Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 5.7.1848 (Keilhau)


F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 5.7.1848 (Keilhau)
(BN Anh. 43, Bl LC 84 - LC 96, tw. Abschriftabschrift, tw. Abschrift 6 ½ B 8° 26 S., Handschrift unbekannt. Der Abschriftabschreiber gibt als Vorlage zunächst eine Abschrift im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an; ab den Worten "da ich glaube dass" auf LC 93b aber das F.-Orig., das fragmentarisch bei Lorenz vorhanden war. - Bemerkungen des Abschriftabschreibers, die sich mit seiner Vorlage auseinandersetzen, werden, soweit sie als richtig erscheinen, hier u. in allen F.-Briefen an Stangenberger aus BN Anh. 43 analog zu eigenen Bemerkungen wie folgt aufgegriffen: Hinweise auf Auslassungen als "< ? >", Hinweise auf vermutliche Lesefehler als "[sc.: ...]". Der teilweise abgeschriebene Brief G. Heusingers ist vermutlich der vom 21.6.1848.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Keilhau b. Rudolstadt am 5. Juli 1848

Lieber Herr Stangenberger.

Meinen Brief mit der Beilage einer Anzahl Einladungen werden Sie hoffentlich zur rechten Zeit in Römhild erhalten haben. Was bringt die Einladung wo Sie dieselbe verbreiten vor [sc.: für] eine Wirkung hervor? In Saalfeld wo ich bei Morgenroth bei denn [sc.: dem] Herrn Dr Weidmann und bei dem Herrn Sup. Kühnert war hat das ganze Vorhaben eine sehr freudige Aufnahme gefunden. Was mir jedoch um die Aufführung des Ganzen willen besonders lieb ist, das ist, dass sich erstlich die wackern Bewohner der Orte Eichfeld u. /
[LC 84b]
Schaale zur Aufnahme einer Mehrzahl lieber Gäste sehr bereitwillig zeigen, und da einige derselben für den Sommer bedeutende Räume zum Schlafen haben, so hoffe ich wir bringen da schon eine namhafte Anzahl lieber Besuchende[r] unter. Überdiess hat Schaale wie sie wissen einen bedeutenden Gasthof und grossen Saal, welcher einen schönen Raum zum geselligen Verkehr nach der Versammlung bietet.
Doch noch wesentlicher ist, dass sich Rudolstadt selbst bei der Sache betheiligen wird und mir von jeden [sc.: jedem] Punkte aus wo ich Anfrage und Bitte bis jetzt in Anregung brachte und ganz namentlich bei den /
[LC 85]
bestimmten Behörden, Stadtverordnete[n] und Bürgermeister ein willfahriges Entgegenkommen zur freundlichen Aufnahme der lieben, sich zur Theilnahme an der Versammlung melden werdenden Gäste gefunden habe.
So ist nun "Rudolstadt" zum Versammlungsort fest bestimmt, die Zeit wird sich nun auch bald durch die Tagung der Dresdener Versammlung bestimmen lassen.
Wie Rudolstadt unsere Versammlung aufnimmt, geht klar aus einer Anzeige derselben in der zu Rudolstadt herauskommenden "deutschen Bürgerzeitung" hervor; sie lautet wie folgt: /
[LC 85b]
 "In den Schulzeitungen ergeht von einem Vereine von Lehrern (hier folgen sämmtliche Namen der die Einladung Unterzeichneten) an alle Volkslehrer und Freunde deutscher Volkserziehung, besonders von Kindergärten, die Einladung zu einer grossen pädagogischen Versammlung, welche Mitte August an noch nähern zu bezeichneten Tagen gehalten werden soll.
a ..... "Zum Versammlungsorte wurde Rudolstadt erwählt, in dessen Nähe Fr. Fr. (hier folgt ein Auszug aus der Einladung bis zu den Worten) ...... gearbeitet hat[."]
b "Wir Rudolstädter freuen uns schon im Voraus auf die Ehre /
[LC 86]
dieses Besuches, und nehmen die werthen Gäste mit unseren bescheidenen Wohnungen und mit der frugalen Hausmannskost vorlieb, dann soll sich die sprichwörtlich gewordene alte thüringische Gastfreundschaft auch an uns bewähren!- (Man meldet sich in portofreien Briefen an < ? >[."]
