Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 14.9./15.9.1848 (Keilhau)


F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 14.9./15.9.1848 (Keilhau)
(BN Anh. 43, Bl LC 97 - LC 110, Abschrift 7 B 8° 28 S., Handschrift unbekannt. Der Abschreiber gibt als Vorlage das Original im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an. - Die Fußnotenzeichen * bzw. ** auf LC 106b sind lt. Bemerkungen zur Abschrift im Orig. ohne Bezug.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

An Stangenberger
Keilhau b. Rudolstadt 14/IX 48.
Mein sehr lieber Herr Stangenberger

Ist es mir doch als sey ein ganzes Vierteljahr und mehr noch verflossen seit wir uns nicht gesprochen, seit wir uns nicht geschrieben haben und dennoch ist es kaum 3 Wochen her seit ich Ihren lieben Brief empfing; aber wahr ist es meine Beantwortung ist doch etwas ungewöhnlich spät, denn ich glaube 3 Wochen, so lange habe ich Sie kaum noch je auf eine Antwort warten lassen. Allein auch die Menge Briefe welche zu schreiben, ja das Viele andere /
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noch was von der Versammlung her in Rudolstadt zu ordnen war, und die Briefe wie lang; denn in vielen musste eine Darlegung von den Verhandlungen und ihrem Verlaufe gegeben werden, und so hoffe ich denn werden auch Sie, nicht mit Zürnen und Ungeduld sondern mit Nachsicht meine etwas späte Antwort erwartet haben. Wie wurde aber diese Zeit verlebt?-
Der größte Theil der folgenden Woche noch in Rudolstadt, viel mit Lohse.
Dienstag, ich glaub am 29' Aug., war Rudolstadter Conferenz. Hinsichtlich der Kindergärten wurde auch für Rudolstadt festgesetzt was /
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in der allgem. Versammlung bestimmt worden war. Das ganz Gleiche fand in der grösseren Versammlung sämmtlicher Lehrer aus dem Schwarzburg-Rudolstädtschen Ländchen der vorderen Herrschaft zu Blankenburg statt. Die Versammlung war im Ganzen nach Verhältniss des Ländchens wohl zahlreich, auch lebhaft, aber man sahe doch gar sehr wie weit hier die Lehrer Bildung noch zurück ist, wie stark wirklich und namentlich den Geist hemmend noch der Druck auf dem hiesigen Lehrerganzen ruht. Jedoch hat sich nun die gesammte Rudolstädter Lehrerschaft zu Einem Lehrerverein gebildet, welcher wieder aus /
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5 Zweigvereinen nach der Zahl der 5 Hauptörtchen des Ländchens besteht.- Rudolstadt ist für das nächste Jahr zum Vorort und zur Geschäftsleiterin gewählt. Der Präsident ist Superint. Schumann, der Vizepräsid: ist Prof: Wächter.
Ich hoffe Ihnen demnächstens die Statuten zur Prüfung übermachen zu können.-
Gestern ist mir von Jul. Kell der Antrag an die deutschen Regierungen und an den Reichstag in mehreren Exemplaren übersandt worden, ich lege Ihnen hier zur Kenntnissnahme einige Exemplare bei. Wird es aber bei dieser Wortdemonstration bleiben, oder wird es zur Sachdarstellung kommen?- /
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Ich bin nun vor Allem begierig was Rudolstadt thun wird. Rudolstadt, in dessen Mitte die Versammlung war, Rudolstadt, dessen Lehrer in doppelten Kreisen für die Grundlegung der Kindergärten zum Organismus des Volkserziehungswesens sprach: einmal in der Rudolstädter Local-, dann in der Blankenburger Landeslehrerversammlung, Rudolstadt sollte nun billig nicht zurücke bleiben. Nochmals, ich bin begierig, was Rudolstadt thun wird.- Da nun Rudolstadt einmal wirklich etwas, ich will eben nicht sagen zäher, aber langsamer Natur ist und gern die Sache dahin gestellt seyn /
