Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Richard Krell in Keilhau v. 29.10.1848 (Dresden)


F. an Richard Krell in Keilhau v. 29.10.1848 (Dresden)
(BlM XXVII,6,4, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. - Die unvollständige Adressierung läßt darauf schließen, daß der Brief entweder durch einen Boten überbracht wurde oder einem anderen Brief nach Keilhau oder Blankenburg beilag.)

Herr[n] Krell in Keilhau
Dresden am 29n Oktobr 1848
Endlich habe ich mein lieber Krell, den so lang ersehnten Brief
von Ihnen gestern erhalten; Sie haben mich lang auf denselben
warten lassen, was Sie nicht hätten thun sollen; Sie mußten mir
sogleich von Mengersgereuth und Sonneberg aus schreiben, als sich
Ihr Schicksal dort entschied. Als gestern Frl[.] Emilie Stieler kam,
s Sie aber nicht mit, mir dieselbe auch weder Brief noch Nachricht
von Ihnen brachte, da war ich im Ernst unzufrieden mit Ihnen; nun,
jetzt ist es vorbei lassen Sie uns nun nur die Verhältnisse fest zu[-]
sammen und klar ins Auge fassen.- Daß Ihr Schicksal oder vielmehr
das Ergebniß Ihrer Lebensverhältnisse das seyn würde, als welches es
jetzt vor liegt, das wußte ich, als ich klar hörte worauf sich Ihre Hoff-
nungen gründeten; wenn ich es Ihnen gesagt hätte, so würden Sie
es mir nicht geglaubt haben und hätte ich Ihnen nach meiner Ansicht
von Ihren Verhältnissen einen Lebensbahn, einen Lebensplan vor-
schlagen wollen so würde ich dessen Ausführung auf Sand und Wasser,
vielleicht gar auf und in die Luft gebaut haben. Jetzt nun kann es
wenigstens ein Aufbau auf Felsen werden; wenn Sie ihn auf Ihre
eigene Kraft, auf ihre [sc.: Ihre] eigenen Mittel die Sie schon besitzen, nach
den eigenen Wegen, die Sie sehen können aus- und auffahren wollen;
darum klagen Sie weder das Schicksal, noch das Glück, noch die Menschen
an, alle diese drei sind unschuldig an Ihrem Erlebniß, sondern klagen
Sie - wenn Sie ja klagen wollen, was aber ganz und gar nicht nö-
thig ist - sich selbst an daß Sie weder das Schicksal, noch das Glück
weder die Menschen und also am allerwenigsten sich selbst ver-
standen haben. Sie wollen ein freier Mensch werden, denn das
müssen Sie wenn Sie ein ächter Menschenerzieher werden wollen,
dieß geschieht aber, wenn Sie sich durch sich selbst und durch die /
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Kraft, Mittel, Weisen und Wege werden, die Ihnen Gott
dazu gegeben hat, nicht also dadurch daß Sie nach Hülfe nach
Außen und um sich, sondern daß s Sie Hülfe in sich erblicken
und die Kraft, die Mittel, die Weisen und Wege die s Sie dort
in Ihrem Leben in ihren [sc.: Ihren], d.h. wirklich in ihren [sc.: Ihren] nicht in fremden
Verhältnissen nur in sich finden, gebrauchen und anwenden um
das zu erreichen was Sie zur Entwickelung und freien Gestal-
tung Ihres Lebens bedürfen.
Ich habe in dieser Beziehung nun ganz klar und bestimmt an
Herrn Middendorff geschrieben, die Zeit gestattet mir nun
nicht Ihnen all das zu wiederholen. Genug gehen Sie nach
Empfang dieses Briefes sogleich zu Herrn Middendorff, be[-]
sprechen Sie auf den Grund meines Briefes all Ihre Verhält[-]
nisse und Ihr Leben, wenn Sie nun durch Erfassung und Gebrauch
der dort gezeigten Kraft, Wege, Mittel und Weisen, Ihr Leben
mit Entschlossen[heit,] Muth, Treue, Ausdauer, Hingabe im Dienste
der Idee (erschrecken Sie über dieß Wort und überhaupt über
die Thätigkeit dienen nicht; denn wer nicht zu dienen versteht,
wird nie verstehen zu ordnen, auf zu bauen rc) - aus sich ge-
stalten wollen, so erfüllen Sie sogleich die beiden dort ausgespro-
chenen Forderungen sogleich zu kommen, aber jedenfalls sogleich
zu schreiben: Können und wollen Sie das erste, so bringen
Sie mit 1, Ihre Violine 2) Ihr Bett mit 2 mal überzuziehen 3) 
Handtücher 4) Lassen Sie sich von Fr[.] Barop oder Elisen die noch
von mir zurück geblieben[en] 3 Paar Messer u Gabel geben
5. Lasse Machen es die Umstände nöthig, daß Sie nach Empfang
dieses Briefes noch einen oder gar zwei Tage in Keilhau bleiben,
So [sc.: so] senden Sie sogleich einen sichern Boten, <Ziehner> oder Caspar Schill[in]g /
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nach Blankenburg an August Straubel und derselbe soll
Ihnen so viele Farbenfolgen von 6 Bällen nebst Köchern
schicken, als er fertig hat, oder als er, wenn der Bothe ein
Paar Stunden wartet, fertig bringen kann; diese packen Sie
dann zu Ihrem Bette und bringen Sie mir auf diese Weise
solche mit. Diese Ihre Bettkiste oder Bettfaß, schicken Sie dann
an Kaufmann Geyer in Rudolstadt mit der Bitte es mit
der Eisenbahn als Eilgut hierher unter meiner Adresse
die Ihm und Ihnen bekannt ist, zu schicken. Der Bote nach Blankenb[ur]g
soll sich das Geld von Fr: Barop geben lassen.
Ich muß schnell schließen[.] Also auf baldiges schriftliches
oder persönliches Wiedersehn
Ihr

FriedrichFröbel /
[2R]
[Adresse:]
Herrn Krell
in
Keilhau
Sogleich an denselben abzugeben.