Es wird nun besonders gut seyn, bei der weiteren Verwendung der Einladungen a und b besonders hervorzuheben[.] Sie könnten es vielleicht von einigen der grösseren Mädchen Langguts [sc.: Langguths ?] mehrmalen abschreiben lassen und Ihren Versendungen oder sonst brieflichen Mittheilungen beilegen.
Kennen Sie denn unter /
[LC 86b]
Ihren Bekannten keinen Mitarbeiter an den "Rheinischen Blättern"?- Es wäre sehr gut wenn auch in diesen die Einladungen abgedruckt und dabei zugleich auch a und b d.h. Versammlungsort und Unterkommen nicht blos, sondern die Zusicherung freundlich gastlicher Aufnahme besonders hervorgehoben würde.
Nach Baiern sollten wir wohl auch die Einladung zu bringen suchen. Haben Sie keine Verbindung mit den [sc.: dem] "Nürnberger Correspondenten"[?]
Mittags. Vorhin empfing ich Ihren lieben Brief aus Schalkau vom 3. d. M. worin Sie mir schreiben, dass Sie nächsten Sonnabend zu einer /
[LC 87]
Commissions Versammlung nach Poppenwind gehen; da könnte dem [sc.: denn] sogleich die eine meine Bitte hinsichtlich der Aufnahme der Einladung in die Rheinischen Blätter erledigt werden und zwar durch Hess; dieser hat mir neulich gesagt, dass der Lehrer in "Frankenthal" Mitarbeiter an den Rheinischen Blättern sey, durch Hess und diesem [sc.: diesen] könnte also wohl jener wirklich nothwendige ernstliche Wunsch erfüllt werden. Ich bitte Hess und all die übrigen zu grüssen, so wie den beiliegenden Brief gefälligst an Herrn Hopf zu besorgen.- Nun zur Beantwortung Ihres l. Briefes[.]
1.) Ich habe mir nun Ihre Composition vorspielen lassen; /
[LC 87b]
Sie haben recht sie ist flussreich fällt leicht ins Gehör indem sie an Volksmelodien erinnert und ist dem ohngeachtet in sich ein schon geschlossenes Ganzes, welches eine stetige Fortschreitung hat; der Choral ähnliche Schluss gefällt mir sehr wie dem [sc.: denn] das ganze Liedchen dem Recensenten und den Sängerinnen gefallen hat; ich habe es ein[-] und zweistimmig gehört. Dass Sie die bogenförmige Bewegung mit den 4 Fingerspitzen und 3 Zwischenräumen gleichsam die 7 Farben des Rechenbogens [sc.: Regenbogens] bezeichnend - gefunden haben hat mich sehr gefreut.
2.) Wie unser lieber Hofmann dazu kommt zu meinen, ich achte stärker und ferner /
[LC 88]
für einen Reim, weiss ich nicht, es sollte blos die Sache bezeichnen, allein darin hat er Recht ferne ist nicht der reine Gegensatz von stärker, sondern dieser müsste schwächer seyn, allein darin liegt nur nicht die Auffassung und Anordnung des sich immer mehr in die Ferne verziehenden Gewillens [sc.: Gewitters], was ich gern andeuten wollte. Übrigens danke ich unserm l. Hofmann für seine freundliche Bemerkung, denn jedenfalls ist Unvollkommenheit in der Darstellung. Gelegentlich sagen Sie ihm diesen Dank.
3., dass Ihre Petition schon zum Druck abgegeben freut mich, freut mich noch mehr, dass Sie darin kräftig der /
[LC 88b]
Kindergärten gedacht haben; doch ist der Ausdruck in Ihrem l. Brief - wenn ich offen sagen [sc.: seyn ?] darf, diess möge Sie mit Lommer wieder einigermassen aussöhnen - etwas zu stark[.]- Was ich Ihnen schrieb war der Ausdruck eines vorübergehenden unangenehmen Gefühles, indem mir persönliche Hervorhebungen nicht lieb, wie Sie wissen; allein an etwas Anzusöhnendes [sc.: Auszusöhnendes] ist gar nicht zu denken.
