Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Hofmann in Hildburghausen v. 6.7.1848 (Keilhau)


F. an Friedrich Hofmann in Hildburghausen v. 6.7.1848 (Keilhau)
(Landesbibliothek Coburg, Ms 300/2 F. Fröbel, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S., Fotokopie der Abschr. BN, Anh. 30, Bl 241-242)

Keilhau am 6 Jul. 1848 [*Jahreszahl eingekreist*]

Mein lieber theurer Freund.

Hoffentlich findet Dich dieser Brief wieder ganz her-
gestellt; denn es ist gar sehr lang her, daß ich nichts
von Dir gehört habe; auch Du wirst schwerlich etwas von
mir gehört haben, denn ich war, seit wir uns zum letzte-
renmale gesehen haben, durch ein eigenes Zusammentreffen,
ich darf wohl sagen günstiger Umstände für die Dir
bekannten Erziehungszwecke fast immer wandelnd und erst
seit kurzem wieder in meinem stillen Thälchen, arbeitend
auf meiner einsamen Stube[.]
Das Ergebniß meiner Wanderungen spricht sich nach
der einen Seite hin so ziemlich in der hier beigefügten
"Einladung zu einer Versammlung von Volkslehrern und
"Freunden deutscher Volkserziehung, besonders von Kindergärten"
aus. Und nächst meinem Verlangen wenigstens einmal
wieder schriftlich ein Wörtchen mit Dir zu verkehren
komme ich auch in dieser Beziehung mit einer Bitte zu
Dir: - Es wäre mir nemlich sehr lieb wenn diese Einla-
dung auch in süddeutschen Blättern namentlich nach
Bayern hin verbreitet würde: Nürnberg, Augsburg
Ulm München auch nach dem Baireuthischen. Könntest
Du dieß vielleicht durch Deinen Freund Kesselring
mit bewirken?- Ich erlaube mir Dir zu diesem
Endzweck hier 2 Einladungen und ebenso 2 Anzeigen aus
der in Rudolstadt erscheinenden deutschen Bürgerzeitung
beizulegen, welche bestimmt ausspricht
1) das [sc.: daß] Rudolstadt bestimmt zum Orte der Versamm-
     lung erwählt worden ist
2.) daß Rudolstadts Bürger die sich Versammelnden
     freundlich als Gäste aufnehmen wollen
Dieß beides wünsche ich nun als wesentliche Vervollstän- /
[1R]
digung dem Abdrucke der Einladung in geeigneter
Weise beigefügt.- Sind die Verhältnisse, wie sie
eben statt finden, der Erfüllung meiner Bitte nicht
günstig, so bitte ich mir die Beilagen auf dem Wege
zurück, auf welchen du diesen Brief empfängst, nemlich
durch Frl. Marie Christ, Kindergärtnerin in Lünen
jetzt ihre Eltern: den Riemermeister Christ Woh-
nung Schloßgasse der Druckerei gegenüber. Von
der Rudolstädter, mir doch wesentlichen Anzeige, habe ich
nemlich nur wenige zu meinem Gebrauche erhalten.
Hast Du nicht Zeit ein Wort hinzuzufügen, nun so
schicke es in demselben Umschlage zurück in welchem
Du sie bekommest.-
Könnten wir Dich bei Gelegenheit der Erzieher[-]
und Kinderfreundeversammlung als einen der ersten und
thätigsten der jetzt lebenden - in dieser Versammlung
begrüßen, vielleicht gar ein schönes, erhebendes
die Menschenherzen (die noch immer für Kindheitpflege
so verstein[er]t sind) eben als Herzen der Menschen
erschließendes Wort dann von Dir hören, in welcher
Form es immer Dir gefallen möge, so würde dieß
vielfach die Freude und Frucht unserer Versammlung
erhöhen. Überlege es. Die Lage Rudolstadts ist
wunderschön, und die Menschen wie Du aus der
Anzeige siehest gastfreundlich.
Sollten die Ergebnisse dieser Versammlung, wie na-
türlich ersehnt wird günstig seyn - (doch wer erfährt
nicht besonders jetzt des Schicksals Laune?) -
Könnten [sc.: könnten] wir dadurch dann auch belebend und
erwärmend auf unser Koburg wirken?-
Mit Brudergruß und Kuß
Dein
alter Freund
Friedrich Fröbel