Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an August Härter auf Saline Heinrichshall b. Köstritz v. 24.6.1848 (Keilhau)


F. an August Härter auf Saline Heinrichshall b. Köstritz v. 24.6.1848 (Keilhau)
(Autograph nicht überliefert, Abschr. BlM F 1058/49/1, fälschl. S. 164-173; eigentl. Bl 164-168; 2½ B fol. 10 S. Luise F. hat bei Anfertigung der Abschrift nicht bemerkt, daß F. im zweiten Teil seines Briefs seinen Briefpartner zweimal namentlich nennt. Offensichtlich fehlte in ihrer Vorlage, dem Brieforiginal, der Briefanfang mit Eingangsfloskel bzw. Nennung des Adressaten. „Herrn N.N. in N.N.“ ist also unbegründeter Zusatz Luise F.s.)

Keilhau am 24 Juni 1848 [Jahreszahl eingekreist]

Herrn N.N. in N.N.
Ihre Begeisterung für die Sache der Kinderwelt und
so der unsers Volkes, m[ein] h[och]g[eborner] Herr ist mir eine liebe förderliche
Gabe, welche ich so wohl von Ihnen, als von dem uns Menschen lie-
bend leitenden Geschicke dankbar annehme. Sie müssen mich mit
diesem Zusatz recht verstehen, ich meine, daß wir alle und jeder
Einzelne wieder selbstständig für sich, Glieder eines großen
geistigen, innig einigen, sich bewußten Ganzen sind, innerhalb
welches wir einzelnen Menschen uns eben so zum sich selbst ver-
nehmenden, vernünftigen Bewusstsein erheben, wie die Kinder,
die Töchter und Söhne innerhalb der Familie, sich zum Bewußtsein
der Eltern, des Vaters, der Mutter zu erheben streben; oder
ist Ihnen dies zu beschränkend bezeichnet: - zum bereits
gewonnenen Bewußtsein der ganzen Menschheit, wovon auch
die Familie nur wieder ein Theil ist. Genug ich erkenne und
erfasse jeden einzelnen Menschen einmal als den, welcher er an
sich ist, doch zugleich auch in innig einigen lebenvollen Zusammen-
hange mit dem großen geistigen Lebensganzen; in diesem
Zusammenhange bekommt mir derselbe eben die Achtung die Würde,
die Bedeutung, welche ihm gebürt; vereinzelt angeschaut ist er schwach, in Einigung
ist er stark, mächtig. –
Wie mir nun schon Ihre persönliche Begeisterung für die
Sache der Kindheit und in und mit ihr für die Sache der stets durch
sie sich erneuenden Menschheit, so unsers Volkes, als eines wesent-
lichen Gliedes derselben, hocherfreulich; so ist sie es mir doch noch
mehr durch Ihr ausdauernd reges Streben dieselbe schöne hohe
Begeisterung auch in Andere, besonders jungen Gemüthern, nament-
lich Volksschullehrern zu wecken; denn nur Begeisterung kann
Begeisterung wecken und die stetig still und ausdauernde Gluth ruft
sie noch mehr hervor, als das in Flamme schnell hervorbrechende /
[165=164R]
und schnell wieder verflackernde Feuer. Ihre Begeisterung gehört aber nicht
zu dieser Art, daß weis ich, Sie haben Ihre Ausdauer für die Sache der Volks-
erziehung und so herab steigend bis zur Pflege und Beachtung der vorschul-
pflichtigen Kinder in Familie und Kindergarten, schon eine nahmhafte
Zeit bewährt, schon sind die Segnungen davon für die Menschheit,
zunächst unser Volks- und Familienleben unvergänglich.
