Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 7.7.1848 (Keilhau)


F. an Hermann von Arnswald in Eisenach v. 7.7.1848 (Keilhau)
(BlM XVIII,2, Bl 32-33, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. - Diesem Brief lagen fünf weitere Briefe bei, wobei der vierte und fünfte als Beilagen zum dritten aufgefaßt werden: - Exemplar des Rundschreibens an die >Anwender der Fröbelschen Pädagogik< v. 7.7.1848 für Hermann von Arnswald; - Exemplar des Rundschreibens an die >Anwender der Fröbelschen Pädagogik< v. 7.7.1848 für K. Günther Mey; - Brief an die Mutter von Hermann von Arnswald und den Arnswaldschen >Frauenkreis<; - Brief an eine "Dresdnerin"; - Brief an einen "jungen Volkslehrer" [= Bekannter der Mutter von Hermann von Arnswald])

Keilhau am 7 Juli 1848. [*Jahreszahl eingekreist*]

Mein theurer, geliebter Hermann.

Schon sind drei Wochen vorbei - so schnell verfließt die
Zeit - seit ich Deine hochachtbare mir so gütig gesinnte, liebe
Familie und das schöne Eisenach verließ und noch hast Du,
haben, all Deine hochgeschätzten Lieben kein Wort des Dankes
für all das abermals von Dir und Ihnen [sc.: ihnen] empfangene Gute
und Freundliche von mir erhalten; daß nach der Weise und in
dem Wesen wie Du mich gewiß kennst der Grund in vielseitig
beanspruchter Thätigkeit lag hast Du, wie ich hoffe Dir gesagt,
und so ist es: gleich nach Rückkehr in mein kleines Thal und stil-
les Stübchen begannen die Geschäfte welche sich nothwendig an
die beabsichtigte Zusammenkunft deutscher Volkserzieher und
Volksschullehrer im Laufe dieses Sommers knüpfen. Zuforderst
waren Rudolstadts Bürger zu befragen ob sie die sich Versammeln[-]
wollenden zugleich auch freundlich als Gäste auf einige Tage
bei sich aufnehmen wollten. Ich gestehe offen ich gieng schüchtern
mit diesem Wunsche nach Rudolstadt um ihn dort bei den be-
treffenden Orten auszusprechen; allein ich fand zu meiner
großen Befriedigung auch überall, wo ich nur meinen Wunsch
aussprach auch ihn nur laut werden ließ, das freundlichste
Entgegenkommen zu dessen Erfüllung, wie Du hier selbst auf
dem hier beiliegenden Blatte der in Rudolstadt erscheinenden
deutschen Bürgerzeitung lesen kannst.
Ich erlaube mir Dir zu, der Sache förderlichem Gebrauche
so namentlich zur Mittheilung an die beiden zwischen uns
<oft> genannten jüngeren Lehrer einige Exemplare der zuerst
in No 25 der sächsisch. Schulztg abgedruckten Einladung beizu[-]
legen. Besonders wäre es mir möglich wenn diese Einla-
dung auch in die Spalten Eurer Sonntags Zeitung oder wie sie
heißt mit dem Beisatze aufgenommen würde: - daß
nun Rudolstadt bestimmt zum Versammlungsorte erwählt sey /
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und daß Rudolstadts ehrenwerthe Bürger die sich ver-
sammeln werdenden deutschen Volkserzieher und Volkslehrer
gastfreundlich bei sich aufzunehmen - öffentlich erklärt hätten.
Durch Deine gütige Verwendung bestimmt nimmt He[.] v. Göbel -
so heißt irre ich nicht der Redacteur Eures Localblattes -
die Einladung gewiß in sein Blatt auf. Es wäre mir dieß
besonders lieb, da nach dem Waimarschen und Eisenach-
schen für unsere Verbindung, das Wenige in Eisenach
selbst abgerechnet noch ganz todt ist. Schön wäre es daher
wenn noch ein paar, besonders einladende Worte an die
