Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. <Ende> (nach 19.8.) 8.1848 (Keilhau)


F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. <Ende> (nach 19.8.) 8.1848 (Keilhau)
(Brieforiginal nicht überliefert, ed. Jänicke 1880, 239-240 ohne Datierung. - Dat.: Vorausgesetzt ist das Ende der Rudolstädter Lehrerversammlung vom 17.8.-19.8.1848; F. scheint Woepcke bald danach zu informieren. In der Edition gesperrte Passagen werden hier unterstrichen wiedergegeben [so wohl im Original]).

Mein theurer Freund!
Gern gäbe ich Ihnen recht ausführliche Nachricht von dem Verlaufe unserer Versammlung und deren Verhandlungen, doch ist dies mir leider jetzt nicht möglich. Bitten kann ich Sie nur, zunächst mit den wenigen Mittheilungen, welche ich an unsere fleißige Anna H. [Hesse], freilich mehr Äußerliches betreffend, machen konnte; doch auch im Äußeren erkennt ja der Geist des Mannes leicht das Innere. Dies Innere sagen freilich nur ein paar Druckblättchen, ja deuten es eigentlich nur schwach an. Das erstere ist das Endergebniß nach hartem entgegnendem Kampf. Als das Endergebniß geboren war, war es wie nach einem harten schweren Gewitter, wo die Natur nach Sturm und Graus durch den verklärenden Perlenschmuck der Wassertropfen verschönt erscheint. Unseres Middendorffs Lied sucht dies zu deuten.
Middendorffs Schrift, von welcher ich mir erlaube, ein Exemplar als Erinnerungszeichen für Sie beizulegen, wird Sie hoffentlich befriedigen. Jedoch bitte ich mir, wenn Sie auch noch so viel daran geändert wünschen, /
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recht offen Ihre Kritik mir auszusprechen. Können Sie durch Wort und Druck, Kritik und Anzeige für die Vorbereitung und Anerkenntniß des Schriftchens wirken, so thun Sie es, damit wir das Kapital, was jetzt noch in der Bücherwelt steckt, flüssig machen. Wäre es nicht eine Schrift für die Seminaristen in X.?- Der Boden für frühe entsprechende, naturgetreu entwickelnde Erziehung lockert sich immer mehr, lassen Sie uns ja keine Zeit verabsäumen, guten Samen auszustreuen. Herr Middendorff grüßt, wie auch Barop. Bleiben Sie förderlich freundlich gewogen meinen Bestrebungen und mir,
Ihrem bleibend ergebenen
Friedrich Fröbel.