Allein durch Ihre brüderliche Liebe zu mir und Anhänglichkeit an
mich getrieben und durch meine achtende Gegenliebe aufgefordert,
muß ich mich aber noch über eine weitere Wirksamkeit Ihrer
Begeisterung für deutsche Volkserziehung oder vielmehr Er-
hebung des deutschen Volkslebens und endliche Erreichung
des deutschen Volksstrebens, als eines Bestrebens der Menschheit
mit Ihnen besprechen. Es ist mir dies darum eine so hochwich-
tige Angelegenheit, ein wesentlicher Gegenstand ächter tiefge-
gründeter weithin seegensreich sich verbreitenden Volkserziehung;
ja ich möchte sagen ein noch wichtiger[er] als selbst unsre Schul-
meisterei, weil dadurch diese als Volkssache nicht nur ihren
ächten Grund und Boden zur Aussaat, sondern auch dadurch Ge-
währ für seegensreiche reife Ernte erhalten würde; ich meine
durch unmittelbare Erhebung und Veredlung des deutschen
Familienlebens durch die Erhebung und Veredlung des Jünglings-
und Jungfrauenlebens.-
Sie wissen lieber Herr die Grundlage all meines Wirkens
und des, wenn auch bis jetzt noch geringen Erfolges desselben
ist die – mit meinem ganzen Wesen als Mensch und als Geschöpf
Gottes, innig zusammenhängenden Ueberzeugung: all unser (irdisches)
Leben, das heißt all unser Leben zugleich als Glieder der
gesammten Natur
(d.h. des All) ja der Erscheinung nach als Kinder derselben
- ist sinnbildlich; d.h. weiter: hinter und in der äußeren Er-
scheinung, in und hinter dem Bilde ist ein tiefer innerer, geistiger,
ewiger Sinn verborgen. Diese Ueberzeugung finde ich nun /
[166=165]
bis in die kleinste irdische und menschliche Erscheinung herab, gegründet, -
- gegründet bis in die geringste Erscheinung des Kindes- und des Mutter-
des Elternlebens. – Hierin hat ja mein Mutterbuch, hierin
haben meine Spiel[-] und Beschäftigungsmittel, haben meine Kinder-
gärten ihren Grund, welche – auf der, und für die Kindesstufe -
eine Simbolik [sc.: Symbolik], ein Sinnbild des Höheren, ihnen den „Kindlein“-
geist noch nicht erfaßbaren und dennoch so nahe liegenden geisti-
gen Lebens sind, daß sie möchte ich sagen, von demselben getra-
gen werden und sich in demselben bewegen, wie die Vöglein in
der Luft. –
Wie nun aber so das gesammte Leben des Kindes, der Mutter und
ihr gegenseitiges Wechselleben, wie das Leben der Eltern zu
dem Kinde und das von Vater und Mutter unter sich ein sinnbildliches:
- in der äußeren Erscheinung das höhere innere <Seiende> offen-
barende ist, so ist ganz namentlich das Verhältniß der Geschlechter
und vor Allem das, des Jünglings und der Jungfrau zu einander
ein tief ein wahrhaft sinnbildliches
; darin hat die ganze dichte-
rische Erfassung dieses Verhältnisses – welche in Ahnungen
die hohe Bedeutung desselben bis zur Begeisterung erhebend -
durchfühlen läßt, ihren Grund, ihren Schlüssel. Statt vieler
Belege einen, - „die bezauberte Rose von Ernst Schulz“ – als er-
schöpfendes Beispiel.
Was ist aber am Ende das so zarte, geistige Band, daß es
selbst von dem herangereiften Jünglings- und Jungfrauenpaare,
deren bisher getrennte Seelen sich nun als Ein ewig einiges We-
sen finden – nicht geahnet wird, wenn die liebend geliebte
Jungfrau sanft den Blick senkt, so bald das Auge des Geliebten
Jünglings das ihrige trifft – was dann als sanfte Morgenröthe
einer nun aufgehenden Lebenssonne bis auf die zarte Wange der
Jungfrau tritt? – Es ist der Hauch des Gedankens der Neuge-
staltung eines Menschheitlebens und der ihm ganz hingegebenen /
[167=165R]
Pflege, welcher als leise Ahnung, weckend und einend die Herzen
beider durchwebt. –
Wir bemühen uns jetzt in Familien wie in Kindergärten die zarten
Keime des Kindheitlebens beachtend und pflegend zu entwicklen;
wir suchen die Blätterknospen unsers Volksunterrichtes in den
Fortbildungsschulen zu dichten, die das häuslich bürgerliche Leben schüt-
zenden Laubkronen zu entwickeln; dies ist viel, ist wichtig; allein
es ist zur Förderung ächt deutschen Jugend- Jünglings- und
Jungfrauenlebens, zur Verwirklichung ächt deutschen Familien-
und Volkslebens noch lange nicht genug: - es bedarf, mein
theurer Freund „wie in der Kindheit die sinnige Beachtung und Pflege
der zarten Keime des Menschenlebens, so in dem Jünglings- und
Jungfrauen- dem in sich abgeschlossenen Jugendleben, die gleich
sinnige Beachtung und sorgsame Pflege der zarten
Blüthenaugen
und
Blüthenknospen des neuen auch schon entwickelteren Mensch-
heitslebens.
