Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 12.1.1849 (Dresden)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 12.1.1849 (Dresden)
(BlM XXIII,28, Bl 99-100, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Dresden, Liliengasse No 19. Am 12. Jan 49.
Was wirst Du m. th. G. von mir denken
wenn Du siehest und ich Dir auch ausspre-
chen muß, daß ich, seit ich die letzteren Zeilen
an Dich gesandt habe, auch nicht ein Wört-
chen für Dich niederschrieb?- Allein die
Zeit wollte es auch gar nicht möglich
machen, auch mit der größten Anstren-
gung hätte ich es nicht erzwingen können;
denn ich schrieb in dieser Zeit 13, wenn auch
zum Theil nur kleine, doch auch größere
Briefe. Da gedachte ich denn Deiner lie-
bend mahnenden Worte; und wie hätten auch
erquälte Worte und Schrift mit mattem
Geiste wie mit müder Hand niedergeschrie-
ben Dich erfreuen, Deiner würdig seyn
können?- Darum unterließ ich es, dach-
te aber um so mehr Deiner und Deiner Liebe,
welche im und mit dem Gebet mein erster
Gedanke am Morgen, wie mein letzter
am Abend war. Aber auch während
des Tages wurde ich viel an Dich und an
Deine Liebe und Deinen Beruf erinnert:- /
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denn Dein schönes Geschenk schmückt mich und deckt
meine Dir mein Herz bewahrende Brust. Aber
die Menschen namentlich meine Schülerinnen finden
es nach Wahl und Folge der Farben wie nach Sorgsam-
keit, ja Schönheit der Arbeit so schön, daß ich fast da-
durch in Verlegenheit gesetzt werde. Man hielt es
Anfangs für Keilhauer Arbeit, weil ich grad in
diesen [Tagen] ein Päcktchen mit Büchern aus Keilhau bekom-
men hatte, da ich sagte, daß es das Christkind der
Hamburger Reise gebracht, so rathete man auf All-
winen, als Geberin und ich gestehe offen, daß ich kei-
nen Grund fand Dich nennen zu müssen. Du fühlst
aber gewiß recht tief und lebhaft mit mir, stets so
von einem so geschmackvollen Erzeugniß Deiner
Liebe umgeben zu seyn; denn wie ich Dir sagte: ich
trage es auch täglich. Aber es ist auch schön gemacht
zugleich zweckmäßig für den rauhen Winter, ganz
zum Verschließen oder zum Theil es offen zu lassen, wo
sich dann der innere Besatz des blauen Sammets so fein
macht, daß ich nicht zweifle Du selbst müßtest und wür-
dest Dich über Deine zugleich so sinnige Gabe innig
freuen, denn ich sehe in dem Braun und Blau die Ei-
nigung von Erde und Himmel, und wie selbst in
und aus dem irdischen Leben sich das himmlische frei
macht und sich empor ringt. O, es ist doch etwas hohes
um zarte und sinnige Erzeugnisse und Gaben der
Liebe. Dank, nochmals herzlichen Dank Dir, für die Deine.
Wie ich viel Briefe in der jüngsten Zeit geschrieben /
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habe, so habe ich deren auch mehrere erhalten: von Mid-
dendorff
, von Auguste Steiner, von Elisen, von Aug[uste]
Michaelis
als den Dir bekannten Personen fast aus al-
len Briefen möchte ich Dir Auszüge, ja von denselben
fast ganz Abschriften mittheilen, überzeugt, daß sie
Dich erfreuen würden. So erhielt ich von Elisen folgen-
den Brief: "Mein theurer Oheim. Eben hatte ich Henri-
"etten meinen Gruß u. Dank für Dich aufgetragen,
"um an die Arbeit zum Waschen zu gehen, wobei die Mutter
"schon war, da erlaubte mir diese auch noch an Dich schreiben
"zu dürfen, u. ich bin ihr dankbar dafür, daß ich Dir selbst
"meinen und der Eltern innigen Dank da für Deine Grüße u.
"Seegenswünsche aussprechen kann, besonders war der Va-
"ter erfreut und innig bewegt, daß Du seiner auch in dieser
"Zeit gedacht, u. er erwiedert wie wir Alle Gruß u. Glück-
"wunsch auf das herzlichste. Aber sage lieber Oheim, wie
"bist Du mir Dank schuldig?- Dieses Wort beschämt mich u.
"erinnert mich daran, wie ich Dir wohl weit mehr Liebe u.
"Aufmerksamkeit hätte erweisen können, als ich wirklich ge-
"than habe. Aber es war nicht Mangel an Liebe daran Schuld,
"diese fühle ich, wie immer gleich zu Dir, sondern es geschahe
"aus Unachtsamkeit, daß ich meine Gedanken nicht allseitig
"genug auf alle meine Pflichterfüllungen richtete. Aber
"wenn ich immer treuer hierin werde, wirke ich dann nicht
"auch in Deinem Sinne, lieber Oheim, wenn ich auch nicht un-
"mittelbar Deine Schülerin d.h. eine Kindergärtnerin
"bin, denn Deine Schülerin bin ich ja immer gewesen. Ich
"halte den Kindergärtner-Beruf für einen hohen, wichtigen
"und preise alle die glücklich, die dieß erkennen u. sich in seiner /
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"Ausübung befriedigt fühlen u. glücklich. Aber ich glaube ich
"bin nicht geschaffen dazu, sondern passe mehr zu dem Wir-
"kungskreise der mir jetzt angewiesen ist.
"Wie habe ich mich gefreut zu hören, daß Du in Hamburg u.
"Bergedorf gewesen bist; wie wird besonders Malchen glücklich
"gewesen seyn, Dich nach so langer Zeit einmal wieder bewirthen
"zu können, ihr nächster Brief ist gewiß auch voll von Freude,
"Allwine schreibt auch ganz glücklich u. ist nur betrübt, daß die
"allgemeine Freude durch den plötzlichen Todesfall in Holms Familie
"gestört worden sey. Mir thut das l. Jettchen auch innig Leid,
"dieser schmerzliche Verlust wird ihrer ohnehin schwächlichen Gesund[-]
"heit wieder einen empfindlichen Stoß geben. Von unsern Weih-
"nachtsfesttagen habe ich an die Mädchen geschrieben, wenn Du
"gern Etwas davon hörst, so erzählen sie Dir wohl Einiges.
"An meinem Geburtstage haben wir uns recht lebhaft des schö-
"nen Abends erinnert, welchen wir voriges Jahr in Deiner
"traulichen Stube verlebten, dieses Jahr verfloß er stiller. Von Hildeg[ard]
"erhielt ich einen freundlichen Gruß, auch erkundigte sie sich in
"ihrem Briefe angelegentlich nach Dir u. schreibt, sie hätte Deiner
"viel gedacht u. Dich zu ihr gewünscht, als sie mit mehreren
"Frauen 7 prächtige und mächtige Christbäume für die armen
"Kinder ihrer Stadt geputzt habe u.s.w.- Doch nun lebe wohl
"und strenge Dich nicht zu sehr an. Kann ich nur, wenn Du dieß
"thust ein Briefchen von Dir erhalten, dann verzichte ich gern darauf
"so gern ichs auch hätte. Deine dankbare, treue Elise."
"Nochmals von Eltern, Schwestern, Kindern, Fr. v. Born u Malchen
"viele, viele Grüße."- So weit Elise.- Damit Du den Brief
wo möglich zum 16en erhältst heut kein Wort weiter als die
reinsten Seelengrüße Dir u. freundliche Grüße Deinen Kindern.
DFrFr.