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lässt, wo sie nun eben steht; da ferner Rudolstadt nie seinen Local- und Bezirks Lehrer[ver]ein hat, wie jetzt sogar Vorort des Rudolstädterlandesschullehrervereines ist, so dünkt mich dass es zu seiner Zeit durch diese beiden von andern Landeslehrervereinen z.B. von dem Ihrigen des Meininger Landes direct aufgefordert werden kann, doch nach Kräften für einen Kindergarten als Musteranstalt Sorge zu tragen. Und der Rudolstadter Local- und Bezirkslehrerverein schon hat dazu die Kräfte in sich wenn er nur angespornt wird, sie zu gebrauchen. In Rudolstadt ist nemlich zur Re- /
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organisation des städtischen Schulwesens zunächst eine Schulcommission. Mitglieder derselben sind die beiden Männer welche zugleich Präsident und Vicepräsident sowohl des Rudolstadter Local- und Bezirkslehrervereines, wie des Vereines der Lehrer und Erzieher des ganzen Ländchens sind, nemlich der Herr Spezialsuperintendent Schumann und der Professor Wächter; ersterer ist aber auch Mitglied des Consistoriums und ich glaube Referent in den Landesschul- und Erziehungswesen. Also meiner Ansicht müssten Sie lieber Stangenberger es betreiben dass in einiger Zeit von Ihrem Landeslehrervereine des Her- /
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zogthums Meiningen bei dem Rudolstädter Landeslehrerverein dessen Vorort wie gesagt für das erste Jahr Rudolstadt ist, ernstlich angefragt würde: - "wie es denn in Rudolstadt und im Rudolstädtschen mit der Ausführung eines Musterkindergartens stände["].- Eine ähnliche Anfrage müsste dann ebenso vom Coburgschen Lehrervereine auf Ihren Antrieb geschehen, sehen Sie, damit wir nur endlich für die Wirksamkeit eines ausgebildeten Kindergarten einen Mittelpunkt habe[n]. Was ich Ihnen hier andeute müssen Sie aber mein sonst in allem so erfolgreich thätiger Stangenberger ja für die /
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Ausführung recht festhalten und zunächst mit Coburg dann später mit Waimar [sc.: Weimar] und Gotha dafür gemeinsame Sache machen.
Der Grund davon ist ganz einfach der. Wir alle - es wird Ihnen in Beziehung auf Meiningen, wenn auch eben jetzt nicht mehr, doch zu einer Zeit ebenso gegangen seyn, wir alle fühlen uns durch den bisherigen Druck und durch die eingefleischte Gewohnheit des Getrenntseyns von einander so entmuthiget, mindestens so abgeschwächt, daß wir den Gedanken einer thatsächlichen Gemeinsamkeit eines thätigen Zusammengehörens wie die Glieder eines Leibes noch kaum lebendig denken, geschweige denn im Leben that- /
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sächlich ausführen können, da muss dann von Zeit zu Zeit in den Herzen der Menschen es ein Wenig warm gemacht werden, dass sich das Blut auch einmal ein Wenig weiter hinaus treibe und ein Bischen schneller als gewöhnlich walle. Diess zu bewirken, dazu sind Sie nun lieber Stangenberger ganz prächtig. Aber merken Sie es sich, wecken Sie mir die etwa wieder eingeschlafenen Rudolstadter zur rechten Zeit wieder auf und lassen Sie die Morgenglocke: - "Wachet auf ruft Euch der Zeiten Stimme!" auch noch von andern Seiten dem lieben Rudolstadt und den lieben Rudolstadtern ertönen; es muss die Ehre Vorort /