Lassen Sie uns m[ein] h[och]g[eehrter] H[err] auch dafür wirken, wir machen uns
dadurch mehr noch zu Wohlthätern unsers Volkes und zu Be-
glückern unsrer Familien, als durch unsre Mutterschulen, unsre
Kindergärten unsre Volks- und Fortbildungsschulen; ja wir
bereiten durch jene sorgsame Pflege der zarten Blüthen-
augen und Knospen
des Jugendlebens erst der ächten Wirk-
samkeit jener den wahren Grund und Boden, wir machen
nun erst die gesunden Blüthen, die reifen Früchte derselben
möglich, indem wir der kräftigen Krone des Baumes deutscher
Familien und Volkslebens die schönen kräftigen Blüthen
entwicklen, welche uns jene gesunden, reifen Früchte bringen,
die in sich das vollendete Samenkorn bringen, wodurch das Lebens-
und Schicksalserfahrene Ende in den leben[-] und machtvollen An-
fang
zurück geht, um sich von da aus wieder in gleicher Einfach-
heit und allseitig anlagsvoller Kräftigkeit aber /
[168=166]
erfahrungsreicher d.i. bewußter zu vollkommnen Blüthen und
Früchten zu entwicklen.
Wer darum dafür wirkt, daß den Blüthenaugen und Knospen der
Jugend- und vor allem des Jungfrauenlebens die bedürfende ent-
wicklende höhere Nahrung zugeführt werde, wird der seegnende Genius
der Menschheit sein, würde dessen Name auch nie genannt. –
Um in einem Bilde ganz klar zu werden was ich will und wie ichs meine:
Sehen Sie im Frühling zwei blühende Obstbäume – (ich habe sie in diesem
Frühling beide gesehen) – einen mit unverletzten Blüthenknospen
und Blüthen und einen mit verkümmerten von vergiftenden Insecten
verletzten und sehen Sie beide wieder in den Tagen des Fruchtens
und des Herbstes. Ich brauche das Bild nicht weiter auszuführen
Sie theilen die Erfahrungen der verschiedenen Früchte beider Bäume
mit mir. Die Wirkungen des gesund gebliebenen Baumes reifen
auch Ihnen in gesunden Früchten entgegen.
Doch von wem soll solche Wirkung ausgehen? – Sie kann nur
aus dem Jugendleben
, sie kann nur von dem Jünglings- und
Jungfrauenleben selbst hervorgehen. Nichts Gemachtes, nichts
Gegebenes, nichts Gefordertes, noch weniger von Außen Befohlenes
kann hier helfen, nur das freie Gewächs, nur die freie Entfaltung
und Gestaltung aus dem freien, deutschen Jugendgemüthe und
Jugendleben kann uns hier, die Erlangung der hohen Güter
nicht blos anbahnen, nein für das Leben sicher stellen, welche wir
Alle in reiner, deutscher überhaupt menschheitlicher Freiheit
ahnen, alle darin ersehnend, wenn wir sie auch in ihrem Wesen
nicht kennen!
Von welcher der zwei Seiten des Jugendlebens aber soll zunächst
die Pflege der Blüthenknospen und Blüthenaugen desselben ausge-
hen? – Von der Seite der Auffordernden, der darum kräftigsten,
wie zugleich schützenden, von der Seite des Jünglingslebens! -
Jeder das Jungfrauenleben in seinem Wesen, seiner hohen Be- /
[169=166R]
deutung und Würde anerkennende, jeder sich reiner Jungfrauen Achtung, ja solches
Wohlwollen, solcher Zuneigung, ja Liebe erfreuende Jüngling ist dazu beru-
fen. – Allein nicht vereinzeltes Wirken kann hier zum Ziele führen,
einzig nur geeintes, aus einem in sich einigen innern Lebenstriebe hervor
gedrängt, wie die Blüthenaugen und Knospen der aus einem Samen
hervor gewachsenen Baumkrone.
Haben wir nicht schon eine solche Blüthenaugen[-] und Knospenreiche
Baumkrone in der Jugend der deutschen Volkserzieher, der deutschen
Volksschullehrer
?! – Auf! erwecken, erwärmen, begeistern
wir in dieser Jünglingsschaar, den, gleich den Blüthen in den Blüthen-
knospen noch schlummernden Gedanken der gegenseitigen Pflege
und Entwicklung der Menschheit Blüthenknospen in dem Jünglings-
und Jungfrauen[-] in dem gesammten Jugendleben
. Alle Erzieher[-]
und Volksschullehrer[-]Jünglinge sind zunächst, jeder in seinem
Lebensverhältnisse ist dazu berufen. –
Doch wie im Leben überall, wo etwas Neues, und sei es das
Beste, besonders allgemeiner geschehen soll, das Aussprechen
des Gedanken[s] ist da nicht genug, es müssen Vertreter, es muß
das Beispiel und der Vorkämpfer dafür eintreten, so auch hier.
