Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Richard Krell in <Hildburghausen> v. 12.5.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Richard Krell in <Hildburghausen> v. 12.5.1849 (Bad Liebenstein)
(BlM XXVII,6,5, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Bad Liebenstein bei Meiningen am 12 Mai 1849. Abends


Lieber Herr Krell.

Auf den Inhalt Ihres so eben empfangenen Briefes aus
Hildburghausen vom 10en d. vollständig schriftlich beant-
wortend einzugehen, ist wirklich etwas schwierig denn
dann wäre so viel zu besprechen daß es wenigstens mir
für einen Brief fast zu lang ist, deßhalb muß ich Sie
gar sehr bitten Ihren Vorsatz: persönlich hierher zu
kommen möglichst bald auszuführen; denn daß Sie diesen
Vorsatz in sich tragen müssen geht mir aus dem Ausspruch
in Ihrem Brief hervor.- "Doch hierüber mündlich
mehr."
Also nochmals machen Sie dieß möglichst bald wahr,
denn aufrichtig gestanden ich verstehe die Stelle in Ihrem
Briefe nicht in welcher Sie sagen: - "Ich glaube auch in
dieser schwierigen Periode, wo man tagtäglich der Ge-
fahr ausgesetzt ist, daß um uns förmlich Revolution
ausbrechen kann werden Sie weniger musikalische Hül-
fe nöthig haben." Diese Gefahr umgiebt uns immer und wird
uns noch lange umgeben hätte ich dieser Gefahr Raum geben wol-
len hätte ich gar nicht nach Dresden gehen f dürfen. Jetzt habe ich
mich aber eben an einen Ort hinbegeben wo eine zu fürchtende
Revolution gewiß am spätesten wenigstens in ihren graußi-
gen Seiten eintreten wird, wohin sich also gewiß auch
bald Eltern mit ihren Kindern flüchten werden, welche es
freuen wird an diesem Orte beziehungsweisen Friedens
auch entwickelnd-erziehende Pflege für ihre Kinder zu fin-
den, wie wenigstens das erstere hier schon der Fall ist
indem schon zwei Familien mit ihren Kindern hier sind[.]
Also erstlich ist schon von dieser Seite her mein Vorsatz ganz /
[1R]
fest hier einen vollständigen und musterhaften Kindergar-
ten auszuführen; diesen bedarf ich aber auch nach der an-
deren Seite hin ganz nöthig nemlich als Übungsanstalt
für meine Schülerinnen, denn ebenso fest wie die Ausfüh[-]
rung eines Kindergartens, steht der Vorsatz zur Ausfüh-
rung der Bildungsanstalt für Erzieherinnen und Kinder-
gärtnerinnen. Nun aber wissen Sie, daß für diese die
Gesangsübungen unerlässlich und wesentlich sind; da nun
außer der Frau Herold, die blos ihren begonnenen Bildungs-
cursus vollendet, auch noch mein Großneffe, der Sohn des
Herrn Middendorff
in Keilhau, auch weiter Frl. Emma
Bothmann
aus Fulda als Theilnehmerin des neuen Cursus
welchen auch abermals Henriette Breymann theilen wird,
hinzutreten wird, so sehen Sie wie nothwendig mir mu-
sikalische Unterstützung ist, schon in dieser Beziehung; doch
Sie wissen, welches Literarisches Unternehmen wir haben
wozu ich auch der musikalischen Unterstützung bedarf[.]
Ich freue mich also am Schlusse Ihres Briefes jetzt
zu lesen was ich beim Beginn des meinen übersehen
hatte: - "Höchstens künftigen Mittwoch sehe ich Sie!"
Nochmals führen Sie ja diesen Vorsatz aus; denn ich be-
darf auch meines Rockes und meiner Stiefel, welche
ja in ihrer [sc.: Ihrer] Lade sind.-
Hinsichtlich eines Instrumentes wird sich die Sache, wenig-
stens leihweise, leicht machen, denn hier ist auch ein Instru-
mentenmacher welcher mir ein für unsern Zweck recht
taugliches Leihweise ablassen will.
Herrn u Frau Heine grüßen Sie herzlich, ersterem sagen
Sie daß ich mich gar sehr über sein liebliches "Muttergebet"
freue.-
Also bald hofft Sie hier persönlich zu begrüßen Ihr Fröbel