Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 19.2.1849 (Dresden)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 19.2.1849 (Dresden)
(BlM XIX,5,Bl 12-16, hier: Bl 16. Die Akteneinheit enthält F.s Brief an Luise Levin v. 19.2.1849 = Bl 16 /16R,sowie F.s Abschrift eines Briefes von Frau Pastor Breymann an Henriette Breymann v. 11.2.1849 = Bl 14/14R u. 15V (das Original dieses Briefs Bl 12-13R) sowie Abschrift des Schreibens von Henriette Breymann an F. v. 18. 2. 1849 = Bl 15R)

Meine einzige, geliebte, theure Luise.

Eben schlägt es 3/4 auf 3 Uhr Morgens am 19n Febr. Lasse Dir da-
rum, obgleich Du noch sanft schlafen vielleicht von heiteren Träumen
umspielt wirst einen recht seelenvollen guten Morgen wünschen[.]
Ich sehe Dich klar vor mir in der heiteren Ruhe Deines friedigen Gesichtes,
möchte meine Nähe Himmels- und Engelsfreuden in Dein gutes Herz leuchten.
- Heut Mittag, ich war ja, ich muß ja jetzt sagen: gestern Mittag
sandte mir unsere Henriette mit dem beiliegenden Brief an Dich
auch die beiden im Vorstehenden für Dich abgeschriebenen Briefe
nemlich zum größeren Theil den von ihrer Mutter und dann
den an mich ganz. Ich habe dazu ganz wenig hinzuzufügen.
Hoffentlich hast Du sie schon gelesen ehe Du zu dem meinen gekommen
bist, und Du mußt ihn schon bis hierher gelesen haben, ehe Dir die
Worte welche ich jetzt schreibe ins Auge fallen; darum ist die Auf-
forderung sie zu lesen ein Unding. Also ich habe Dir nur zu
dem bis jetzt Gelesenen die Versicherung hinzu[zu]fügen
..................daß ich fest entschlossen bin
Mit Ende des Monat April von hier abzugehen um dann mit dem
1 Mai an einem Orte, welche[r] wie ich hoffe jedoch noch vor Ablauf
dieses Monats seine feste Bestimmung erhalten wird - ein
vielseitig, ja allseitig gegliedertes Erziehungsunternehmen zu /
[16R]
gründen und auszuführen, wie ich es Dir und unserer All-
wina - und, wie Du aus Henriettens und deren Mutter
Brief ersehen wirst - auch ersterer vorgelegt habe.
Was ich zu all diesem vielleicht für Dich noch hinzufügen
möchte ist mein jüngster Brief an Allwinen, - so wie den
jüngsten welchen ich von ihr empfangen habe. Den ersteren Dir
zu senden, habe ich sie gebeten und vielleicht hast Du ihn schon er-
halten. Den Inhalt des letzteren kannst Du so ziemlich aus dem
Ganzen erschließen.
Ich beeile mich nun Dir diesen Brief so schnell als möglich zu
senden, damit Du ihn noch vorher erhalten mögest, ehe Du
den Deinen vom 24n d. M. an mich absenden mögest und ich so recht
bald, ja fast mit umgehender Post, Nachricht u Antwort von
Dir erhalten kann. - Es muß auch nun, m. l. L. die Sache
bald zur vollendeten Freude aller zur Entscheidung kommen. -
Hier in Dresden sind von einigen Punkten aus auch die schönsten
Anregungen.
Nun Gott befohlen ich hätte Dir noch sehr viel aus dem Leben
zu schreiben, doch die Zeit erlaubt es jetzt schlechterdings nicht[.]
Es ist gleich 4 Uhr. Um 8 werde ich geweckt. Um 9
beginnt die erste Stunde, vielleicht schon vor 8 muß ich schon
ausgehen. Gottes Seegen ruhe auf all Deinen Fühlen
Denken und Thun
...................................DFrFrFr.

Denke Dir nur das eigene Geschicke: vor wenigen Tagen höre
ich, daß Dr Mai in Eisenach gestorben ist. Obgleich wie
ich höre die Wittwe den Kindergarten fortführen wird,
so wäre und stände mir nun wohl Eisenach zur Ausfüh-
rung meines Planes offen; aber jetzt, jetzt ziehe ich die
südliche Abdachung des thüringer Waldes d. i. die Gegend um
Liebenstein vor, wenn sich dort Raum u. Wohnung vo[r]findet.
[Randnotiz:] Am 19n Mittags 1 Uhr. Guten Tag. Theile diesen Brief so bald Du kannst
ganz an Allwinen mit, damit das Leben ein Ganzes werde,
und besprecht Euch brieflich. Und bald höre ich von Dir - Dich DO.