Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 13./15.4.1849 (Dresden)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 13./15.4.1849 (Dresden)
(BlM XXIII,45, Bl 174-178, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. Zum eigentlichen Brief v. 13.4./15.4.1849 [Bl 174-175] gehört eine Beilage mit einem Geburtstagsgruß zum 15.4.1849 [Bl 176-177] und ein aufgefalteter Umschlag [Bl 178]. Zum Geburtstagsgruß gibt es einen Entwurf in BN 441, Bl 6, 1 Bl 16° 2 S.)

a) Brieforiginal

Dresden, Liliengasse No 19. Am 13 Apr: 1849


Meine theure geliebte Luise.

Diesen Nachmitt[a]g habe ich nochmals Deinen jüng-
sten lieben Brief gelesen. Wie hast Du mich
doch in demselben durch Deine Äußerungen ü-
ber Lebenserscheinungen so vielfach hoch beglückt.
Gar viel Schönes, Liebes, Gutes und Wahres be-
sonders über unsern erziehenden Beruf und Dei-
ne jetzige Wirksamkeit hast Du mir in demselben
ausgesprochen, so daß ich unmöglich von dem Tage
scheiden kann ohne Dir meine Freude darüber und
meinen herzinnigen Dank dafür auszusprechen.
Wie erhebt mich der Gedanke recht bald nun mit
Dir geeint als Ein Wesen in Einer Liebe zu wirken;
wie sehnt sich meine Seele darnach. Aber meine
G. wie konntest Du nach einer so leicht hin gewor-
fenen Äußerung Henriettens hin das Zutrauen
zu meinem Worte so leicht verlieren und Deine
Frau Kammerherrin so schnell in die Trübung Deines
Gemüthes einführen und ihr so zu dem Gedan-
ken mindestens Veranlassung geben: Dein Fr[eu]nd
sei auch ein wandelvoller und unbeständiger
Mann wie so viele, meine Einzige, nein! nur /
[174R]
pflege und beachte ich gern das Leben in seiner All-
sei[ti]gkeit weil nemlich das Leben besonders jetzt in
so hohem Grade ein wechselndes ist.
Wie lebe ich doch schon seit so vielen Tagen die Freuden
Deines Lebensfestes mit Dir! Es thut mir recht Leid,
daß ich Laß die Erinnerung daran an nichts Werthvol-
leres knüpfen konnte, doch war und ist es mir doch sehr
lieb, daß mir die Reise dazu ein Bild des Ortes gab
wo unser einiges Wirken sich des einigen Gottesseegens
erfreuen soll.- Heut schlafe sanft, schlafe süß Du
Engel meines Lebens. Ich habe heut Morgen viel
mir Dir gelebt, und thue es mit sehnendem Gemüthe be-
sonders in diesen Tagen. Nochmals gute, gute Nacht! -

Am 15 April. Am Tage der mir das liebste Gottesge[-]
schenk brachte. Während der jüngsten Wochen und Tage
trage ich die Vorfeyer Deines Lebensfestes in mannich[-]
facher Form in mir; wie ich mit dankbarem Gedenken
desselben gestern zu Bett ging, in der Nacht damit er[-]
wachte und am Morgen im Gebet und Seegenswün[-]
schen für Dich aufstand und mich freuete Dir noch man-
cherlei Liebes und Gutes aus dem Leben zu sagen,
so bleibt mir jetzt durch des Lebens Drang kaum so
viel Zeit mit der Seelenbitte zu Dir zu kommen der
innigsten Lebenseinigung meiner mit Dir für jetzt
und immer wankellos gewiß zu seyn. Ich hatte mir
mancherley vorgenommen und gedacht woran ich meine /
[175]
Gesinnungen und Gefühle knüpfen wollte, allein
der strömende Fluß des Lebens hat mir nichts aus[-]
zuführen gestattet. Nimm nun gütig das einfache
Blümchen, als die Stellvertreterin von allem auf.
Ich habe es an einem unserer schönsten bisherigen Früh[-]
lingsnachmittage in der freundlichsten äußeren Gesell-
schaft z.B. unserer Henriette, der Rosalie u.s.w. im
innigsten inneren Gemeinleben mit Dir gebrochen; es
war eben im Aufbrechen; Du kennst die schöne busige
Form dieses Blümchens, es war in reiner Jungfräu[-]
lichen Schönheit Dein mir so liebes Bild, nimm es nun
gütig auf zur Erinnerung wie Du meine Einzige
bleibend in mir lebst, offen gestanden: schöneres
Deinem Bilde in mir Entsprechenderes und somit mir
Lieberes, ja Theureres weiß ich Dir heut nicht zu geben
als Dich - Dir selbst und - wenn Du mich dann auch
freundlich schauend und billig im Herzen trägst, so
nimm auch mich in und mit Dir,
Dein Friedrich Fröbel. /

[175R]
[leer] /
[176]
[aufgeklebte Krokusblüte]

Luise Levin. /
[176R]
[leer] /
[177]
Das Wesen u. Leben meiner theuern Luise
am Tage ihres Lebensfestes,
am 15' April 1849
im Bilde der eben in seiner freien Natur aufblühenden
weißen Crocus.


*

Klarheit u. Wahrheit, Einfachheit u. Bescheiden[-]
heit, Milde und Geschlossenheit in Wort
und That, in Wesen und Leben;
Treue, liebende Treue wurzelnd tief im Herzen
das Gold des Vertrauens, das Gold reiner Gottes-,
hoher Menschheits-, ächter Menschen-, warmer
Kindesliebe, das Gold sinniger Liebe der Na-
tur, als einer in sich einigen im Gemüthe;
Gläubiges Hoffen im Aufblühen auch in den
noch rauhen u. stürmischen, wechselvollen
Tagen des eben beginnenden Menschheitsfrüh-
lings, des wiederkehrenden Kindheitfrühlinges.-
So Dein Bild meine Luise heut in meinem Herzen.
DFrdFrFr. /
[177R]
[leer] /
[178]
[aufgefaltetes Umschlagblatt mit Adresse:]
Fräulein Luise Levin
Erzieherin im Hause des Herrn
Cammerherrn von Cossel
          in
frey      Rendsburg
     (Hollstein) /

b) Entwurf

[6]
Das Wesen und Leben sbild und
meiner geliebten Luise am Tage ihres Lebens[-]
festes am 15 Apr 1849.
im Bilde der eben aufblühenden weißen Crocus

Klarheit u Wahrheit Reinheit Einfachheit u Bescheidenheit
im Leben und Wesen in Wort u in That.
Treue, liebende Treue im Herzen
Das Gold des Vertrauens, das Gold reiner Gottes-, hoher reiner Menschheits[-],
Menschen- und Kindesliebe, das Gold sinniger Liebe der Natur
im Gemüthe
Erwartendes Gläubiges Hoffen im Aufblühen auch in den noch
rauhen u stürmischen, wechselvollen Tagen des eben
beginnenden Menschheitsfrühling Kindh im Frühling des Kind[-]
heit Leben[s].
So Dein Bild meine Luise heut in meinem Herzen
D.Frd.Fr.Fr.