Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Joseph Meyer> in Hildburghausen v. 16.9.1848 (Keilhau)


F. an <Joseph Meyer> in Hildburghausen v. 16.9.1848 (Keilhau)
(BN 722, Bl 9, dat. Entwurfsfragment 1 Bl 8° 2 S. - Der Adressat lt. Zuordnung Wollkopfs, nicht gesichert)

Keilhau am 16/IX 48. [*Jahreszahl eingekreist*]

Hochgeschätzter Herr und Freund.

Fast könnte ich fürchten durch mein wiederkehrendes
schriftliches Einsprechen Ihnen zudringlich zu erscheinen;
da ich es aber meiner Natur nach wirklich nicht bin, so
darf mich dieser Schein nicht abhalten bestimmen einem Grundsatze
untreu zu bleiben werden, dessen Festhalten ich besonders jetzt für
das Leben, wo es so leicht auseinander geht, für hoch wichtig
halte erkenne, den nemlich: die Geistes-Einigung, welche sich im
Leben irgend einmal kund gethan hat, auch pflegend im Leben
möglichst
so lang im Leben pflegend fest zu halten, bis daraus
auch wieder reife Früchte zur wahrer LebensForderung hervor-
gegangen sind. Dieß erscheint mir nun ganz besonders
Pflicht, blicke ich auf Ihre Beachtung <irgend etwas was gibt u. spricht> und Einführung der Kinder-
gärten ins Leben insbesondere. Sie haben
[Einfügung von unten:]
schon vor Jahren veranlaßt daß der verstorb[ene] E Scheller meinen kindheitpflegenden Bestrebungen überhaupt Ihre [sc.: seine] Aufmerksamkeit geschenkt [hat]
hochgeehrtester Herr und
Freund, getrieben vom tiefen Blick
Ihres scharfen geistigen Auges, der Kindergärten, Bedeutung und Wich-
tigkeit für Zeit und Völker erkannt, begeistert u
somit begeisternd ausgesprochen, als noch kaum einzelne
scheue und schwache Stimmen sich dafür erhoben; als die
Kindergärten selbst nur noch wenig von ihrem inner-
sten allerfassenden, allgenügenden und somit ganz
zeitgemäßen Wesen in That und Schrift dargelegt
hatten. Sollte es mir nun nicht Pflicht seyn Ihnen jetzt, wo
die erste großartig anerkannt und das die zweite nun
klar und vielseitig von Freundes Hand ausgeführt erschienen ist, - diese Früchte, zu
deren schönen Reife gewiß auch wieder der Geist Ihrer vom
ächten Lebenshauch durchglühten Worte mit gewirkt beygetra
getragen hat, /
[9R]
Urtheil über ihn zusen[den]
gen hat, Ihnen an Sie womöglich zu einiger Freude, am so <angefangenen> Werke dankbarend
mitzutheilen vorzulege darzulegen
Es mag leicht seyn, daß der bestimmte Einfluß von Ihnen un-
beachtet geblieben ist, daß
<dieses> dieselbe Aufmerksamkeit,
welche Sie schon vor Jahren, veranlaßt durch den ver-
storbenen Erdmann Scheller, meinen kindheitspflegen-
den Bestrebungen schenkten
, auf die Ausbildung
[dazwischen:]
ganze Ausbildung der Ihnen <angedachten> auf rüstigen Bearbeitung und <entschlossenen>
derselben ausgeübt und selbst zu den Früchten beige-
[dazwischen:]
von Ihnen noch unbeachtet geblieben ist
tragen hat, deren ich ich mich jetzt erfreue; Mir aber
ist es Pflicht jenen Einfluß nicht nur nicht zu ver-
gessen, sondern ihn dankbar zu immer schöneren
Blüthen, zu immer edleren Früchten zu pflegen.
In dieser Anerkennung der wirklich seegensreichen,
erhebenden Einwirkung des Geistes auf den Geist,
als eines höheren, göttlichen, darinn ruht mein ganzes
Leben, all mein Bestreben, darin hat mein Kinder-
und Volks-, mein Armen- und überhaupt durchweg
Menschenpflegender Sinn seinen Grund; darin hat
er rein seinen Grund, daß ich mit Nichts, rein mit
Nichts das leistetete, was ich leistete; darin hat es
seinen Grund, daß Ihre geistvolle Auffassung mei-
nes Wirkens und Wollens, so stärkend und er-
muthigend auf beides zurückwirkte.
[Einfügung von unten/linker Rand 9R und linker Rand 9V:]
Diese Geistige Einwirkung auf den Geist, dieses unmittelbare
Zusammenwirken u sich einigen gleichsam zu einem hohen Daseyn von hohen Ziele sollten wir
weit mehr pflegen als wir thun - diese Pflege unmittelbar geistigen Verbundes, dieses große
Zusammenwirken zum höchsten Bewußtseyn zur höchsten Einsicht zu bringen, daß ist nach mei-
ner tiefsten Überzeugung die Forderung u wer ihr getreu wirket, der wird die Aufgabe u Räthsel der Zeit lösen[.]
Beachten Sie was seit länger als ein[em] Jahrzehend vor Ihren Augen vorgeht, und prüfen Sie ob ich recht habe; wirkte
<nicht> der Geist auf den Geist mit dem Geist u d[urc]h den Geist wie wäre es m[ö]gl[ich] gewesen daß das Wirken eines klügeren Mannes ohne alle Mittel
getrennt von allen Mitteln gefesselt von Außen wie kann Einer zu Einem Ergebniß kom, konnte - was sich jetzt ahnen laßt der Geist ist es dessen
Kraft wir nicht genug anerkennen. Man glaubt das Leben ließe sich so von Außen machen, während ein ewiger Geist ist der da wirkt alles in Allem. Mögen Sie
nun, durch nach <gar> einem, ich glaube mehr als ein
Jahrzehent <hind[urc]h> gesteigert[en]
wo wir uns im sächsischen Hause Hildb[u]rgh[au]sen zum er-
sten male sahen, auch mit erhöhtem prüfend beachtenden
Blicke das schauen, was gleichsam als Frucht dieser Zeit ich jetzt bringe <schon sprechen>.
Und möge dieser Blick auch Ihres erhöhten Geistesauge
ebenso auch wieder zu erhöheter, gesteigerter FortEntwickelung
lung [Text bricht ab]