Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Sophie Müller in Homburg vor der Höhe v. 16.7.1848 (Keilhau)


F. an Sophie Müller in Homburg vor der Höhe v. 16.7.1848 (Keilhau)
(BN 575, Bl 1, undat. Entwurf 1 Bl 8° 2 S.; ed. Pösche 1887, 177f. )

a) Entwurf

Hochverehrte Frau.
Sie waren die erste welche mich in meinem Streben der frühen
gemeinschaftlichen Kinderpflege nicht nur die allgemein mensch[-]
liche Bedeutung zu geben, sondern ihnen auch die durchgreifende
volkliche und bürgerliche ja staatliche Anerkennung und Aus-
führung ganz verstand indem Sie das beschränkte mehr blos
abwehrende negative Wirken einer Bewahranstalt in das erweiterte entwickelnd-
erziehende eines "Kindergartens" erhoben. Jahre sind seit jener
Zeit verflossen und unsere beiderseitigen Bestrebungen ent-
wickeltnde [sc.: entwickelten] sich sich [2x] ruhig in denselben fort ohne daß die eine kaum
von der anderen Kunde empfing; jedoch ich habe Ihres Kindergar[-]
tens stets mit den Besten Wünschen seegensreichen Gedeihens
so wie Ihrer Anerkennung der Idee und des Grundgedankens
der Kindergärten, als dieselben noch in der Entfaltung begriffen
waren, stets mit der innigsten Dankbarkeit gedach[t]. So nun
erscheint es mir auch als angenehme Pflicht Ihnen die nächst vor[-]
liegenden Ergebnisse meiner Bestrebungen mitzutheilen:
Die gesammten Volkslehrerschaften der Herzogthümer Meiningen,
Koburg, und des Königreich Sachsens haben nicht nur die Kin-
dergärten als die Grundlage wahrer allgemeiner deutschen
Volksbildung er- und anerkannt, sondern sie bitten auch in
männlichen Petitionen das Gouvernement <gar wohl> die oberste[n] Landesbehörden jedes dieser Länder
die Kindergärten als begründendes u somit wesentliches Glied in in [sc.: 2x] das Ganze der
Volkserziehung nicht und ihrer Anstalten nicht nur mit aufzunehmen
sondern ihnen auch mit diesen ganz gleiche Rechte und Unterstützung
zuzusichern.
Daß eine solche Thatsache auch den Wunsch der klarsten gesammt Einsicht in
das Wesen und die Mittel der Kindergärten oder vielmehr /
[1R]
entwickelnd-erziehenden Bildungsbeweise [{]hervorufen / entstehen[}] mußte
lag ist in der Natur der Sache und so bildete sich bald der gemeinsame
Entschluß zu einer einem (Versammlung) Zusammentritt welcher
sich aber bald zu einer Einladung an alle deutsche Volkserz[i]eher u
Volkslehrer und Freunde der deutschen Volkserziehung besonders
zu einer Versammlung für den genan[n]ten Zweck entwickelt er-
weiterte. Einige solche Einladungen erlaube ich mir hier zu geneigte[m]
Gebrauche und weite[r]n Verbreitung bei zu legen. Da jedoch es jedoch der
Wunsch der sich Versammelnden seyn muß eine so gründliche als um[-]
fassende Einsicht in das Wesen und besonders in die Wirkung der
Kindergärten wo sie in Ausüb[un]g gebracht - so weit es nur die Zeit
gestattet - zu erlangen so würde drä[n]gte sich bald ein anderer
Wunsch hervor auch wen[n] die schon anderwärts bestehenden Kindergärten, die
Ergebnisse I ihrer Wirksamkeiten mitgetheilt zu sehen, aber
auch in dieser Hinsicht die Erfahrungen aller derer zu hören welche überhaupt dem Ge[gen]stande
in der Anwendung ihre prüfende Aufmerksam[-]
keit Beachtung geschenkt haben und zu diesem Zwecke Rundschreiben
um gütige Einsendungen dieser Erfahrungen u Ergebnisse an beide zu
erlassen.
Es ist steht mir nun noch lebhaft vor der Seele, daß Ihnen hierfür ein
klares Auge geschenkt ist, daher werden Sie es mir gewiß genatürlich
finden wenn ich mir die Fr[e]yheit nehme auch Ihnen zur gütigen
Berücksichtigung eine solche Rundschrifth in der Anlage zuzusenden
freuen würde[n] wir uns wenn Sie uns gütigst die darin ausge[-]
sprochenen Wünsche erfüllen wollten, und so auch ich die Freude
hätte wieder einige Kunde von Ihrem schönen u seegensreichen Wirken
zu hören[.]
Genehmigen Sie mich Ihnen und Ihrem ganz hochachtbaren Hause
bestens <empfehlen[d]> die Versicherung ausgezeichnet[er] Hochachtung
Ihre[s]
Ergeb[ensten]
[Unterschrift fehlt]

b) Edition

[177]
     Keilhau, am 16. Juli 1848.

