Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 24.5.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 24.5.1849 (Bad Liebenstein)
(BlM XXIII,54, Bl 208-209, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. - In BlM werden die Briefe v. 20.5. u. v. 24.5.1849 an Luise als ein Stück geführt. Aus dem Brief v. 24.5. geht aber hervor, daß es sich um einen eigenen Brief handelt, auf den "letzten" v. 20.5. wird inhaltlich angespielt.)

Bad Liebenstein im Meiningschen am 24 Mai 1849.
Guten, guten Abend meine liebe Luise nach einem
herrlich[en] Sonnen[-] und einem lieblichen Mondesunter-
gang, oder vielmehr Niederschweben. Hast Du
diese beiden herrlichen Naturschauspiele auch beachtend,
und genießend der Dich lieben in Dir durchlebt?-
O, es war schön, wie der Mond in seiner nur erst sichel-
artigen Erleuchtung dennoch am Himmel als vollkom-
mene Kugel erschien, leicht und leis dahin schwe-
bend im ewigen Äther. Schwebte doch unsere Seele
unser Geist im Bewußtseyn des Göttlichen in Allem
auch so leicht und leis in seinem geistigen Lebensäther dahin.
- Warum Du heut schon wieder diese Zeilen von mir
erhältst fragst Du wohl?- Weil ich mich in meinem
letztern Briefe an Dich über eine Sache ausgespro-
chen habe, die ich eben nicht verstehe - nemlich über
Frauenanzug; ich aber nicht wünsche, daß Dir durch
jene Unkunde meiner, auch nur eine leichte Miß[-]
stimmung komme, so will ich meinen unstatthaften
Übergriff in ein mir fremdes Gebiet, gestehen und
diesen Übergriff dadurch wieder aufheben, daß /
[208R]
ich Dir die Wahl des Stoffes für das in Frage steh-
ende Kleid völlig frey gebe; kann[st] und willst
Du dagegen auf die Farbe, ein schönes reines
Blau, Rücksicht nehmen so soll es mich freuen.
Ich habe nemlich gehört - was ich wirklich nicht
eben wußte; daß ihr [sc.: Ihr] Frauen Euch gern in
Seide kleidet; und - was Dir Freude macht
erhalte ich ja vielfach als mir Freude bringend
zurück; warum sollte ich mich darum durch
eine unstatthafte Bestimmung u Beschränkung
selbst berauben, Deine Wahl ist also wieder
ganz frey. Die früher schon errechnete Summe
für Dich bei Herrn Hoffmann für Dich angewiesen
(17½ rth) wird wohl zum Kleide genügen; wo nicht
so habe ich heut an Allwina eine Rechnung über
früher an sie abgesandte Spiel- u Beschäftigungs[-]
Mittel in Betrag von rth 31 - 12 Sgr gesandt.
Hiervon wird auch im Laufe des nächsten Monats
das Meiste gezahlt werden und alles davon ein[-]
gesand[t]e steht auch zu Deiner Verfügung; so daß
Du dadurch Deine noch übrigen Bedürfnisse und /
[209]
Reiseunkosten wirst bestreiten können, wo
nicht, so schreibe mir zu rechter Zeit damit ich
das Nöthige besorge. Diese ganze ökonomi-
sche und Geldangelegenheit hast Du in dem an-
gegebenen Bereich ganz mit Allwina ab-
zumachen.
Ich komme in meinen Lebensbetrachtungen in mir
viel auf Deinen Bruder in Elbing und auf den
Dir und ihn [sc.: ihm] gemachten Vorschlag der Übernahme
der Buchhändler- und Industriellen Geschäfte
unserer Erziehungsunternehmung zurück; ich
muß auch nemlich in mir [mich] immer mehr über-
zeugen, daß es zum Wohle Deines Bruders wie
zum Wohle unserer und des Ganzen sey; wenn
wenigstens zunächst Dein Bruder prüfend dar[-]
auf eingehe. Es ist mir nun jüngst noch ein an-
derer Gedanke gekommen. Unsere Beschäfti-
gungsmittel, das weiß ich - sagen den Ameri-
kanern zu weil sie praktisch sind und gleich
zu einem Ergebniß führen. Ihr habt einen
Bruder in Amerika; der irre ich nicht, jetzt eine /
[209R]
Art Commissionär in Philadelphia ist; durch diesen
könnten wir uns vielleicht einen Markt für
unsere Kinderbeschäftigungs- und Spielmittel
in Amerika eröffnen.- Ich hielt es für meine
Pflicht auf diesen Gegenstand zurück zu kommen,
denn ein gutes Unternehmen muß zum Wohl
und Heile aller dabei Beschäftigten seyn.-
Dieß ist der einfachste Prüfstein jeder wahr-
haft guten Sache bei welcher sich Mehrere be-
thätigen. Überlegt Euch nun ernstlich die
Sache, sie ist wie vielseitig so besonders
um der Kinder willen wichtig.-
- Habt ihr am 21n dieses also verflossenen
Montag auch einen so herrlichen Frühlingstag
und so vergnüglich schönen Sonnenuntergange
gehabt?- Ich habe dabei viel Deiner ge-
dacht und mit der scheidenden Sonne Dir gute,
gute Nacht gesagt.
Auch jetzt wieder Dir gute Nacht; morgen
früh Dir und Deinen lieben Kindern einen
schönen freundlichen Tag. DFrFr.