche> in Dresden, Zei[t]z in Camburg und Fröbel in Keilhau.
Von den meisten von diesen muss ich freilich nun erst die Erlaubniss und die Bestätigung unseres Vertrauen[s]- /
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schrittes einholen. Kell, Pilz, <Ztschetsche / Zfschetsche> [und] Zei[t]z haben uns ihre Bestätigung bereits übergeben. Zunächst habe ich mich nun anfragend und bittend an Sie lieber Stangenberger zu wenden, dass auch Sie zu der guten Sache das Opfer bringen und unsern Vertrauensschritt genehmigen und sich dem genannten Comité zunächst zur Annahme, Aufnahme und Mittheilung der sich meldenden Theilnehmenden gefälligst beschliessen mögen. Wir hoffen mit Bestimmtheit keine Fehlbitte zu thun. Für Meiningen wüsste ich leider Niemanden in Vorschlag zu bringen, den welcher den Zei[t]z in der Conferenz so ablaufen liess möchte ich nicht nennen, auch kenne ich wirklich dessen Name[n] nicht. Den Herrn Dr. Lommer für Salzungen nicht vorzuschlagen, zeigten sich mir auch Gründe, welche der Raum mir nicht gestattet hier auszuführen, doch bitte ich angelegent- /
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lich mir dieselben und damit die Möglichkeit zu meiner Rechtfertigung zukommen zu lassen. Eben jetzt fällt mir noch Herr Carl in Ummerstadt ein, leider ist mir derselbe so sehr ich nach Namen in den ersten Buchstaben des Alphabetes gesucht habe nicht vor die Seele getreten. Wenn Sie nun meinen dass derselbe einen Antrag dieser Art nicht ablehnen würde, so auch sonst glauben, dass wir für jene Gegend Meini[n]gens auch ein namhaftes Mitglied nöthig haben, so bitte ich es mir recht bald anzuzeigen, so wie überhaupt mir gütig alle die zu nennen, welche wir als Namensammler und resp. vorläufiges Comité Mitglied noch aufzuführen hätten z.B. vielleicht für Kranichfeld für Königshofen.
Ich bitte Sie lieber Herr St- mir mir hierauf ja recht bald und recht bestimmt zu antworten, indem die Ein- /
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ladung in einer der nächsten Nummern der sächsischen Schulzeitung erscheinen soll.
Der nach dem Wunsche des königlich sächsischen Ministeriums sehr ausführliche Entwurf der Petition der sämtlichen sächsischen Volksschullehrer wird wohl nun schon seit 8 Tagen in der sächsischen Schulzeitung abgedruckt seyn. Ich mache Sie auf die Beachtung derselben gar sehr aufmerksam und sollte Ihre Petition noch nicht bestätigt seyn, so möchte ich gar sehr in Ihrem eigenen Interesse vorschlagen mit dieser Bestätigung und Übergabe so lang zu warten, bis Sie < ? > [sc.: diese] zur Vergleichung der sächsisch. [Schulzeitung] in Händen hätten, man übersieht in solchen richtigen [sc.: wichtigen] Sachen gar zu leicht etwas was oft durch Einfügung eines einzigen Wortes erreicht wird. Besonders soll nach Jul. Kell die Kinderpflege in den Kindergärten sehr ausführlich behandelt seyn. /
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Was ich Ihnen lieber Stangenberger sonst noch über mein Zusammenseyn mit Jul. Kell berichten könnte, werden Sie in der sächsischen Sch. Ztg uns aus derselben herauslesen. Bemerken will ich nur noch, dass er gar sehr erfreut war nun wenigstens ein Anschau[u]ng einiger Kinderbewegungsspiele und einiger Beschäftigungsweisen erhalten zu haben. Er versprach daher das Ganze der Kindergärten zu seiner Sache und Angelegenheit zu machen. Nun weiter in der Reisedarlegung.- Dienstag am 6. Juni war ich in Halle wo ich von Fräulein Amalie Krüger die Zusage erhielt mir bei der Ausführung unseres Planes thätige Hilfe zu leisten. Zei[t]z in Camburg hatte mich durch seinen Vortrag in Hildburghausen für sich gewonnn[e]n, ihn suchte ich daher Mittwochs am 7. Juni in Camburg auf. Zufällig fand es sich dass an diesem Tage /
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gerad Conferenz und zwar die erste nach der Hildburghäuser gehalten wurde. Zei[t]z referirte sehr gründlich, wa[h]r und einfach über das dort Verhandelte - wo - was mir sehr lieb war - eine Abhandlung "über die Weckung und Nährung des Triebes der Selbstthätigkeit in Schulen" vorgelesen wurde, forderte man auch zu Mitteilungen über die Beschäftigungen der Kinder auf, dass ich gern willfahrte, können Sie sich sagen, die Theilnahme und die Ausdauer bei derselben so wie die dadurch hervorgerufene wirkliche Begeisterung für die Sache, belohnte, aber auch meine kleine Mühe reichlich. Ich gab nun auch unserm [sc.: unseren] Plan einer Erzieherversammlung zur Prüfung. Der Gedanke wurde allgemein freudig zur Ausführung begrüsst und nun sogleich die Theilnahme von Mehreren der Anwesenden zugesagt. Besonders übernahm Zei[t]z den Beitritt zum vorläufigen Comité und die Übernahme von Theilnahms[-] /
