Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ida Seele in Darmstadt v. 27.1.1849 (Dresden)


F. an Ida Seele in Darmstadt v. 27.1.1849 (Dresden)
(BN 651, Bl 45-46, Brieforiginal 1 B 8° 2 S., ed König 1990, 176)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1:1)

Dresden, Liliengasse No 19. Ebener Erde. Am 27. Jan 49


Sehr geschätzte liebe Ida.

Ob ich Ihnen gleich vor nicht gar langer Zeit schon ausführliche schriftliche Nachricht von mir gegeben habe, so macht es mir doch große Freude Ihnen durch die freundliche Überbringerin dieser Zeilen, durch Frau Dr Herz Gattinn eines Landesvertreters in der II. sächsischen Kammer, Gelegenheit zu geben sich recht ausführlich von meinen gegenwärtigen Wirken und Streben unterrichten zu können[.] Frau Dr Herz beschäftigt sich nemlich schon seit Langem mit der Begründung von Familien- und Volkswohl durch allgemeine Volksbildung und Erziehung. Da nun seit den mehreren Monaten seit ich jetzt in Dresden meine Vorträge über frühe Erziehung und Kindheitpflege, besonders über die Aus- und Einführung von Kindergärten, Fr Dr Herz meine sehr fleißige und aufmerksame Schülerin ist, so hat ihr allgemeiner Sinn für Volksbildung in der Ausführung eines dieselbe begründenden Kindergartens sein Ziel gefunden und sie bezweckt demnach einen allgemeinen Kindergarten für Durchgreifende, Deutschlands Wohl sicher gründende Volkserziehung, hier in Dresden, ja es ist ihr durch ihren Eifer, durch ihre Rechtlich- und Redlichkeit gelungen ihr Unternehmen schon vielseitig zu begründen. So glücklich sie nun gleichsam schon in der Begründung desselben wahr war so sicher möchte sie in der Ausführung ihres Vorhabens seyn. Diese Sicherheit hängt aber viel vom Grade der Einsicht ab, weshalb sie um sich solche zu verschaffen den Entschluß gefaßt hat eine Mehrheit der tüchtigsten Kindergärten Deutschlands und so nun auch den Ihrigen zu besuchen. Ich bitte Sie daher recht dringend öffnen Sie der edlen Frau wie die Pforten zum Eintritt Ihrer äußeren Wirksamkeit, so wie die Thür zu dem Schatz Ihrer vie[l]fachen und tiefen Lebenserfahrungen; man kann sagen Sie fördern durch alles di[e]ß Gottes Sache; /
[45R]
denn derselbe will, daß den Menschen dadurch geholfen werde, daß sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen, was zu begründen ja das Grundstreben der Kindergärten ist.
Können Sie sonst wie der Frau Dr Herz ihren Aufenthalt nicht blos erleichtern, sondern für ihren Zweck frucht- und seegensreich machen so bin ich tief in mir überzeugt daß Sie es gern thun werden. Sie werden dadurch viel beitragen ein Herzens- und Lebensband zu weben von welchem ich wünsche, daß es alle so rein als redlich strebende Kindergärtnerinnen Deutschlands umschlingen möge. Lassen Sie ja Offenheit und Vertrauen in Hinsicht auf Kindheitpflege unter sich walten, den Seegen davon wird die deutsche Kindheit erben, denn ein Streben wie die rastlos thätige Frau Dr Herz in sich trägt und bald in schöner Gestalt da stehen wird, ist zwar bis jetzt noch einzig allein es wird und muß zum Gesammtwohl des ganzen Volkes sich bald verzehn- ja verhundertfachen.
Von den Druckblättern welche die Frau Dr Herz übergeben wird, bitte, mach den weitverbreitesten wie tiefest wirkenden Gebrauch. Besucht (Dich Deine) Sie Ihre Fr. Großherzogin so theilen Sie derselben eines oder einige dieser Blätter mit, denn es dünkt mich, es müsse doch Ihrem Herzen wohlthun wenn Ihr Lehrer u wahrhaft väterlicher Freund auch von geprüften und prüfenden Seiten her und von hochachtbaren Menschen der verschiedensten Lebensberufe wie beiden Geschlechtern und jedes Lebensalters nach langem Kampfe auch gerechte Anerkennung findet.
Nochmals empfehle ich Ihnen Fr: Dr Herz recht angelegentlich den[n] ihr Wirken ist der Keim eines allgemeineren.
Leben Sie wohl gedenken Sie meiner in gleichem Maaße mit aufrichtiger töchterlicher, wie ich Ihrer mit der gleichen väterlichen Liebe, die Früchte davon wird die Menschheit erndten.
I. Frd. Fr. Fr.

Bitte grüßen Sie mir ja die beiden l[ieben] Mädchen Laufersweiler u. Usinger besonders herzlich. /
[46]
[leer]
[46R]
[Adresse:]
Fräulein Ida Seele
Kinderführerin in der Kleinkinderschule
in
Darmstadt
Vor dem obern Jägerthore
Durch die gütige Hand
der Frau Dr Herz, Grün-
derin eines Kindergar-
tens in
Dresden.