Dass ich demnächstens einige Exemplare Ihrer gedruckten Petition erhalten soll freut mich gar sehr, doch bitt ich nehmen Sie den Begriff "einige" nicht in zu engen Grenzen. Sie wissen man hat gar manche Freunde denen man so etwas /
[LC 89]
gern zur Aufmunterung mittheilt, auch wohl den Behörden auf eine feine Weise so seine Wünsche zu verstehen giebt, und jetzt arbeitet bei uns eine aus 5 Mitgliedern bestehende Commission an einer Reorganisation unseres Schulwesens.
- Die von Rudolstadt soll schon fertig seyn, die zwei ersten Lehrer (angestellte Candidaten) erhält [sc: erhalten] jeder 800 fl jährlich.
- Demnächstens soll die Reorganisation des Landschulwesens vorgenommen werden, da wird es mir lieb seyn zu[r] rechten Zeit noch Ihre Petition zu erhalten.
4.) Dass ich Herrn Hartmann als Mitglied des vorläufigen Comités aufnahm, wie diess /
[LC 89b]
gekommen, wissen Sie. Ich hatte bei der Wahl nicht das Geringste persönlich gegen Herrn Rektor Lom[m]er. Es leitete dabei wohl der Gedanke nicht gleich von Vorne herein in das Comité und seye es wirklich nur dem < ? > nach eine erst auszugleichende Verschiedenheit zu bringen. Bei einer definitiven Wahl kann diess alles verbessert werden.
5.) Zum Versammlungstag bringen Sie den 17ten August und die folgenden Tage in Vorschlag, ich habe zwar nichts dagegen, allein wenn wir wie Jul. Kell meint 4 Tage tagen oder versammelt seyn sollen, so wäre es schön wenn wir den /
[LC 90]
16. begönnen zum Sonntag den 20ten (1 X Trinit. Sonntag) sollte die ganze Lehrergesammtheit nach Oberweissbach eingeladen werden, wo eine herrliche Kirche und grosse prachtvolle Orgel ist ist [2x]. Sonnabend Nachmittags könnten wir schon über Schwarzburg dahin aufbrechen. So ist mein stiller Plan, noch habe ich für dessen Ausführung nicht gewirkt, allein ich hoffe meine Oberweissbacher werden den Bürgern der Residenz in Gastfreundschaft nicht nachstehen wollen.
Ich habe noch ein anderes Plänchen; allein es hängt von den Herzen ab, deren Kundiger ich jetzt nicht seyn mag.
Der Versammlungstag wird /
[LC 90b]
übrigens von der Versammlung in Dresden abhängig seyn.
6.)  Dass Sie jetzt schon zur Feyer der Versammlung auf gute Gesangschöre bedacht sind freut mich gar sehr. Ja auf unsern [sc.: unserm] schönen Anger zu Rudolstadt müssen wir den Bürgern Rudolstadts in dieser Hinsicht etwas Schönes zum Besten geben. Ich verlasse mich in dieser Beziehung mein lieber Herr Stbgr ganz auf Sie, dass wir keine Fehlhoffnung uns machen. Nehmen Sie ja zur rechten Zeit dazu schon die Mittel zusammen und in die Hand, welche dazu nöthig sind. Dieser Punkt ist nun unter uns ein für allemal abgemacht[.] Vergessen Sie Ihre Worte nicht, sie stehen fest in meinem Herzen. /
[LC 91]
Was kann dabei auch im Gesang geleistet werden, wenn nur wir Meininger zusammen halten[?]
Wenn nur "was ist des Deutschen Vaterland? - recht exact ausgeführt würde"[.]
Dann eine schöne 4stimmige Aussetzung des Chorals eine feste Burg?
Ein veste Burg ist unser Gott
Ein treue Wehr und Waffen
Erziehung ist der Damm der Noth
Sie kann das Heil nur Schaffen u s w.
Heut habe ich leider nicht Zeit den Text beizulegen. Damit denke ich die Versammlung zu beginnen.
