Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Herzogliche Staatsministerium, Abteilung für die Finanzen, in Meiningen v. 14.5.1849 (Meiningen)


F. an das Herzogliche Staatsministerium, Abteilung für die Finanzen, in Meiningen v. 14.5.1849 (Meiningen)
(BN 727, Bl 6-7, dat. Briefentwurf 1 B fol. 3 S.)

Meiningen am 14 Mai 1849.

An das Herzogliche Staatsministerium
Abtheilung für die Finanzen
zu
Meiningen
Dem herzoglichen hohen Staatsministerium
Abtheilung für die Finanzen ist es bekannt
wie es für meine Erziehungsunternehmungen-
deren Zweck un[d] Umfang ich mir erlaubte
Sr Herzogl. Durchlaucht Hoheit dem Herrn
Herzoge in einer schriftl[ichen] Eingabe am 8en Aprill d. J. ehrfu vertrauensvoll
schne vorzulegen - mir wünschenswerth ist das soge-
nannte Fischersche Haus zu Liebenstein zur
Ausführ[un]g einer Kinderpflegeanstalt - (von
mir wegen des darin auszuführenden entwickelnd
erziehenden Bildu[n]gsgrundsatzes - "Kindergarten["]
genannt,) als Muster- und Übu[n]gsanstalt für
die durch mich zu bildenden Erziehugsgehülfinnen
Erzieherinnen u Vorsteherinnen genannter Anstalten
miethweise zunächst wenigstens auf ein
Jahr unter den durch die Umstände
sich herausstellenden Bedi[ng]u[n]gen zu erhalten[.]
Ich habe deshalb auch, nach dem mir angedeu-
teten Geschäftsgange, mir erlaubt gegen das Ende
vorigen Monats mit gleichem Gesuche von Dresden
aus schriftlich bei herzoglicher Badedirection
von Liebenstein zu Salzu[n]g[en], schri mit gleichem Ge-
suche schriftlich einzukommen. Von welcher Behörde
mir den[n] vor drei Tagen das mündliche Bescheid
wurde, daß von derselben mein Gesuch hohem
Staatsministern Abtheil[un]g für die Finanzen
mein Gesuch im Original als Beylage eines
desfallsigen Berichtes mitgetheilt worden
sey, daß der Erfüll[un]g meines Gesuches aber
ein Dreifaches entgegenstehe
erstl[ich] zwey Concurrenten der Einmiethung irre
ich nicht einer Wäscherin Ihrer Hoheit der Fr <Herzogl>
Ida
eines Journalisten aus Berlin, welcher in
dem selben in Frage stehenden Hause ein Lesecabinet ein-
zurichten gedachte zwischen welchen u mir das Gesuch der erster[n]
und dessen Erfüllu[n]g das für sich sahe daß die Bittsteller am wenigsten
bauliche Herstell[un]g fordern, daß daher
zweytens die Erfüll[un]g meines Gesuches der Schein
einer dem Staate daraus später erwachsende Last hinsichtl[ich] der
baulichen Herstell[un]g erwachsen könne
endl[ich] aber /
[6R]
drittens der Wunsch u Antrag des Herzogl[ichen]
Baurathes welcher zunächst wünsche das Ge-
bäude wegen seiner ganz wie er meint gänzl[ichen]
Untauglichkeit zur Herstell[un]g ganz abzureißen
um einmal zuförderst das Baumaterial
weiter zu benutzen, dann aber auch in der
Hoff[n]u[n]g auf dieselbe Stelle später im Interesse
des Bades eine neues Gebäude auszuführen.
Das Herzogl[iche] hohe Staatsministerium ersuche
ich nun vertrauen ganz ergebenst die in all diesen Beziehungen von mir der Herz[og]l[ichen]
Bäderdirection resp. Herrn Oberamtmann von
Mannsbach
mündlich gegebene Erkläru[n]g hier
nochmals schriftlich wiederholen zu dürfen.
Was nun erstlich, wie es mir scheint und auch so hingestellt wurde den Hauptpunkt betrifft nemlich
nemlich [2x] den baulichen Zustand und die Herstell[un]g
[des] gebäudes, so ist derselbe nach mei[ne]m, Augenschein und
auch nach dem Urtheile anderer doch noch nicht so [schlecht], [so]daß er