Wer soll dies aber sein, und wie soll es geschehen? –
Nur ein solcher dünkt mich kann es zunächst sein, dem das -
darum treu zu verwaltende schöne Geschenk wurde, leicht sich
Jungfrauen Gunst zu erwerben, sich Jungfrauenwohlwollens
bald zu erfreuen und – wie sollte dieser nicht auch für eine
solche, das Leben, wie die Blumen den Frühling verschönende
Gabe dankbar sein? und welcher Dank wäre hier schöner
als der, daß, wie der Frühling dem Sommer seine Früchte möglich
macht, so aus solcher Jungfrauengunst als Lebensfrüchte Familien-
freuden, Bürgerglück, Volkswohl und Menschheitsfrieden hervor-
gerufen werden.
Meinen Sie nicht lieber Härter, wenn Sie einen Blick in das Leben /
[170=167]
thun, wie es Sie umgiebt – daß es leicht, und ohne nur weit zu gehen,
es Ihnen leicht sei solche Erhebung in dem Jugendleben hervor zu-
rufen und zwar über dies ohne, daß das Leben in seiner Schönheit,
Freudigkeit, in seinem Werthe irgend etwas verliere, ja auf erhöheter
Stufe erst wahrhaft gewinnt. Legten Sie auch wirklich eine kleine
Gabe kleiner Eitelkeiten auf dem Altare des Familienglücks
nieder, und träte selbst weniger oft der leicht verschwebende Witz
in seinem doppelfarbigem Schimmer in Ihrem jugendlichen
Lebensaustausch ein, ein höheres Gefühl der Jugend das Doppel-
gefühl der Jünglings- und der Jungfrauenwürde wird dagegen
Ihr Gemüth erfüllen
und Empfindungen, Gefühle, Gedanken
in dem Jungfrauengemüthe durch Ihren Geist, dessen Mittheilungen
geweckt und gepflegt, - werden jenem zu einem unverwelklichen
sinnvollen Blumenstrauße des Lebens zusammenwachsen. Und
nochmals ist dies zu erreichen schwer? – Wäre es Ihnen zu er-
reichen schwer, der Sie so leicht jungfräuliches Gemüth bewegen,
dessen Geist Sie so leicht gewinnen? – Wissen Sie nicht, wen
man achtet, wen man wohl will und geneigt ist, ja so gar liebt,
dessen Beruf, dessen Wirksamkeit, dessen Denkungsweise achtet
und liebt man, will ihnen wohl, wenn nur alles dies überhaupt
achtbar ist! – Wie! sollte die Jungfrau nun in dem geachteten
erziehenden, menschenliebenden Jünglinge nicht bald auch die
Erziehung, die Menschenbildung, das Wesen und die Würde des
Menschen selbst achten, lieben und pflegen? – Sollte der für
Menschenbildung begeisterte, erziehende und lehrende Jüngling
nicht auch bald die Jungfrau, die ihn achtende, ihm wohlwol-
lende Jungfrau für menschenbildung und Erziehung begeistern
können, sei es auch wirklich zunächst, um solche an sich zu üben,
an sich zu bewähren, um sich selbst so liebenswerther, ihm liebenswer-
ther zu machen? – So dünkt mich, läßt sich das edle, jungfräuliche
Gemüth gewiß leicht von dem, der Fremd- und Selbsterziehung /
[171=167R]
hingegebenen Erzieher auf die gleiche Bahn leiten. Darum meine ich, lieber
Freund „wir sollten die hier angedeuteten Gedanken, und Gesinnungen
in dem ganzen Kreise unserer Erzieher- und Volkslehrer[-]Jünglinge
hervorzurufen uns bemühen
[“] d.h. die von Jungfrauen geach-
teten, sich deren Wohlwollen, deren Zuneigung erfreuenden
zunächst Volkserziehenden Jünglinge, sollten ihren so natürlichen
Einfluß auf die empfänglichen Jungfrauengemüther dahin benutzen,
diese – durch die Wirkung ihrer erhöheten gegenseitigen Achtung
- sowohl geistig zu heben, als sie auch zu einer sinnigen, das
Leben erhöhenden und verschönenden Erfüllung ihres weiblichen,
häuslichen Berufes, ja selbst dem, des geselligen Lebens hin-
zuführen; dadurch brauchen sie sich auch nicht das geringste von dem bis-
herigen sie wahrhaft erfreuenden Leben zu nehmen; denn was
