Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 25.2./26.2./27.2./28.2.1849 (Bad Liebenstein / Eisenach / Dresden)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 25.2./26.2./27.2./28.2.1849 (Bad Liebenstein / Eisenach / Dresden)
(BlM XIX,1, Bl 17-18, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. u. KN 51,7, Zettel 16° 1½ S., tw. ed. Schröcke 1912, 36-39. - Die Teile des Briefs sind auf zwei Archivorte verteilt: in BlM ein Oktavbogen, in KN ein 16°-Blatt. Bisher wurde die Zusammengehörigkeit nicht erkannt; das Blatt in KN wird in Briefliste nicht genannt und im KN-Katalog irrig auf den 28.2.1835 oder 1834 dat. und Luise Frankenberg als Adressatin genannt. Die Zuordnung erfolgt aus folgenden Gründen: 1. der 28.2. muß ein Mittwoch sein, 2. die Erwähnung weiterer Frauen weist auf Ende der vierziger Jahre [Kindergärtnerinnen]. In Teiledition Schröcke 1912 entsteht der Eindruck, es handle sich um drei Briefe v. 25., 26. bzw. 27.2.1849; so auch Briefliste irrig drei Nrn.: 1469-1471.)

[BlM XIX, 1, 17]
Bad Liebenstein. Am 25en Februar 1849. Abends 10 Uhr.

Meine liebe Luise.


Unmöglich kann ich es unterlassen Dich meine Theure u. Treue
und unsere liebe Allwina, Euch wie ich hoffe gegenseitig
mit reiner und treuer Liebe wie mir verbundene Beide,
von hier, dem lieben freundlichen Liebenstein, vielleicht
vom nächsten Frühlinge aus dem Orte unseres gemein[-]
samen, in und durch treue Liebe geeinten Wirkens, in
eben solcher Liebe, Treue und Freundlichkeit zu begrüßen.
- Da die Zeit zur Entscheidung drängt, so verließ ich ge-
stern, Sonnabends am 24n früh 6 Uhr Dresden, um - ein paar
freie Tage benutzend - hierher nach Liebenstein zu reisen
und so selbst zu sehn, ob die Gesammtheit der Natur- und
Lebensverhältnisse hier wohl günstig zur Ausführung
eines rein menschlichen, allseitig genügenden Erzieh-
ungsunternehmens, zunächst zur Ausführung eines
Bildungscursus für Kindergärtnerinnen für kom-
mendes Sommerhalbjahr sey. Wie freue ich mich nun, nach-
dem ich heut Vormittags 10 Uhr hier eingetroffen bin,
Euch nur von günstigen Anzeigen reden zu können.
Abgerechnet, daß die Preiße der Wohnungen u. des Un-
terhaltes, als die eines Badeortes für das Sommerhalbjahr
natürlich etwas stark und auffällig entgegen treten, so
ist mir nicht nur nicht das Mindeste Stöhrende, oder
Trübende, sondern vielmehr nur lauter Liebes, Freundliches
und Günstiges entgegen getreten; so gehe ich denn auch mit
großer Hoffnung und Freudigkeit der weiteren gemeinsa-
men Ausführung unseres schönen Planes entgegen.- /

[17R]
Eisenach, Montag Abends am 26en Febr. 9 Uhr.
Lieber schrieb ich Marienthal, wenn es in diesem Augen-
blick Wahrheit wäre; denn da war es wo ich Euch, Dich
meine theure, treue Luise und unsere Allwina mit kla-
rem Morgengruß grüßte und Euer viel gedachte, denn
Marienthal und Liebenstein nahe bei einander, wer-
den, so scheint es jetzt, mit dem Lenzmonat, verbunden
die Orte unserer nächst künftigen Wirksamkeit für
Erziehung und Menschenbildung und Marienthal
besonders dann unser uns freundlich aufnehmender
Wohnort seyn.- Warum konntet Ihr mich doch nicht
in der Wirklichkeit begleiten, warum konnte ich Euch
nur im Geiste bei mir denken?- Warum konntet
Ihr nicht Zeuge jedes Wortes, jeder Handbietung, jedes
Vorschlages seyn, der mir gemacht, die mir gereicht
und welches zu mir gesprochen wurde?- Mir war es
als käme alles aus gütig vorsorgendem Vatergeiste
und liebend sorgsamen Mutterherzen. Alles viel schöner
als ich gestern sahe und mir dachte; wo ich Euch doch schon mit
so innig hingegebenen dankenden Gemüthe schrieb; was
soll und kann ich nur heute thun?- Alles Gebotene war
so schön, so entsprechend, so genügend, daß ich wie ein
Kind war, dem Christfest- oder Geburtstagsgaben geboten
werden, ich wagte gar nicht zuzugreifen. Wie hat sich doch
Euer beiderseitiges gläubig vertrauendes Gemüthe ge-
rechtfertiget und freu so innig freue ich mich dessen. Aber
es sind und waren ja auch wahre Christfest- und Geburts-
tagsgaben; denn eine neue Christzeit, ein Auferstehen, ein
Wiederkommen, Wiederherniedersteigen Christi im Geiste soll /
[18]
ja der Menschheit werden, ein neuer Geburtstag soll ihr
ja auch kommen; wie durchglüht aber auch mein ganzes
Wesen nun sorgsames Streben, daß nichts versäumt, wie
ersehnt mein Geist Besonnenheit und Kraft, daß Jedes, daß
Alles in rechter Weise gethan werde. Ja, meine Geliebten,
wenn wir mit hingegebener, aufopfernder, entsagender
aber förderlich thätiger Wirksamkeit thun was wir thun
können und sollen - aber ich freue mich mit der vollsten
Überzeugung zugleich sagen zu können - auch freudig wollen, so
wird gewiß Alles, Alles viel schöner und vollkommener
werden, als wir es uns jetzt, und sey es auch im verschönen-
den Spiegel der Phantasie, vorstellen; aber besonnenen Muth,
ausdauernde Kraft, entsprechende, genügende Thätigkeit!-
Gern schriebe ich Euch Einzelnes, allein ich vermag es nicht;
Wozu aber auch Einzelnes, wo das Ganze spricht: "Gott mit
Euerm Unternehmen!" - "Gott mit uns!" - Ja, Er bleibe auch
mit uns - in uns! - wirke durch uns!- Und darum
nochmals, ich bin noch furchtsam in mir zuzugreifen zu dem
Gebotenen, so schön, so entsprechend, so vollkommen und
genügend erscheint es mir. Werdet Ihr es aber auch,
wenn Ihr es sehet oder ich es Euch zu zeigen suche, auch eben
so erscheinen?- Erscheint es mir vielleicht nur so wegen
der großen Erwartung und Spannung mit welcher ich der Sach- und
Ortsanschauung entgegen gegangen bin? Allein, es war
und ist auch recht sonderbar: - ich konnte mir gar keinen
andern Ort als Liebenstein denken, ob ich ihn gleich wohl seit
30 u mehr Jahren nicht gesehen hatte. Ihr wißt, ich hatte mich
in mir viel mit Eisenach, als den künftigen Ort meines Wir-
kens früher beschäftigt; allein darauf wollte kein Phantasiebild mehr
haften. /
[18R]
Gute, gute Nacht Euch lieben Beiden, es ist eben 12 Uhr[.]