eine Reparatur auf ein Jahr mindestens noch mögl[ich]
macht. Nach dem Ergebniß u Erfah[ru]ngen eines Jahres
es aber (wenn es sich dann noch als als das Beste herausstellen sollte) es ja
immer noch unbenommen ist, den Vorschlag
des Herrn Baurathes auszuführen; es aber für
das Ganze und selbst in reinem Interesse des
<eigentlich[en]> Bades und der allseitigen Befriedigung der namentl[ich] der dasselbe
selbst mit ihren jungen Kindern besuchenden Badegästen
<nun> immer sehr wünschenswerth sey erscheint vom gänzl[ichen] Abreißen oder
anderweitigen Vermiethung erst jenen Erfolg und die
Erfahr[un]gen eines Jahres abzuwarten.
Was nun aber zweitens die Kosten dieser
Herstell[un]g betrif[f]t, so erkläre ich hiermit wieder[-]
kehrend u unwiderruflich, daß ich mich verbindl[ich]
mache die Herstell[un]g des Fischerschen Hauses
in wohnlichen Stand ganz auf meine Kosten zu
und in der Weise zu besorgen daß das Gebäude
dadurch nicht das mindeste in seiner anderweitigen
Brauchbarkeit verliere wenn nach Verlauf
des gedachten ersten Miethsjahres und des
sich nicht befriedigenden Erfolges sich das hohe
Staatsministerium Abteil[ung] für die Finanzen
g bestimmt finden sollte über den ferneren Gebrauch
des Gebäudes anderweitig zu verfügen[.]
Auf diesen Fall erkläre ich nun drittens
daß ich unter gar keinen Titel u Vorwand
auf irgend einen Ersatz dieser von mir
aufgewandten Herstell[un]gs[-] und Baukosten /
[7]
weder im Ganzen noch irgend im Einzelnen
Anspruch mache, wenn es selbst dem das
hohe Staatsministerium nicht überzeugt werden
könne, der weiteren Ausbild[un]g des Ganzen
das Gebäude u.s.w. auf anderweitig
zu bestimmende Zeit zu überlassen.
Endlich viertens erkläre ich mich viertens
geneigt selbst auf dieses Jahr außer die den
ge wie ausge im vorigen festgesetzten Bestimmungen
selbst auf dieses erste Jahr <noch> eine billige
Hausmiethe an die betreffende Stelle zu
entrichten wie ich mich für die [bricht ab]
In der Hoff[nun]g vertrauensvollen Erwartung nun <u> daß <ein> Herzogl[iches] hohe[s] Ministerium
abtheil[un]g für die Finanzen sich geneigt finden sollte die
dargelegten A von mir übernommenen Verbindlichkeiten
Ihren Forder[un]gen entsprechen[d] genügend zu finden außer
dem aber die Durchfüh[ru]ng meines Unternehmens
<und> hinsichtl[ich] des damit verbunden[en] Industriellen Ergebnisses
mehrfach für Liebenstein und dessen Umgebung
förderlich zu erkennen erlaube ich mir
vertrauensvoll mein ergebenstes Gesuch
mir das sogenannte Fischersche Haus nebst
dazugehörigen Hof Garten u Feldraum unter
dem im vorstehenden klar bey ausgesprochenen
Feststell[un]g mir auf ein Jahr geneigtenst
miethweise zu überlas[s]en
nochmals zur Prüfung u gütigen Erfüllung einem
hohen Staatsministerium Abtheil[ung] für die Finanzen
vorzulegen.
Hinsichtl[ich] der von dem Her[zo]gl[ichen] Gärtner vielleicht
schon vorgenom[menen] Bodenverbess[erun]g des Gartens hoffe
ich mich durch entsprechende Vergüt[un]g mit demselben
abzufinden.
Nur noch um baldigste Erled[igun]g der
betreffenden Frage geziemend bittend
unterzeichne ich mich mit ausgezeichnet[e]r
u wahr[er] Hochacht[un]g
des Herzogl Hohen Staat[s]m[inisterium]
       Abth[eilung für die Finanzen]
ganz ergebenster

Fried[rich] Fröb[el]

(wohn[haft] in Liebenstein auf dem
Herz[ogl] Domän[en] Gute daselbst)