Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Justus Amadeus Lecerf in Dresden v. 11.5.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Justus Amadeus Lecerf in Dresden v. 11.5.1849 (Bad Liebenstein)
(BN 536, Bl 3, Abschriftfragment 1 B 8° 2 S. Das 2. Blatt des Bogens ist leer und nicht foliiert.)

Bad Liebenstein bei Eisenach, am 11ten Mai 1849.

[Zusatz des Abschreibers*-*] [*] Brief an Herrn Lecerf, [von] Fr Fröbel [*]
Mein hochgeschätzter theurer Freund.

Wie könnte ich Ihnen die innigsten u. schmerzlichen Gefüh-
le der Trauer u. der Theilnahme schildern die mein Herz ganz
ergreifen, wenn ich des grausigen Geschickes gedenke, welches
mein u. unser liebes theures Dresden in den jüngsten
Tagen getroffen hat. Seit ich seit ein paar Tagen erst
klare Kunde davon habe, verläßt mich das Andenken die
seelenvolle Theilnahme an dem schönen Dresden u. an all
die lieben theuren Freunde daselbst auch nicht einen Augenblick.
Sobald ich mein Denken u. Fühlen sich selbst überlasse u. bald
darauf wieder zurü[c]kkehre, finde ich mich in dem lieben Dres-
den u. unter den Freunden[.] - Wie könnte es auch anders
sein?-!- Möchte ich nun recht bald wenigstens von
einem der lieben Freunde Nachricht erhalten wie es ihm
u. jedem der Uebrigen steht [sc.: geht].- Was man aus öffent-
lichen Blättern mag so hoffe ich zu Gott wohl zu übertrei-
ben, dennoch aber fürchte ich für das Leben des einen oder
andern unserer Freunde; deshalb werde ich mich glücklich
schätzen, sollte ich durch ihre Güte oder die Ihrer Frau
Gema[h]lin etwas von Ihnen u. den übrigen Freunden
hören. Hier in Liebenstein lebt man in der tiefsten Ruhe
kaum hört man von dem Etwas was die Welt jetzt bewegt.
Wie daher in größeren Lebensmeer nun auch tobt, so le-
be ich ernst u. an unausgesetzt der Verwirklichung des Lebens-
planes welcher mich hierher geführt hat; in Dresden wird
dagegen wie sich dies ja leicht einsehen läßt, für jetzt Al-
les in fernen Hintergrund getreten sein; jedoch wird es
für Sie nicht unwichtig sein durch mich zu hören, welchen Er-
folg meine Besprechung in Weißenfels gehabt hat.
[*Lücke im Text mit Querlinien, die darauf hinzudeuten scheint, daß die Abschrift nicht vollständig ist, es sich also um ein Abschriftfragment handelt.*]
Nach Geschäften will ich gar nicht fragen; denn Alles /
[3R]
liegt wohl jetzt darnieder. Leider erfahre ich hier gar
nichts von dem jetzigen Stande der Dinge in Dresden;
ist es möglich so theilen Sie mir auch etwas davon mit.
Lassen Ihnen die Begegnisse Dresdens wohl etwas Zeit für
Mittheilungen von uns?- Der Kreis besteht bis jetzt nur
noch aus mir, Frau Herold, Fräul. Emilie Stieler, Frl. Emma
Bothmann
aus Fulda u. meinem Großneffen Wilhelm
Middendorff
, welcher sich ganz der Erziehung zu widmen
gedenkt. Die Uebrigen erwarte ich in der Kürze, wie H.
Krell, theils in 8 Tagen theils aber auch noch später.
Wir wohnen in dem Gebäude der herzoglichen Domaine,
meine Wohnzimmer gehen ins Grüne, wie auch mit Aussicht
in die Ferne. Vorläufige Beschäftigungen haben schon
mit meinen Schülerinnen begonnen. Die volle Thätigkeit
wird anfangen so bald meine Großnichte Henriette Brey-
mann
eintreten wird, welches wie ich hoffe, noch im Lau-
fe dieser Woche geschieht. Nach deren Eintritt sollen Sie
u. überhaupt die theuren Dresdner klare Kunde von mei-
ner hiesigen Wirksamkeit erhalten, wenn Ihnen anders
die Zeitereignisse dazu eine freie Stunde der Beachtung
gestatten.
Würden wir dagegen früher noch einige Nachricht von dem
Stande der Dinge in Dresden von Ihnen oder Ihrer
hochverehrten l. Gattin erhalten können, so würden wir
alle, welche sie beiderseits hochachtend u. dankbar grüßen:
Fr. Herold, Frl. Emilie u. ich, dadurch unser, jetzt größtes, Seh-
nen gestillt sehen.
Die Beilage haben Sie wohl die Güte durch Ihr Mädchen
abgeben zu lassen.
Daß ich Ihnen diesen Brief ohne Frankatur sende, des-
halb muß ich um besondere Nachsicht [bitten]; ich thue es jedoch,
um möglichst gewiß zu sein, daß mein Brief bei Ihnen
eintreffe. Bitte senden Sie mir den Ihrigen dagegen
auch unfrei.
Ihrem beiderseitigen gütigen Wohlwollen empfehle ich
mich in Liebe u. Hochachtung ergebenst
Friedrich Fröbel.