Ich habe abermals Euch beiden, wie gestern, wörtlich das
ganz Gleiche geschrieben, so wie, wenn ich morgen Abend
nach Dresden in allseitiger Lebenseinigung zurück gekehrt
seyn werde, es dann auch unserer gleichgesinnten,
Euch schwesterlichen Henriette zu lesen geben werde; da-
mit jede von Euch darin, wenigstens im Wesentlichen und Allge-
meinen, das ganz Gleiche vernehme. Habe ich in Dres-
den noch Zeit u Gelegenheit, woran ich jedoch zweifle,
so lege ich eine skizzirte Ansicht unseres künftigen
Wohnhauses (ist es im Lebensganzen gegründet) und auch
Zeichnungen von dessen innerer Einrichtung bei. Ist's a-
ber jetzt nicht so doch später.- Heut also herzinnig gute Nacht!

Dresden, Donners Dienstag, den 27' Febr 12 Uhr MN. Glücklich bei einem wun-
derschönen grünlich goldenen Abend- und einem prachtvoll glänzenden
Nachthimmel, erleuchtet von der eben im Wachsen begriffenen ersten
Mondsichel - wieder in Dresden angekommen, will ich Euch we-
nigstens so freundliche als herzinnige "gute Nacht!" sagen
und noch ein paar Worte aus: - "Liebenst[ein] u. seine Umgebung"
über - (so das Lebensschicksal das Siegel darauf drückt[)] "unser"
Marienthal Euch abschreiben, diese Worte heißen: - Von
Liebenstein führt ein Weg direct über eine, mit Buchen, Eichen
und Birken führt ein Weg in jugendlich kräftige[m] Wuchse bewal-
dete Anhöhe nach dem Schlößchen Marienthal eine freundliche vom
Herzoge v. Meiningen erworbene Besitzung im Thale d. Schweina
wo neben freundlicher Umgebung in der dazu gehörenden Wald-
parcelle hübsche Anlagen, u in der Nähe ein Wellenbad befind-
lich sind, eine schöne kräftige Allee, ein vortrefflicher Wiesengrund
und reichbesetzte große Rosenbeete schließen das Ganze ein.- /
[KN 51,7,Bl 1]

Schreibe mir doch ja, als sich in Deinen Verhält[-]
nissen etwas bestimmtes entwickelt hat; die be-
wußten Ansichten von Henrietten und einem
Anderen über Rosalien sollen in den ersten Tagen
folgen. Nochmals nach wiederholter strenger Prüf-
ung halte ich sie geschickt wenn die Verhältnisse er[-]
fordern als Deine wackere Nachfolgerin eintreten
zu können. Wenn sie auch keinesweges selbst eine fertige
Clavierspielerin hinsichtlich auf Stücke ist, so wird sie
auch eine gute methodische Lehrerin sein;- die Nachricht
von der Zeit Deines Eintrittes ist mir wahrlich
hochwichtig, damit ich wegen des begründenden Per[-]
sonales das Wesentlichste besorgen kann; denn
die Zeit hat Flügel und ich muß ja auch auf
öffentliche Bekanntmachung denken; indem so
weit der Geist der Lebenseinigung mir jetzt das
Ganze zeigt alle Umstände günstig für meinen
großen Lebensplan in Vollständigkeit, Klarheit
u.s.w. auszuführen. Mit Treue D.Fr.Fr. /

[1R]
Mittwoch am 28 Febr am lichtklaren Nachmittage
----
Weil ich nicht fürchte, daß sich unsere Briefe durch[-]
kreuzen, sende ich Dir liebe Luise, diesen Brief
damit womöglich Alles zur Entscheidung vor Dir
liege; nach Keilhau darfst Du jedoch noch nicht Ge-
brauch davon machen; auch vom Ganzen nicht den min[-]
desten Gebrauch gegen Amalie Krügern; diese darf
durch nichts in ihrem Plane zu Fr[öbel] in die Schweiz zu
gehen auch nur von fern gestört werden.