Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Marie Christ in Lünen v. 13.9.1848 (Keilhau)


F. an Marie Christ in Lünen v. 13.9.1848 (Keilhau)
(BlM XVIII,2, Bl 38-39, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., Bl 38 unten abgerissen, Fragment: 6 Zeilen fehlen)

An Fräulein Marie Christ in Lünen.
Keilhau b. Rudolstadt 13/9 (48)
Liebe Marie.

Sie haben mir und allen denen welche an unserer Versammlung
und deren Verhandlungen, wie somit an der Grundlage dieser,
an den Kindergärten lebenvollen Antheil nahm[en,] durch die
Übersendung der ThätigkeitsErzeugnisse Ihren kleinen Pflege-
befohlenen viele Freude gemacht und dem Ganzen wie einen
festen Halt, so eine schöne Abrundung dadurch gegeben. Ihnen
vor allem meinen und unser aller recht herzlichen Dank für
die deshalb von Ihnen übernommene Mühe; allein nicht Ihnen
allein, sondern auch allen denen welche Sie dabei durch Bei-
stimmung und auf welche Weise, sey es auch nur durch wohlge-
meinte Aufmunterung freundlich unterstützten; zuvörderst
hier Ihren lieben Kleinen schon so schön blühenden; ja sogar
schon Früchte bringenden Pflänzchen in Ihrem lieblichen Kin-
dergarten meinen und unser aller besten Dank. Ich werde
daran denken und es möglich zu machen suchen, denselben
auch an einen sprechenen Gegenstand zu knüpfen. Zu-
nächst könnte dies nur durch ein einfaches Einigungsblatt
geschehen, welches ich mir erlaubte, durch Herrn Middendorff
dem verehrlichen Vorstand Ihrer schönen Anstalt zur Auf-
nahme
in den Spiel- und Beschäftigungsraum derselben zu
übersenden, wie dieß in diesen Tagen gleichsam als die Er-
kennungszeichen in allen im gleichen und von gleichen Geiste
hervorgerufenen Kindergärten der Fall seyn wird, um
zugleich dadurch diesen Geist in den verschiedenen Anstalten
und bei dem Wirken in denselben immer gegenwärtig und
[*Papier abgerissen*] [z]u machen. Auch Ihnen liebe Marie ein solches
[*Papier abgerissen*] den habe ich mir die Freude ge-
[macht] [*Papier abgerissen*] in unsern Ihnen so wohl
[*Papier abgerissen*] glas und
[*Papier abgerissen*] Vor[-]
[*Papier abgerissen*] [er-] /
[38R]
hebenden Inhalt ins Gedächtniß zurück rufen, immer
bleibe dieß Blatt ein äußeres Band zwischen Ihnen
und mir und zwischen uns allen, welche in diesem Gei-
ste und mit dieser Überzeugung wo es immer sey
in den Kindergärten wirken. Abgesandt ist dieß
Blatt in dieser Absicht schon nach Hamburg - Gotha -
Erfurth - Marienberg - Dresden a) den Adolf Frankenberg[-]
schen Kindergarten und b) an den des dasigen Frauenschutzes
in welchem Luise Frankenberg wirkt - nach Gera - nach
Saalfeld - Annaburg - Quetz bei Halle.
Bei mehreren von diesen war und ist es zugleich ein Band
und ein Erinnerungszeichen des persönlichen Hierzusam-
menseyns und Zusammenwirkens.
Kindergärtner und Kindergärtnerinnen aus der
Keilhauer Schule waren nemlich gegenwärtig:
Christiane Erdmann aus Gotha - Amalie Krüger
aus Halle - Ida Weiler aus Quetz - Auguste Steiner
aus Marienberg - Luise Levin aus Keilhau - Herr
Adolf Frankenberg aus Dresden; dann die beiden
treuen Mitarbeiter im Werke und in Familienkinder[-]
gärten: He. August Härter Erzieher in Heinrichshall
bei Gera und He. Robert Felsberg als Erzieher in Neidschütz
bei Marienburg, beide aus Gotha.
Die genannten Jungfrauen haben alle an den Verhand-
lungen vom Beginne bis zu[m] Ende theil genommen aber
außerdem auch noch ande[re] Frauen und Jungfrauen aus
Keilhau Elise Fröbel aus Rudolstadt Ottilie <Beheim> und
Emilie Stieler - aus Dresden Frl: Thekla von [Gumpert] [*Papier zerstört*]
Johanna Küstner (diese hat ein [*Papier zerstört*]