8.) [7. fehlt]"Vielleicht treffen wir uns einmal"? sagen Sie, ja nicht vielleicht, sondern ganz gewiss müssen wir uns vorher und bald /
[LC 91b]
treffen um eine Festordnung und eine Geschäftsordnung vorzunehmen. Dort wie die Tage vertheilt werden sollen und hier welche Geschäftsverhandlungen und in welcher Ordnung sie vorgenommen werden sollen.
9. "Coburg wartet auf uns" schreiben Sie ferner, die Coburger als die letzte Petition muß die beste werden, sie muss aber auf dem Leipziger Programm fussen.
Ein lebendiger Organismus des gesammten Volksschulwesens - die Kindergärten und das durch sie gehobene Familienleben, der Keim und die Wurzel; die Kindergärten die Grundlage des Volksunterricht. Vorbildungsanstalten dafür auf [sc.: auch] beim Seminar. Mit Heu- /
[LC 92]
singer
und Jung müssen Sie gelegentlich die Sache besprechen, wenigstens ganz kurz, wie hier anregen, wenn Sie ihm [sc.: ihnen] einige Exemplare Ihrer gedruckten Petition überschicken.
10.) Was nun endlich meinen jüngsten Brief betrifft, so erwarte ich keinesweg[s] darauf eine baldige Antwort, prüfen Sie denselben erst am und in dem Leben so lang es Ihnen nöthig scheint. Erst wenn wir uns im August zusammenfinden, wollen wir uns vielleicht nur zunächst mit einigen Wenigen darüber besprechen, damit uns die Sache zuförderst auch hinsichtlich der Ausführlichkeit klar wird.
11. "Dass sich mit Ihnen Viele /
[LC 92b]
auf unsere Zusammenkunft freuen" und dass Sie mir diess zur Ermuthigung schreiben ist mir lieb, denn die Ausführung eines so leicht hingesprochenen Gedankens macht unsägliche Mühe. Duzzende von Briefe[n] habe ich schon geschrieben und Duzzende von Briefen sind noch zu schreiben. Genug das Leben muss nicht nur allseitig, sondern es muss auch überall in seinem innersten Kern erneuert werden.
Wer meiner, das heisst der Sache der Kindheit und durch diese der Sache der Volkserziehung freundlich gedenkt dem einen herzlich[en] Gruss wie Ihnen von Ihrem
Friedrich Fröbel /

[LC 93]
N.S.
Noch eines ist mir als zu sagen richtig übrig geblieben. Vor allen [sc.: allem] müssen wir suchen, den [sc.: der] entwikkelnd, erziehenden und so mit wohlbegründeten Kleinkinderpflege in den Kindergärten irgendwo einen festen Keim[-] und Wurzelpunkt zu verschaffen suchen, sey dieser Punkt auch noch so klein, wenn wir ihn [sc.: ihm] nur Schutz und Pflege verschaffen können diess müssen wir zunächst in den Meiningern und Coburgern und am besten in den beiden durch den Geistgeeinten zu erreichen streben und Sie müssen bei Ihrer Überreichung der Petition ist es irgend möglich anzubahnen suchen. Ich gedenke hier der Worte die in Camburg /
[LC 93b]
zu Ihrem Herzog gesagt wurden, als dort die Meinung sich wollte geltend machen durch Gewalt die Zeitbewegungen zurück zu drängen: In den Kindergärten nicht in der Gewalt liegen die ächten Sinne wahre Volkszufriedenheit daher in ihrer Anerkennung und allgemeinen Ausführung. Herr Stbg. wir wollen durchaus einen erschöpfenden Organismus des Volksunterrichts entwickeln; da ich glaube dass Ihnen l. Herr Stangenberger der Brief v. Herrn Heusinger in Rodach Freude macht, will ich auch mir die Freude machen Ihnen denselben abzuschreiben: Er lautet: "Wenn es gilt, dem Lehrerstand aufzuhelfen und mit ihm den [sc.: dem] Volke, - so bin ich gern /
[LC 94]
bereit mitthätig zu seyn und mitzuwirken so viel ich vermag. Es ist ein herrliches Gefühl - (ich glaube es giebt kein höheres) sich sagen zu können du bist kein ganz nutzloses Individuum in der grossen Volksmasse, die endlich einmal sich ermannt hat und gern einem freieren, geistigerem [sc.: geistigeren] Leben entgegen streben möchte. Dieses Gefühl möchte ich nicht mit irgend einem anderen vertauschen. Für die Erhebung und Entwickelung der Menschennatur mitthätig seyn zu können ist etwas Hohes und Grosses. Im Allgemeinen erkennt man dies noch zu wenig: - das Volk in nur geringem Grade; selbst viele Lehrer noch nicht. Herr /
[LC 94b]
Frbl! Wer nur ein bischen in die Menschen in die Kindesnatur zu schauen vermag und begreift, dass in der Kinderwelt die Nachwelt enthalten ist, der kann, der darf jetzt in den entscheidenden Augenblicken nicht unthätig der grossen Entwickelung mitzusehen, sondern muss, und seis in noch so kleinem Maassstabe - nach Kräften mitwirken und mitthaten.