Volkslehrer Eisenachs und Weimar[s] - zum Besuch des der
Versammlung hinzugefügt würden. Kann ich durch Deine
Güte dann ein Exemplar des Blattes worin die Einladung
abgedruckt ist erhalten, so wird es mich freuen.
Die Bitten welche das für Dich beiliegende Rundschreiben aus[-]
spricht wünschte ich ganz besonders von Dir beantwortet,
Du und Ihr habt über die kleine Marie und deren erwachende
Geisteskräfte so viel belehrende Bemerkungen, daß ich mich
freuen würde solche von Dir zusammengetragen und uns vor[-]
gelegt zu sehen. Jedenfalls suchst Du persönlich bei dem
Vereine gegenwärtig zu seyn.
Die Beilage an Dr Mai wirst Du gütig besorgen.-
Deiner lieben hochverehrten Frau Mutter und Deinem ganzen
übrigen werthen Frauenkreise fühlte ich mich gedrungen,
in Beziehung auf unsere mannichfachen Mittheilungen beson-
ders ausführlich auszusprechen; der Brief ist länger geworden
als ich wünschte, sieh ob Du das Interesse Deines lieben
Frauenkreises dafür gewinnen kannst ihn einmal im
Verein oder in ruhiger Stunde auf der Wartburg vorzu[-]
lesen; gelegentlich theile mir dann etwas über seine Auf[-]
nahme mit. Ich habe mir erlaubt zwei Briefe hinzuzufügen
welche mit dem Hauptbriefe, wie das Ganze in mir lebt
innig zusammenhängen.
Der erste an eine Dresdnerin, die ich glaube bald erinnern /
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zu können, betrifft ganz unmittelbar den Gegenstand
welchen wir besprochen haben d.h. Willen, Kräfte und
Mittel für den bekannten Zweck zu wecken.
Der zweite Brief an einen jungen Volkslehrer wurde
durch eine Äußerung Deiner verehrten Frau Mutter, auf
der Wartburg hervorgerufen. Ich zweifle nicht, daß
sich Deine l. Mutter, wenn Sie den Brief gehört hat, auch
jener Äußerung, die Erhebung des Lebens- und Sinnes junger
Mädchen betreffend, erinnern wird. Ich will sehen was
dieser Anfang, welcher etwas in meiner Hand liegt für Früchte
bringt, wenigstens zunächst Blüthen, sind sie nicht alle
taub, dann will ich sehen ob sich auf diesem Wege auch
auf das bildende Jugendleben auch nach anderen Richtungen
hin wirken läßt; wenigstens wird sich Deine l. Mutter
überzeugen, daß das, was nur wie im Fluge im Gesprä-
che erwähnt, von mir zum Wohle des Ganzen nach Mög-
lichkeit festgehalten wurde und wie ich daher solche aus
der Tiefe des Lebens hervorgegangenen Bemerkungen
gern beachtend und weiter bildend festhalte.
Weil nicht gleich die Briefe, wie sie fertig waren, abgeh[-]
en konnten, so hat sich das Geschriebene gehäuft, Du
wirst wohl das Lesen und Mittheilen, damit es nicht
ermüde, vertheilen.-
So viel ist gewiß, es ist jetzt ein zur Aussaat auf[-]
gelockerter Boden; können wir jetzt nichts zum
Keimen bringen, später wird es wieder mit größe[-]
ren Schwierigkeiten geschehen darum müssen die ge[-]
sammten Umstände in Anspruch genommen werden;
die Früchte empfängt auch der Einzelnste.-
Sage der herzigen Marie etwas Liebes und Freundliches
und gieb ihr einen seegnenden Kuß von mir.
Deinem verehrten Hause mich bestens empfehlend bin
ich unverändert Dein alter treuer Freund
FriedrichFröbel.

Wegen der vergessenen Überschu[he], welche sich wohl gefunden haben werden, bestimme ich nächstens. /
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