Frau Kell - aus Hambu[rg] [*Papier zerstört*]
gesprochen [*Papier zerstört*]
[*Papier zerstört*]
[*Papier zerstört*] /
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endlich können, wenigstens im Vorlaufe künftiger Mit-
theilungen noch alle kommen können werden. Sie sehen aus
all diesem, daß es ein Kreis von Menschen voll reicher Lebens-
beziehungen war. Das allgemeine und tatsächliche Ergeb-
niß dieser berathenden Versammlung wird sich nun freylich
wohl erst nach Monaten und später heraus stellen, zunächst
kann ich Ihnen nur sagen, daß sich unter den obengenannten
beyden Frauen u Jungfrauen in Rudolstadt ein sehr reges Stre-
ben und wirklich förderliche Thätigkeit zur Wiederherstellung
des durch Mengers Schuld eingegangenen Kindergarten in
Rudolstadt zeigt. Auch haben auf ein junges Mädchen in
Rudolstadt dessen Wirksamkeit ihr bisher nicht genügte, weil
sie darin nicht menschenwürdig und für Bleibendes thätig
seyn konnte, die Verhandlungen einen so wohlthätigen Ein-
druck gemacht, daß sie, weil sie darin für das jungfräu-
liche Leben einen entsprechenderen Wirkungskreis fand
nun ihre Seelenruhe und Geistesfreudigkeit wieder erhalten
hat - sich selbst, als ein vielseitig dafür begabtes Mädchen
nun der Kinderpflege in einem Kindergarten und der Aus-
bildung dafür bestimmt hat. Sie sagt: als S sie im Laufe der
Verhandlungen diese Wirksamkeit als auch die ihrige erkannt
habe, sei es ihr, hinsichtlich ihrer Bestimmung wie Schuppen von
den Augen gefallen und anstatt der bisherigen Trübung
und Lebensunzufriedenheit, sei Heiterkeit und das Gefühl
der Befriedigung in ihre Seele gekommen. Wären darum
die hier angedeuteten Ergebnisse auch nur die einzigen un-
serer Versammlung so könnten wir uns schon Glück wünschen,
denn sie werden gewiß gleich Lichtern ihre wärmenden und /
[39R]
Strahlen besonders in der jetzigen Dunkelheit ächter Kind-
heitpflege bald weiter senden; doch bei dieser ist es nicht
allein geblieben auch allgemeines Ergebnis mag es
wohl mehrfach gegeben haben eins derselben finden
Sie in dem beiliegenden Blatte; es ist der von der Ver-
sammlung gefaßte Endbeschluß. Zeigte sich dadurch Ihre
Verhältnisse, z.B. durch einen der Ihnen bekannten Lehrer
oder durch eines Ihrer Vorstandsmitglieder Gelegenheit,
diesen Entschluß und Beschluss der Rudolstädter Versamm-
lung auch in einem Ihrer örtlichen Zeitungsblätter eine
größere Verbreitung zu geben so glaube ich würde dieß
selbst für Ihre Anstalt, für das Fortwachsen, Grünen
und Blühen Ihres schönen Kindergartens von wesent-
lichen Nutzen seyn, vielleicht dadurch auch noch andere
Kindergärten in Ihrer Gegend hervorgerufen werden
was ebenfalls wieder für Ihren Garten von großem
Gewinne wäre, denn einem Baum welcher verein-
zelt steht schadet leicht ein starker Wettersturm,
doch mehrere geeint bieten ihm, wenigstens länger Trotz.
- Ihre Arbeiten sind ganz zur rechten Zeit eingetroffen,
die kleinen Unvollkommenheiten weßhalb Sie beinahe
Anstand genommen hätten sie zu senden waren mir
eine ganz besonders freundliche Zugabe zu denselben,
denn die Menschen trauen den Kindern bis jetzt gar nichts
zu. Jedoch habe ich auch ausgezeichnete Arbeiten namentlich
aus Darmstadt von Ida Seele und Henriette Ackermann
erhalten. Also an alle die Ihr Werk förderten vom Größten bis
zum Kleinsten meiner schönsten dankenden Gruß. Bald mehr von Ihrem
treugesinnten wahrhaft väterlichen Freunde Friedrich Fröbel
[38R]
[Nachschrift auf 38R:]
Durch Frl. Henriette Ackermann in Darmstadt habe ich im Allgemeinen gute Nachrichten u. Grüße von Ther[ese] [*Papier abgerissen*]