ich meine schließt die größte Jugendlust und Wonne, ja selbst
den fröhlichen und doch sinnigen Jugendübermuth nicht aus,
sondern wohl gar noch in erhöheter lieblicher Gestalt ein. –
Kurz, in nächster Beziehung auf uns beide meine ich: - dieselbe
schöne Begeisterung für Menschheitpflege (dies Wort zugleich in
der allgemeinen Bedeutung ächter Lebenspflege genommen) welche
Sie, wie ich oben aussprach, so leicht in Volkserziehenden Jünglin-
gen hervor zu rufen, zu nähren wissen; dieselbe können Sie auch,
wenn Sie nur wollen, in den Jungfrauengemüthern hervor rufen,
denen ja Menschheitpflege, edle Pflege des Lebens und dessen
Verschönerung mit ihrem Natursinn und Lebenstriebe ins
Herz gelegt ist; allein es bedarf auch dies wieder, wie selbst
das Höchste im Leben, eben der Beachtung und Pflege durchs
ganze Leben, also vor allem im Jugendleben. – Welch
ein herrliches, ja ich möchte sagen allmächtiges Mittel dazu
hat Ihnen Ihr gütiges Geschick in Ihrem musikalischen, Ihrem
Gesangstalent gegeben.
Prüfen Sie nun, geehrter Härter, diesen Gedanken der Verallge- /
[172=168]
meinerung erhöhter Jungfrauen Achtung, Bildung überhaupt
sinnigeren, erhebenden und veredelnden Jugendlebens, angebahnt
durch die künftige, edle Jünglingsschaar der deutschen Volkserzie-
her und Volkslehrer, zuerst ganz im Stillen in sich, suchen Sie
ohne daß Jemand eine Ahnung davon hat, in dem schönen Kreise
Ihrer Jungfrauen- und Jünglings-Bekanntschaft sie in Anwendung
zu bringen; ich glaube es wird ein Probierstein sein ächtes Gold
von falschem zu unterscheiden. –Theilen Sie diesen Gedan-
ken dann im Vertrauen auch weiter denen Ihrer Freunde mit,
welche Ihnen desselben am würdigsten erscheinen. Für
das spätere Leben liegt mir dann der Gedanke nahe, dass dadurch
das Häusliche und Familien[-]Leben der Volksschullehrer in Stadt
und Land in jeder Beziehung ein wahrhaft musterhaftes wer-
den könnte; wenn häusliche Ordnung, Reinlichkeit und selbst
die Liebe, überhaupt weibliche Wirksamkeit durch ächte Sinnigkeit
u.s.w. eine große Weihe erhielte.
Jetzt über die Wirkung solchen Lebens weiter kein Wort mehr.
- Kommen wir im Monat August zusammen, so
können wir in einem ganz besonderen Verein an welchem nur
Volkserzieher[-] und Volkslehrer[-]Jünglinge
, nur auf bestimmte
namentliche Einladung Antheil nehmen, die Sache hinsichtlich
ihrer größeren Ausführung weiter besprechen; ich würde dann
in Beziehung darauf Gedanken mittheilen, welche mir selbst auf
meinen erziehenden Wanderungen, von für weibliches und
Familienheil durchglüheten ausgesprochen wurden.
So könnte diese Aussicht stattfindende Versammlung noch eine
bei weitem tiefere Bedeutung und Wirkung hervorbringen,
als uns [bei] der ersten Anbahnung erst vor die Seele trat.
Durch einen Zusammentritt in dem angegebenen Geiste, so still
auch seine Wirkung immer sein mögte, würden wir gewiß die
ganze edle deutsche Frauen- und Jungfrauenwelt für unsre /
[173=168R]
erziehenden Bestrebungen gewinnen, und so denselben nicht nur einen
guten Grund und Boden, sondern auch einen sichern Hort und Schutz geben,
welchen ich nirgend anders in dieser Art und gesicherter zu finden weiß,
als in der für sinniges und sittliches ächt deutsches Volks- und Famili-
enleben begeisterten Jugend- Jünglings- und Jungfrauen<b[e]rufs>.
Dann könnten wir hoffen, daß endlich der Friede auf der Erde d.h.
der innere Seelen- und Lebensfriede in allen Verhältnissen hei-
misch werde, welchen Er der Welt verhieß als er sprach:
meinen Frieden geb ich euch. -
Um baldige Rückantwort bittet [Schlussfloskel fehlt]