Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <C. Peter> in <Hildburghausen> v. 28.2.1849 (Dresden)


F. an <C. Peter> in <Hildburghausen> v. 28.2.1849 (Dresden)
(Autograph nicht überliefert, dat. Brieffragment ohne Eingangs- und Schlussfloskel, kein Adressat, ed. KG 1893, 51-52; Editor nicht bekannt, mglw. E. Heerwart. Als Adressat käme Dr. C. Peter, Landschulinspektor in Hildburghausen in Frage. Für diese Zuordnung sprechen zwei Indizien, neben dem akademischen Grad („geschätzter Herr Doctor“) die Region („Ihrem schönen Werratal“). Die Edition selbst erhielt redaktionell den Titel: „Fröbels Plan zu seinen Erziehungsanstalten in Marienthal (Thüringen). Aus einem Briefe Fröbels aus Dresden 28.Februar 1849“. Seitenangaben nach der Edition.)

Besonders wichtig ist, daß wir dazu alle sich im Laufe der Ent-
wicklung, ja vielleicht jetzt schon darbietenden freien Räume, Häuser
beobachten; denn freien Raum und freie Räume fordert jede wahrhaft
großartige und lebenvoll, organisch gegliederte, vor allem eine
solche Erziehungsunternehmung, wie die als Zweck und Ziel in und vor
mir liegende, nun auch sich Ihrer geistvollen Teilnahme erfreuende,
ist,wie Ihnen ja dies aus der eigenen Anschauung des Fellenbergischen
Etablissements bekannt ist.
Was ich Ihnen jetzt noch zu Ihrer Einsicht in das Ganze über mein in
Frage stehendes Erzieh.[ungs]unternehmen aussprechen kann, besteht ungefähr
im folgenden.
Den Mittel- und in gewisser Beziehung den Ausgangspunkt des Ganzen,
die Wurzel und den Stamm des ganzen Erziehungsgewächses, Erziehungs-
baumes
, soll die Bildungsanstalt für Erzieherinnen (Kindergärtnerinnen,
Erziehungsgehilfinnen in Familien ec.) und für Erzieher (Vorsteher
von Kindergärten, Haus- und Privaterzieher, besonders auch für
Vorschüler zu Seminarien, begründende und Volksschullehrer ec .)
werden. Zur unerläßlich tatsächlichen Übung soll sich daran zunächst
ein allgemeiner Kindergarten anschließen, wenn Sie lieber wollen,
daraus entwickeln; aus diesem soll sich /
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für die Kinder vom 6. - 7.Jahre
eine Vorschule entfalten; diese Vorschule gedenke ich jedoch durch
Kinder von außerhalb herzustellen, welche mir zugleich als Zöglinge
anvertraut sind. Diese Vorschule soll sich dann zu einer wirklichen
Schule, einer Schule in dem (gewöhnlichen) engern Sinne ausbilden,
in sich selbst aber vielleicht wieder 3fach steigern, gleich den
Dignitäten und Potenzen in der Mathematik ec. etwa in Begründende
Schule
(Elementarschule, Volksschule ec.), in Bürgerschule und in eine
Schule 3ter Dignität, vielleicht am erfassendsten Realschule genannt;
einer möglichen weiteren Entwickelung [ist] zwar Raum gelassen, sie jedoch
jetzt noch nicht hervorgehoben.
Da nun aber wie der Zögling und die Erziehung sowohl als Erkenntnis-
wie als Ausübungsgegenstand, so auch die Unterrichts- wie Lehrgegen-
stände, Mittel und Weisen, eben von Erziehenden und Zöglingen, Lehrern
und Schülern, Meistern und Jüngern als ein organisches Lebensganze,
als ein Lebensbaum beachtet und behandelt und gemeinsam dem Ziele der
Vollkommenheit entgegengeführt und gebildet werden sollen, so weiß ich
diesem Ganzen aus dem jetzigen Bereiche der Sprachmasse keinen ent-
sprechenderen Namen als den einer Erziehungsakademie (eines erziehenden
Lebganzen, eines Erziehungsbaumes, einer erziehenden Gemeinsamkeit,
einer Erziehungsgemeinde) zu geben, worin alle Glieder, jedes nach
Maßgabe seiner Persönlichkeit, also Kraft und Einsicht, wie nach
seiner Stellung durch Tat und Wort, Beispiel und Spiegelbild zur
Erscheinung echter Erziehung und wahrhaft Erzogener wirksam ist.
Sehen Sie, mein teurer Freund, das ist ungefähr eine Andeutung des-
selben,was mir,was meinem Gemüt und Geiste als Lebenszweck und Ziel
vorliegt und zu dessen Verwirklichung ich wenigstens in Ihrem schönen
Werratale den Grund legen und mit Hilfe Ihrer herzlichen und treuen
Handbietung nach und nach und wenn auch nur zunächst im kleinen Raum
von einem kleinen Punkte aus, ausführen möchte. Sie sehen aber, hoch-
geschätzter Herr Doctor, wohl ein, daß nichts im Gebiete des mensch-
lichen Lebens weder in Hinsicht auf Wissenschaft noch in Hinsicht auf
Kunst ist,dessen Wurzeln nicht als die künftige gesunde Entwickelung
desselben bedingend in den Bereich dieses Lebenskreises fielen und
hier ihre beachtende wie entsprechende Entwickelung erhielten. ---