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der ächten deutschen Kinder- und Kindheitpflegeanstalten - "der Kindergärten" zu seyn nicht wähnen so leichten Kaufes - wie durch gastliche Bewirthung eines höchstens 1/3 Hunderts deutscher Volkslehrer zu erringen nein! nein! des Lebens höchste und schönste Güter fordern höhere, grössere Opfer: - das Opfer der Selbstthat. Hören Sie, Freund Stangenberger die Dresdner, die Leipziger, die die [2x] Sachsen legen sich nicht an die Sache um sie zu schieben, nein! sie spannen sich an dieselbe an um sie zu ziehen. Wir in unsern kleinen Ländchen in denen theils das Kindchen geboren, von denen es andern /
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theils so treu gepflegt wurde wie von dem Drillingsländchen Hildburghausen-saalfeld-meiningen, wir dürfen schlechterdings nicht zurücke bleiben. Also in Beziehung auf Dresden-Leipzig-Sachsen, auch ein Drilling schreibt mir Adolf Frankenberg in seinem jüngsten Briefe: - "Jul. Kell ist von Leipzig hier beim Minister (von der Pfordten) gewesen um für die Gründung eines Kindergartens in Leipzig zu sprechen. Der Minister hat sich (nicht nur) geneigt gezeigt und (sondern auch) die Sache für wichtig erkannt. Kell und Lohse (Sie werden sich gewiss lieber Stangenberger des gediegenen Sprechers, /
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des stattlichen jungen Mannes in der Mitte ich glaube der 3en oder 4en Reihe erinnern welcher mehrmals so ruhig als ernst und gewichtig für die Sache der Kindheit eintrat, diess war Lohse aus Leipzig, also dieser und Kell) "werden nun auch beide bei den Leipziger Stadtbehörden dahin wirken, dass 1.) die Mittel bewilligt werden nebst Garten und Haus und dass 2.) Lohse Urlaub auf ein ¼ Jahr bekommt um sich genau mit dem Gegenstand vertraut zu machen, auch die Reisekosten rc wenigstens Reichsthaler 100 zu erhalten.- Der Minister hat anerkannt, dass der Leipziger Kindergarten als Musteranstalt für die Universität und für die pädagogische /
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Bildung der Studenten benutzt werden solle."
Diess das Allgemeine des Frankenbergschen Briefes, nun das Besondere: - "Nun sind wir froh, dass wirs endlich so weit haben. Gestern war eine kleine Versammlung bei uns. Und, dass ichs kurz sage: Alle wünschten dass Du bald kämest. Es haben sich nun zunächst 25 Männer und Frauen fest entschlossen einen Lehrgang bei und mit Dir zu machen. Hierunter sind 5 Elementarlehrer welche viel Lust haben und worunter einige gewandte Köpfe und strebende junge Männer sind, sie bringen das nächste mal, wenn wir nach Deiner Antwort uns /
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wieder versammeln vielleicht noch 10 andere mit, so dass die Gesellschaft dann noch zahlreicher werden wird." Weiter heisst es im Briefe: - "Ebenso kennt meine Schwester noch zwei Wittwen welche Lust dazu haben. Auch wird noch eine Mutter mit 4 kleinen Kindern theilnehmen, welche von allem was sie lernt gewiss augenblicklich die glücklichste Anwendung machen wird."
So weit Frankenbergs Brief[.] Sie sehen daraus die Wahrheit dessen was ich sagte: In Dresden, Leipzig, Sachsen scheinen die Kindergärten guten Boden und /
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die Idee, der Gedanke derselben, wie man zu sagen pflegt: - Feuer gefangen zu haben.