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Anzeige [sc.: Anzeigen]. Es war spät Abends als wir auseinamder [sc.: auseinander] gingen und Zei[t]z machte mir noch die besondere Freude, durch den Camburger Gesangverein und durch die noch anwesenden Schullehrer einen Abendgesang mir bringen zu lassen, in dem Choral "Eine feste Burg ist unser Gott" und - "Was ist des Deutschen Vaterland" - Donnerstag den 8. Juni ging es früh von Camburg über < ? > [sc.: Gotha ?] nach Eisenach zum Wartburgfest der deutschen Studenten. An diesem Tage begannen auch die Berathungen über Tages- und Geschäftsordnung, so dass ich also gleich vom Anfange an bei den Verhandlungen war, was ich sehr wünschte. Über das Fest selbst enthalte ich mich aller Mittheilungen, indem besonders die deutsche Zeitung, welche auch bei Ihnen gelesen wird, eine so einfache als wahre Darstellung desselben enthält. Sie werden in den Gegenständen der Verhandlungen gar manche fin- /
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den, welche ganz denen gleich sind welche auch für Ihre Petition in Hildburghausen berathen und angenommen worden sind nur natürlich in bedeutend vergrösserten [sc.: vergrössertem] Maassstabe indem hier von einem kleinen Ländchen und grö[s]stentheils von Volksschulen, hier aber von ganz Deutschland und den Universitäten gesprochen wurde, dem Geiste nach waren und sind sich jedoch die verhandelten Punkten [sc.: Punkte] mehrfach gleich. Diess ist ganz gewiss auf das Höchste beachtungswerth. Allein nicht minder beachtenswerth war es mir, dass ein alter Pädadgog u. Schulmann Dr Kapp zu Hanau eine Schrift zur Kenntniss der Studentenschaft brachte, einen "Aufruf zur Umgestaltung der deutschen Volks[-] und National Erziehung 2te Aufl Arnsberg 1848 19 Seiten[.] In diesem Schriftchen nun, welches ich mir erlaube Ihnen hier bei zulegen werden Sie nun all die Punkte, nur /
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in noch weiter gehender Ausdehnung und so in Gesammtzusammenfassung zur Sprache gebracht sehen, welche sowohl in Hildburghausen wie von den sächsischen Lehrern berathen worden sind. Ich bitte Sie gar sehr diess Schriftchen mit grosser Sorgfalt zu lesen, mich dünkt es bekommt gar Manches in ihrer Petition nicht nur grössere Aufklärung, allgemeinen und grösseren organischen Lebenszusammenhang, wie überhaupt einen festeren Hinterhalt. Mir ist das Schriftchen für meinen und unseren Zweck ein wackerer Vorläufer und Bahnbrecher denn es zeigt theoretisch als unrelässlich [sc.: unerlässlich] nothwendig, was wir praktisch ganz zur Anwendung von und durch[ge]arbeitet darreichen, so darf der, der das Ächte will sicher seym [sc.: seyn], es wird ihm zu seine[r] Ziellerreichung vorzuarbeiten < ? ? ? >[.]
Am verflossenen Donnerstag den 15ten /
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Juni nun bin ich wieder von Eisenach nach einer zufällig fast 7 wöchentlichen Abwesenheit in mein stilles Keilhau zurück gekehrt. [sc.: gekehrt,] um nun mit allem Eifer und aller Hingabe an der klaren und möglichst vollkom[m]enen Ausführung unserer Erzieherversammlung und das [sc.: dem] in der [sc.: der] derselben zu Verhandelnden zu arbeiten. Was ich in Brünn da[r]zulegen gedachte werde ich hier einzuführen suchen und so an einem der Tage ein kleines Kinderspielfest anzuordnen suchen. Es kommt nun alles darauf an, wie weit meinen [sc.: meine] Hülfe und meine Mittel reichen. In den nächsten Tagen gedenke ich nach Saalfeld zu gehen und dort auch die Sache mit den Saalfeldischen Lehrern, namentlich mit Morgenroth zu berathen.
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Für Ihren Freund ich glaube Namens Krell in < ? > [sc.: Mengersgereuth] lege ich hier die /
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erste Hälfte des Sonntagsblattes und einiges Anderes bei. Könnte er sein Herkommen in den nächsten Wochen bewerkstelligen, so könnte ihm diess wegen des Umfangs des zu bearbeitenden Gegenstandes von Nutzen seyn. Grüssen Sie ihn und sagen Sie ihm dass in den [sc.: dem] Maasse wie er für den Gegenstand früher entwickelnden Kinderpflege u. Erziehung sey, es jeder geworden wäre, welcher während meiner Reise Gelegenheit gehabt hatte [sc.: hätte], sich wenigstens etwas mit dem Gegenstand bekannt zu machen.
Nun Gott befohlen; Grüssen Sie mir alle Freunde und Freundinnen, vor allenn [sc.: allem] unsern treusinnigen Langguth. Sagen Sie ihm, er möge vielen Fleiss auf die Spiele und Beschäftigungen seiner Mädchen verwenden; es lässt sich dadurch vieles zu deren inneren und Lebensbildung dadurch erreichen, ich habe [mich] auf meiner jetzigen /
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erzieherischen Wanderung von neuem davon überzeugt und wir müssen alles dazu beitragen, dass wir durch die Mädchen und Jungfrauenwelt die Frauen und Mütter erheben, nur durch ein ächt deutsches wirkliches Geschlecht erhalten wir eine wahre und tüchtige Begründung ächten, frohen, frischen, freien, edlen deutschen Volkslebens und zu jenen [sc.: jenem] könnt Ihr Zöglinge und jungen Männer wieder viel beitragen.-
Stets

        I. FrFr.