Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Darmstadt v. 12.7.1848 (Keilhau)


F. an Ida Seele in Darmstadt v. 12.7.1848 (Keilhau)
(BN 651, Bl 40, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S., ed. König 1990, 170f.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Keilhau am 12 Juli 1848. [Jahreszahl eingekreist]

Meine liebe Ida.

Wirklich weiß ich nicht wer von uns beiden dem andern einen Brief schuldig ist, allein so viel weiß ich, daß ich seit Langem sehr nach einem Briefe von Ihnen verlangt habe, so daß ich mich sehr gesehnt habe Ihnen einmal wieder recht ausführlich zu schreiben; doch die Zeit wollte es mir bisher und will es mir auch noch in diesem Augenblicke nicht gestatten. Bisher gestattete es mir die Zeit nicht, weil mich seit Neujahr und nun besonders seit diesem Frühjahr die raschen Entwickelungen, namentlich auch in dem begründenden deutschen Volksschul- und Erziehungswesen und somit auch die allgemeinere Einführung der Kindergärten so in Anspruch nahm, daß meine ganze Thätigkeit davon in Anspruch genommen wurde, indem das steigende Interesse in Mitteldeutschland für diesen Gegenstand mich oft ganz unerwartet durch die Hülfe der Eisenbahnen nach den entgegengesetztesten Punkten desselben führten. Und so fesselt mich dieser Gegenstand noch bis jetzt. Doch blühet daraus auch jetzt ein bestimmtes Ergebniß hervor: im Königreich Sachsen, wie in den Herzogthümern Meiningen und Koburg werden die "Kindergärten" unter die Zahl der allgemeinen Volkserziehungsanstalten, als nothwendig begründendes Glied derselben, bei der neuen Wiedergeburt des deutschen Erziehungs- und Schulwesens - aufgenommen werden. Ein[e] in der Mitte des Monats August in Rudolstadt sich vereinigende Lehrerversammlung wird sich die Besprechung dieses Gegenstandes besonders zur Aufgabe stellen; wie Sie aus der hierbeifolgenden Anlage ersehen. Die Vorbereitung zu dieser Versammlung ist es nun welche mich jetzt ganz in Anspruch nimmt indem man eben [König: oben] das Wesen und die Wirkung der Kindergärten als den wesentlichsten Punkt der Besprechung hinstellt. In dieser Beziehung kommt nun auch das beiliegende Rundschreiben zu Ihnen; Sollten wir nun auch nicht die Hoffnung und Freude haben Sie l[iebe] Ida persönlich dabei zu sehen, so wünschte ich doch gar sehr, daß Sie die zweite Bitte erfüllen und mit einer schönen Auswahl der kleinen ThätigkeitsErzeugnisse Ihrer lieben Kleinen dabei seyn mögten. Sie haben gewiß schon so viel vorräthig, daß Ihnen eine belehrende Send[ung] leicht seyn wird. Auch die Bitte um schriftliche Mittheilung Ihrer Erfahrungen hoffe ich durch Ihre Güte erfüllt /
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um Sie nicht von mir aus zu bestimmen mag ich nichts mehr hinzufügen; allein wenn Sie die Sache von all den verschiedenen Punkten aus und nach den verschiedenen Richtungen hin, welche nothwendig lebenvoll Ihrem Gemüthe vorliegen müssen betrachten, so kann ich den Gedanken der Nichterfüllung dieser Bitten von Ihrer Seite gar nicht möglich denken.- Erheben Sie sich von dem beschränkten und Sonderwirken und wenn es Sie in seinen Erfolgen noch so glanzvoll umgäbe zu dem Unbeschränkten, dem Allgemeinen, dem Gemeinsamen hinzugeben und es wird Sie erheben wird Ihnen etwas Ewiges somit Innerstes geben, das sich nicht beschreiben läßt sondern nur in dieser Hingabe an das Gemeinsame empfunden werden kann. In diesen Beziehungen bitte ich Sie nun das Rundschreiben zu beachten.
- Da Sie doch gewiß in diesen schönen Abenden ausgehen, wollen Sie dann wohl so gütig seyn und bei Gelegenheit Ihres nächsten Spazierganges die Beilage in der Leskaischen (Leska) Buchdruckerey, für die Redaction der allgemeinen Schulzeitung des Herrn Zimmermann abgeben?- Und wollen Sie dann wohl zugleich fragen: ob der Wunsch der Aufnahme oder des Abdruckes werde erfüllt werden. Es ist mir aber lieber, wenn Sie l[iebe] Ida das Blatt selbst abgeben, als es durch eines Ihrer Mädchen oder sonst durch Gelegenheit besorgen lassen; weil mir an an [2x] der bestimmten Abgabe etwas liegt.-
- Von Allwina sind die schönsten Nachrichten eingegangen; nach einer Vorführung, welche sie jüngst vor einem kleinen Kreise gegeben hat scheint sie ihre Aufgabe: das Verständniß der Sache, die Einführung in den Grundgedanken des Ganzen zu bewirken - mit Erfolg zu lösen. Sie spricht sich daher auch über ihre Wirksamkeit mit vieler Freudigkeit aus.- Eine gleiche hochbeglückte und somit beglückende Freudigkeit zeigt auch Marie Christ, welche jetzt aus Lünen hier ist. Ebenso wirken die Kindergärten in Gotha - Christiane Erdmann- in Annaburg, Marienberg, Erfurth u.s.w[.] mit großem Seegen. Ich hoffe daß dieß Bewußtseyn seegensreichen schwesterlichen Zusammenwirkens auch Ihnen wahren Seelenfrieden bringen wird, daher auch Ihnen die Zusendung des Rundschreibens von
I Fr. Fr.