Hochverehrte Frau!

Sie waren mit die erste unter den deutschen hochsinnigen Frauen, welche das Streben, der frühen gemeinschaftlichen Kinderpflege nicht nur die allgemeine menschliche Bedeutung zu geben, sondern ihr auch die durchgreifende volkliche, ja staatliche Anerkennung zu verschaffen, ganz verstanden, indem Sie das beschränkte, mehr negative Wirken einer Bewahranstalt zu dem erweiterten, entwickelnd-erziehenden, positiven eines "Kindergartens" erhoben. Jahre sind seit jener Zeit verflossen, wo sich mein Streben Ihrer pflegenden Anerkennung erfreute, und unsere beiderseitigen Bestrebungen entwickelten sich ruhig in derselben fort, ohne daß die eine von der andern kaum Kunde empfing; dennoch habe ich Ihres Kindergartens und Wirkens stets mit den besten Wünschen segensreichen Gedeihens, so wie Ihrer Anerkennung der Idee und des Grundgedankens der Kindergärten, als solche noch in der ersten Entfaltung begriffen waren, stets mit der innigsten Dankbarkeit gedacht.
So erscheint es mir als angenehme Pflicht Ihnen, hochgeehrte Frau, die nächstvorliegenden Ergebnisse meiner Bestrebungen mitzuteilen.- Die gesamte Volkslehrerschaft des Herzogtums Meiningen und Koburg, so wie die Volkslehrer des Königreichs Sachsen, haben die Kindergärten als Grundlage echter, deutscher Volksbildung anerkannt und bitten ihre obersten Landesbehörden, die Kindergärten als begründendes, und somit wesentliches Glied, der gesamten Volkserziehung in das Ganze des Volksunterrichts und seiner Anstalten mit aufzunehmen und ihnen gleiche Rechte und Unterstützungen zuzusichern.
Daß eine solche Thatsache auf den Wunsch der klarsten Gesamteinsicht in das Wesen und die Mittel des Kindergartens, oder vielmehr der entwickelnd erziehenden Bildungsweise überhaupt, hervorrufen mußte, lag in der Natur der Sache, und so bildete sich bald der Entschluß zu einem Zusammentritt mehrerer, welcher sich zu einer öffentlichen Einladung an alle deutschen Volkserzieher und Lehrer zu einer Versammlung erweiterte. In Nro. 25 der sächsischen Schulzeitung von 12. Juli ist die Einladung enthalten. Einige Abdrücke dieser Einladung erlaube ich mir Ihnen beizulegen.
Da es der Wunsch der sich Versammelnden sein muß, eine möglichst gründliche Einsicht in das Wesen und die Wirkung des Kindergartens zu erhalten, so drängt sich ein anderes Verlangen hervor; von den bestehenden Kindergärten die Ergebnisse ihrer Wirksamkeit zu sehen, wie überhaupt die Erfahrungen aller derer zu hören, welche dem Gegenstande in der Anwendung ihre prüfende Beachtung geschenkt haben. So sind zu diesem Zwecke Rundschreiben mit der Bitte um gütige Einsendung dieser Erfahrungen und Ergebnisse erlassen.
Es steht mir nun noch lebhaft vor der Seele, dass Ihnen hierfür ein klares Auge geschenkt ist. Daher werden Sie es natürlich finden, wenn wir besonders von Ihnen Mitteilung Ihrer Erfahrungen auf diesem Felde wünschen und wenn ich mir erlaube, Ihnen, werte Frau, zur gütigen Berücksichtigung, eine solche Rundschrift zu senden. Freuen würde es uns, wenn Sie uns die darin ausgesprochenen Wünsche erfüllen wollten und so auch ich die Freude hätte, wieder einige Kunde von ihrem [sc.: Ihrem] schönen und segensreichen Wirken zu erhalten.
Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung
Ihres ergebenen
Fr. Fr.