In Beziehung auf Middendorffs Schrift schreibt Frankenberg:
"Grüsse Middendorff. Seine Schrift wirkt vortrefflich. Schon mehrfach habe ich sie verkauft." Ja lieber Stangenberger[.] Hier müssen Sie auch mit förderlich eingreifen. Sie wissen Sie [sc.: sie] ist in meinem Verlage erschienen und nur im geringen Masse sind durch den bisherigen Verkauf die Kosten des Druckes mir gedeckt.- Sie müssen mit ernsten, auf gründliche Kenntniss des Schriftchens, sich stützenden Worten für die Kenntniss wie für die Aner- /
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kenntniss und den Vertrieb des Schriftchens in grösserem Umfange wirken, vielleicht auch in der Zeitschrift die Welt.- Der Ladenpreis konnte nicht billiger als auf 12½ Sgr oder 45 Xr gestellt werden denn die Buchhändler verlangen zu vielen Rabbat für die Vertriebskosten, so dass der Verlagsbuchhandlung wenig übrig bleibt. Können Sie aber in Ihren Conferenzen für deren Ankauf wirken so will ich gern bei einer Abnahme von je einem ½ Dzzd 1/3 X des Preises Rabbat geben, so dass dann das Stück auf 30 Xr gewiss sehr billig zu stehen kommt. Die Bestellung kann durch ein {Conferenz / Comité} Mitglied geschehen, welches dann auch für den Eingang /
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und die Übermachung des Geldes sorgt.- Dieses Büchelchen, das werden Sie bei eindringender, allseitiger Prüfung finden, wird für die lebendige Erfassung des Gegenstandes, besonders auch für den Volkslehrer, um dadurch selbst sein Wirken in rechtem Lebenszusammenhange zu erkennen, eine bleibende Quelle seyn.-
- Wie ist es, werden wir uns am 28. 29[.] und 30[.] Septbr in Eisenach sehen?- Ich denke hinzureisen und schon am 27en spätestens dort zu seyn. Kommen Sie, so können Sie mich beim Hauptmann Herrn Hermann v. Arnswald Im [sc.: im] Hause der Frau Postmeister Jungherr, wo /
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ich wohnen werden, erfragen.- Schultheiss von Nürnberg wird auch wieder hinkommen.- Auch Frl. Amalie Krüger will hinreisen.- Die bekannten Dresdner und Leipziger werden wohl alle kommen.- Wird auch Heusinger kommen[?] Leider ist in Rudolstadt sein Herz tief von Amor's Pfeil verwundet worden, ob er wohl wieder gesundet ist?-
- Hier in Keilhau ist es sehr still seit heut früh: Alle Zöglinge und säm[t]liche Lehrer sind in 3 Abtheilungen auf die Reise. Die mittlere Abtheilung ist auch in ihrer [sc.: Ihrer] Nähe in Sonneberg vorbei nach Koburg [sc.: Coburg] und Bamberg; die Kleinen sind nach dem /
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Thüringerwald bis Eisenach; die Grössten nach dem Harz und Brocken; Amalie Krüger und Frl. Mattfeld sind in Gotha*;* kommen aber mit zum Bildungscursus nach Dresden, welcher in Mitte Octbr beginnen und 30 Theilnehmer zählen wird.-
Luise Levin hat eine Stelle als Erzieherin in Rendsburg und ist jetzt auf der Reise dahin. Frl. Henriette Breymann, der grössesten und blasssten unter den Mädchen, wenn Sie sich derer erinnern sollten, wird zum Lehrgang nach Dresden kommen, im Fall die Eltern beistimmen. Herr Krell wird wenn es dessen Vater erlaubt auch mit nach Dresden gehen*! Auch Auguste Steiner denkt auf einige Wochen nach Dresden z. kommen. /
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Wenn sich nun alles so entwickelt wie es in der Anlage vorliegt, so wird, in Dresden ein schöner Kreis von Menschen zusammen kommen.- Herr Middendorff ist ins Bad nach Elgersburg seit 8 Tagen gereist und wird dort bis Mitte Octbr bleiben.
Nun zur Beantwortung Ihrer Wünsche:
1.) Ein Schriftchen Middendorffs erfolgt hierbei[.]
2.) Von dem Liede: ["]Ein feste Burg" besitzt leider Niemand ein Ex: Es ist in der Versammlung so hastig vertheilt worden, so dass ich selbst kein Exemplar bekommen, wenigstens nicht erhalten habe. Auch habe ich nicht /
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einmal das Manuscript bei der Hand um es Ihnen abschreiben zu lassen; es ist noch in der Druckerei.
3.) Das Verzeichniss der Theilnehmer, ob es zum Abdruck nach Leipzig geschickt ist, weiss ich nicht, hier in Rudolstadt ist es zu meinem Leidwesen nicht zur Druckerei gegeben. Das Festcomité scheint dafür kein reges Interesse gehabt, auch mag es dazu auch am Gelde gefehlt haben. Morgen denke ich jedoch in Rudolstadt Näheres darüber zu hören[.] Zum Abdruck der Verhandlungen sind fl. 42 eingekommen. Wie weit diess reicht weiss ich nicht, weil z.B. auch noch die Danksagung Lommers im /
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Rudolst. Wochenblatte zu bezahlen war.