Darum hat auch mich Ihre freundliche Zuschrift vom 19' dieses so freudig überrascht, so tief erregt. Ich hatte schon beinahe gefürchtet, die von Freund Stbrgr mit grosser Vorliebe beregte grössere Lehrerzusammenkunft werde entweder sehr langsam sich entwickeln /
[LC 95]
oder nach und nach gar nicht zu Stande kommen.- Stbrgr selbst hat mir seither nur ganz kurze Mittheilungen darüber gemacht.- Aus Ihrem Briefe sehe ich, dass Alles gut geht. Nun wohl an! Jetzt wird sichs zeigen was die Lehrer vermögen; jetzt wird sichs zeigen wie das Volk beschaffen ist obs auf unsere gut gemeinten Forderungen eingeht oder nicht.
Ich freue mich sehr dass nun jedenfalls diese grosse Lehrerzusammenkunft Statt finden wird. Wer's aufrichtig mit der guten Sache meint, muss so viel wie möglich dafür thätig seyn.
Wenn Sie sich darum an mich wenden in Betreff eines freiwillig sich zu bildenden Comités um die Namen der Lehrer /
[LC 95b]
aus den verschiedenen Bezirken zu sammeln und einzusenden, so können Sie sich versichert halten, dass ich es für eine ehrenvolle Aufgabe halte, dem Comité beizutreten und den Forderungen, die an jedes Mitglied dessselben zu stellen seyn möchten bestens nachzukommen mich jederzeit bestreben werde. Ich erkläre hiermit meinen Beitritt und erwarte nun entweder durch die sächsische Schulzeitung oder auf anderem Wege Näheres. Die benannte Zeitung wird bereits von uns gehalten und ich werde nun immer schnell die darinn enthaltenen Nachrichten bekommen.
In Bezug auf Ihre Bestrebungen darf ich Ihnen wohl folgendes mittheilen. Ich glaube dass ge- /
[LC 96]
rade jetzt der günstigste Augenblick gekommen seyn wird Ihre seit vielen Jahren so treu gepflegten Ideen verwirklichen zu können. Es ist keine Frage, die ganze Erziehung muss jetzt umgeändert werden, wenn nicht alles, was jetzt im socialen und politischen Volksleben geschieht, ein inhaltloser Traum seyn soll. Des deutschen Volkes Vertreter müssten wirklich ganz total die Erziehungsangelegenheit verkennen, wenn sie die Grundlage deutscher Einheit und Freiheit dem Volke nicht geben wollten. Alle Errungenschaften würden ohne zeitgemässe Erziehung wieder lediglich verkümmern müssen. Die Lehrer müssen jetzt um jeden Preis /
[LC 96b]
die Reorganisation des deutschen Voksschulwesens fordern. man [sc.: Man] wird die Lehrer hören, man wird auf ihren Rath eingehen. In dieser Weise kann man die naturgemässe Bildung der Jugend vor deren Eintritt in die Hauptschule nicht umgehen - die Lehrer werden immer wieder darauf zurück kommen. Die Einführung der Kindergärten ist ein so nahe liegendes Bedürfniss, dass man in Kurzem nicht mehr von dessen Befriedigung absehen kann["]

u.s[.]w. u.s.w.
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Haben sich denn lieber Herr Stbrger! die Koburger [sc.: Coburger] Lehrer auch zu einer Petition an ihr Ministerium oder an ihren Landtag vereinigt?-