Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 6.6.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 6.6.1849 (Bad Liebenstein)
(BlM XXIII,58, Bl 222-223, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. - Mit "Nordheim" 222R ist das heutige "Northeim" im Südosten Niedersachsens gemeint.)

Bad Liebenstein am 6 Juny 49. Abends spät.


Mein liebes, reines Leben.

Du wünschest umgehend Antwort auf Deinen lieben
herzigen Brief welchen ich heut Abends empfing.
Gern gebe ich Sie [sc.: sie] Dir nur mußt Du nicht übel-
deuten wenn sie kurz, sehr kurz ist. Erstlich hät-
te ich sehr gewünscht Deinen lieben Brief gestern
also 24 Stunden früher zu erhalten, denn erst
heut früh sandte ich meinen, selbst um einen Tag
verspäteten Brief an Dich ab. Doch nun gleich die
Hauptsache: wie ich Dir zu Deinem Pathchen Gottes
Seegen wünsche, so wird es mich freuen, wenn
Du es selbst über die Taufe hältst; also reise
in Gottes Namen über Osterode und grüße
mir aus reinem Herzen all Deine lieben Ver[-]
wandten Deinem Bruder, Deiner Schwägerin wünsche
aber besonders Glück. Wie und wann Du Deine
Rückreise von Osterode aus antreten willst
mußt Du nun mir freilich bald bestimmen.
Solltest Du Freitags den 29 von Rend[s]burg abreisen
so könntest Du - da Allwina nicht in Hamburg ist -
Sonntag den 1 Jul in Osterode und an diesem
Tage Tauftag seyn. Nach Deinem Gefallen
kannst Du nun 2-3 Tage in Osterode bleiben /
[222R]
also vielleicht bis Mittwoch den 4n July früh.
Die Rückreise selbst glaube ich machst Du am besten
über Nordheim, Göttingen, Heiligenstadt
Mühlhausen, Langensalza, Gotha, Eisenach,
erstere Stationen mit der Post, letzte mit der Eisenb[a]hn[.]
Ich weiß nun nicht ob es möglich ist von Osterode
auf der angegebenen Ruthe [sc.: Route] in einem Tage bis nach
Eisenach zu kommen. Wäre dieß so, würdest Du
am 4n Jul. Abends 7½ Uhr mit dem Gothaschen
Bahnenzuge in Eisenach eintreffen und dort
würdest Du mich oder einen Brief finden.
Bitte schreibe mir nun so bald Du kannst wie
Du die Reise zu machen und wann Du sicher dort
einzutreffen gedenkst; Du hast ja diese Tour
schon gemacht. Ungern würde ich Dich in Eisenach
(im Thüringer Hofe) verfehlen. Auch kommt es nun
auf einen oder 2 Tage nicht an.
Hier wirst Du Henrietten, die schon hier ist finden,
und auch die schon seit 4 Wochen hier anwesende
Frl. Emma Bothmann aus Fulda. Wie viele
dann noch eintreten werden weiß ich nicht.
Du wirst aber hier nicht die 2e sondern wie es
in Wahrheit ist die erste unseres Kreise[s] und die
Mitte des Ganzen in jeder Beziehung auch äußerlich
seyn Du bist mir und uns Hausfrau, u[n]d Mutter des G[an]zen[.] /
[233]
Daß Dir Allwina nur von Rth 17½ schreibt wun-
dert mich sehr, denn wie Dir mein voriger Brief
sagt, sandte ich zu unmittelbaren Absatz an
Beit, an Hoffmann und an Lütkens für 33 rth
Beschäftigungsmittel; frage doch bei Allwinen an
ob diese Sendung, von Dresden am 2 oder 3 Mai ab-
gesandt bei ihr angekommen ist und ob vielles [sc.: vieles] davon
an Beit, Hoffmann und Lütkens abgesetzt und
das Geld dafür eingegangen ist. Sonst ist es mir
auch ganz recht wenn Du den Ankauf des Kleides
bis nach Eisenach versparst. Jorns, Dein Lands[-]
mann hat sehr schöne Auswahl.
Allwinens anhaltende Krankheit scheint die
Geldangelegenheit etwas gestört zu haben. Du kannst
Dich auch directe an Herrn Hrich Hoffmann, Vor-
steher eines Kindergartens wohnend auf dem
Grindelhof wegen Einsendung des Geldes an Dich
wenden. Die 6 rth welche Du Allwinen schuldest
kannst Du schon noch schuldig bleiben, denn sie hat
und bekommt den Werth u die Zahl[u]ng immer wieder
in die Hand.
Nun wüßte ich nichts Wesentliches mehr zu bemerken
ich bin aber auch gar sehr müde - das g[an]ze Pfingst[-]
fest habe ich hier gefeyert.
Dein treuer Friedrich. /
[223R]
[leer]