4. Als Beitrag zur Schwarzburger Fuhre ist mir weder für Sie noch für Schultheiss etwas abgefordert worden. Ich will mich erkundigen und Ihnen Nachricht geben[.]
Die Einlagen [sc.: Einladungen ?] werden Sie gütigst besorgen. Nannten Sie mir bei Gelegenheit der Einladungsvorbereitung nicht einen Mitarbeiter an Diesterwegs Rheinischen Blättern, welcher vielleicht eine Rezension von Middendorffs Schrift liefern könnte?-
Grüssen kann ich Sie diessmal nur von mir, da eben Alle verreist sind.- Die vorläufige Anzeige unserer /
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Versammlung in der Schulztg von Kell haben Sie wohl gelesen. Wie finden Sie dieselbe?- Wenn wir uns in Eisenach nicht sprechen sollten empfange ich dann noch spätestens bis zum 22. Freitags einen Brief in Rudolstadt? - welcher spätestens Donnerstags den 21[.] in Schalkau auf die Post gegeben werden müsste.
Immer mit gleicher Liebe und Dank
Ihr treuergebener Friedrich Fröbel.

Am 15en Septbr. Die ersten frühen Morgenstunden sind für mich die, welche durch gute Gedanken mir das Werk des Lebens am meisten fördern. Da will ich Ihnen denn einen Gedanken mittheilen, welcher mir in Beziehung auf die /
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Ausführung der Kindergärten diesen Morgen kam: - eine der ersten Entgegnungen ist immer die: woher Raum, woher einen Garten und entsprechenden Spielplatz nehmen?- Da erinnerte ich mich denn, wie ich sehnsüchtig vor dem Schlosse in Hildburghausen vorüber gegangen war und mir gesagt hatte: - "Hier ist Wohnungs-, Spiel und Gartenraum für einen Kindergarten so schön man ihn wünschen kann" worauf man mir antwortete als ich den Gedanken aussprach: - "ja dazu giebt der Herzog es, d.h. keinen Raum davon her."- So ergieng es mir als ich vor dem schönen Schloss in Saalfeld vorbei /
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und in dem schönen Garten davon wandelte, und man antwortete mir in Saalfeld wie in Meiningen. Ein solches Schloss, ein jetzt leeres Jagdschloss steht in Rodach - von dem Schlosse in Gotha sind Räume zu dem schönsten Kindergarten für Wohnung, Spielplatz, Garten frey - so in Rudolstadt in der sogenannten "Ludwigsburg." Jetzt ist aber die Zeit eine andere als noch im vorigen Jahre, jetzt darf man Fürsten zumuthen mindestens das bisher Unbenutzte zum Wohle des Volkes zu benutzen, und immer bleiben noch Räume genug im [sc.: in] diesen Schlössern wo /
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die Fürsten wohnen können wenn sie einmal in der Mitte ihres Volkes leben wollen. Irre ich mich nicht so hat selbst Eisfeld ein solches halb unbenutztes Schloss. Ich gebe Ihnen diesen Gedanken in seiner Allgemeinheit mit Ihren Freunden zu berathen. In Hildburghausen wie in Saalfeld wären die genannten Locale schön zu Musterkindergärten für Stadt und Land; in Hildburghausen besonders auch in Verbindung mit dem Seminar. Genug, man muss die Augen immer offen erhalten und in dem wie jetzt allgemein aufgelockerten Boden nicht verabsäumen den guten Saamen auszustreuen.- Die Fortbildungsschulen besonders /
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der Mädchen könnten dann in Verbindung mit den Kindergärten zu Bildungsanstalten für Kindermädchen, Spielführerinnen selbst zu Kindergärtnerinnen benutzt werden.-
Frl. Levin, welche bei ihrer Abreise nach Hollstein Ihnen und dem lieben Kostschen Hause ein herzliches Lebewohl sagt, bittet um freundl. Andenken.