Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Richard Krell in Mengersgereuth v. 23.7.1848 (Keilhau)


F. an Richard Krell in Mengersgereuth v. 23.7.1848 (Keilhau)
(BlM XXVII,6,2, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.
Im Briefkopf Eingangsnotiz Krells v. 26.7.1848)

Herrn Lehrer R. Krell in Mengersgereuth b. Sonneberg

Keilhau b. Rudolstadt am 23 Juli 1848 [*Jahreszahl eingekreist*]

Werthester Herr Krell.

Sie werden schon längst auf Ihr liebes Briefchen vom 5en d.
Mon: eine Antwort von mir erwartet haben, auch ich wünschte
Ihnen solche schon, längst zu geben wurde aber durch die dräng-
enden Verhandlungen welche die beabsich[tig]te Lehrerversammlung
für die Mitte des Augustes fordert davon abgehalten[.]
Diese vorhabende Zusammenkunft bestimmt nun aber auch meine
Antwort auf Ihre freundliche Anfrage hinsichtlich Ihres Kommens:
Wollen Sie nemlich mit einer ganz praktischen Schule Ihren beab-
sichtigten Bildungscursus beginnen so können Sie kommen wann
Sie Lust haben, denn ich bin jetzt ganz den Vorbereitungen zur
Vorführung meiner Kinderpflege-, Spiel- und Beschäftigungsweise
hingegeben, dabei können Sie nun gleich thatsächlich mitwirken
und werden so gleich von Vorne herein in das Praktische und
in das Agens des Ganzen eingeweihet wie in das Leben des Gan-
zen ein- und in demselben untergetaucht, was nun freilich
einmal für Ihre augenblicklich selbstthätige Entwickelung, wie
später als Grundlage eines reichen Erfahrungsschatzes seinen
Grundh hat. Sie können also diesen Weg betreten, wo Ihre
Belehrung aus unsern, gemeinsam auszuführenden Wirken
und die sich daran, stehenden und wandernden Fußes, sogleich
anknüpfenden Gesprächen hervorgeht; oder Sie können diese
Zeit vorüber gehen lassen und erst nach dem Lehrer Congress
bei mir eintreten. Ich überlasse dieß ganz Ihrem Ermessen
jede Seite hat hier Gutes, die letzte giebt und läßt der Bildung
mehr Ruhe, jene giebt einen Reichthum von Thatsachen, for-
dert daher zu größter innerer u äußerer Selbstthätigkeit
auf; hier sehen Sie gleich wie man die Sache anpacken und
behandeln muß um zum Ziele zu kommen; dort erhalten Sie
erst klar das Ganze, die Anwendung muß später das Leben
geben[.] /
[1R]
Was die Kosten betrifft, so läßt sich dieß nicht so ge[-]
nau bestimmen. Ein Cursus wird zu 6 vollen Monaten
berechnet. Es läßt sich davon unter Umständen etwas
abbrechen; doch stets zum Nachtheil des Bildungszieles was
ich noch immer bemerkt habe, d.h. also vorausgesetzt, daß Ihnen
um eine gründliche und durch greifende Bildung zu thun ist.
Doch bekommen Sie stets, und das ist der wesentliche Gewinn
dieses Bildungsweges - beziehungsweise ein in sich abgerundetes
Ganze[s] Sie können den Cursus mit 3 oder 1 Monat abbrechen, dann
hängt Ihre Fortbildung davon ab, wie Sie die Grundlagen erfaßt
und solche folgerecht fortbilden können.- Für den Unterricht wird
wöchentl. 1 Gulden bezahlt für 6 volle Monate 25 Gulden.
Mit Kost- und Wohnung können Sie sich hier einrichten, Es ist am
besten Sie kommen hierher und richten es sich nach den vorliegenden
Umständen
für Sie auf die entsprechendste Weise ein 4 fl wer[-]
den Sie aber wohl monatlich rechnen müssen; ich weiß noch
nicht wie sich jetzt die Preiße der Beköstigung heraus stellen[.]
Zur Förderung des Gegenstandes werden vom Ganzen hier
die billigsten Rücksichten genommen.
Von unserer Volkserzieher- und Volkslehrerversammlung
sind sind [sc.: Sie] zwar wohl schon benachrichtiget, doch lege ich zum
Überfluß noch eine Einladung ein. Wie die Sachen jetzt
stehen, so wird den 17' August die Vorberathung seyn
18-19 die Hauptvorführungen u Besprechungen,
der 20te ist dann zu einer gemeinsamen Ausflucht
nach Schwarzburg und dem großen Walddorfe, mei-
nem Geburtsorte Oberweißbach bestimmt, wo eine
große schöne Orgel ist.
Seyn Sie so gut mir nun baldigst Ihre Entschei-
dung zu schreiben. Bei Stangenberger in Schalkau
können Sie auch die 2e Bekanntmachung hinsichts
des Vereines oder vielmehr Zusammenkommens lesen.
Mit Achtung und Gruß

Ihr Ergebener FrFröbel