Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Richard Krell in <Hildburghausen / Mengersgereuth> v. 9.6.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Richard Krell in <Hildburghausen / Mengersgereuth> v. 9.6.1849 (Bad Liebenstein)
(BlM XXVII,6,6, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. - Adressatort: Dem Briefschluß zufolge scheint sich Krell nicht (mehr) in Keilhau / Blankenburg aufzuhalten, vielleicht ist er wieder in Mengersgereuth oder noch in Hildburghausen, von wo er lt. F.-Brief an Krell v. 12.5.1849 am 10.5.1849 einen Brief an F. schreibt.)

Bad Liebenstein bei Salzungen am 9 Juny 1849.


Lieber Herr Krell.

Beikommend empfangen Sie zunächst drei Briefe welche seit
Ihrer Abreise von hier, durch Briefbeischluß, für Sie hier ein-
gegangen sind. Sie heißen alle drei Frankenberg und Sie sehen
daraus wie gut Sie in dieser ganzen Familie angeschrieben stehen.
Aber auch von anderen Dresdner Schülerinnen u Schülern von welchen ich
Briefe erhalte, wird Ihrer jederzeit freundlich gedacht. Ich wünsche
und fürchte aber auch nicht, daß Sie dieß zu gering achten, es
ist immer eine schöne Mitgabe für das Leben von den Menschen
geachtet zu seyn und in sich das Bewußtseyn zu tragen, diese Ach-
tung sich auch erworben zu haben. Ich wünsche und hoffe dagegen
daß diese Achtung Ihnen empfinden läßt: es ist doch ein hohes Lebens[-]
geschenk unter mehr gebildeten und in der Bildung weiter strebenden
Menschen zu lernen.- Der Gegenstand welchen Frau Fran-
kenberg in ihrem Briefe erwähnt ist erörtert; das Bettzeug
lag in der unteren Schublade des Kleiderschrankes und war
ohne Zweifel noch nicht bemerkt worden.
Wie aus Dresden steigend gute Nachrichten eingehen, so
fängt auch hier allmählig das Leben sich zu entwickeln und zu
gestalten an.- Von unsern Bekannten ist nur Dr Herz ver-
haftet, auch schreibt mir Dr Marquart, daß er nach Umstän-
den gut behandelt u sogar nun mehr die Erlaubniß erhalten
haben wird Besuche zu nehmen und Schreiben zu dürfen.
Dr Marquart schreibt besonders sehr zufrieden mit [sc.: über] seinem
Kindergarten, er hat schon 15 Kinder. Frankenbergs Kinder
waren schon wieder bis auf vier zusammen; und der Fr 
Dr Herz Volkskindergarten hat auch schon wieder seinen An-
fang genommen; wie der Fortgang ist, davon habe ich noch
nichts gehört. Von Hiehle, Ritz, Perthen, Lehmann habe ich
persönlich gar nichts, sondern nur von Anders [sc.: Andern] gehört, daß
es ihnen gut geht. Gerber soll in Sonnenberg seyn, wo Sie ihn /
[1R]
ohne Zweifel schon gesprochen haben werden. Frl. Henriette
Dahlenkamp
soll ihren Kindergarten am ersten dieses Monats
in Leipzig eröffnet haben.- Auch von Herrn Hoffmann
in Hamburg höre ich Gutes, auch er hat am dritten dieses
Monats seinen Kindergarten eröffnet. Frl. Christiane
Erdmann
ist als Kindergärtnerin und Führerin seiner
Anstalt zu ihm gegangen und dagegen Frau Herold an
deren Stelle nach Gotha; auch von dieser habe ich ein paar
zufriedene Zeilen erhalten.- Heut vor 8 Tagen ist auch
Frl. Emilie Stieler zum Antritt ihrer neuen Wirksamkeit
von hier nach Rudolstadt abgereist. Sie wird solche ohne
Zweifel nun auch schon begonnen haben. Henriette, Emma u.
ich haben sie bis Eisenach begleitet, und von dort ist erstere und
ich mit Emma zu deren Bekannten in einem hessischen Dorfe
gereist; Wir Henriette u. ich sind jedoch schon Montags, Emma
dagegen erst Mittwochs zurück gekehrt.
Auch mancherlei Besuch habe ich gehabt so haben mich
die Eltern von Emma Habicht besucht; auch habe ich schon
zweimal sehr förderlichen Besuch aus Hamburg gehabt.
Von Hamburg höre ich ausgezeichnetes Gute[s]; dort scheint
jetzt die Idee am lebenvollsten und besonders zur Verall-
gemeinerung und Einführung ins Leben und zwar in die
Masse des Volkes, des Bürgerstandes bearbeitet zu
werden.- Es hat sich ein Frauenverein, welcher 60 Frau-
en und Jungfrauen zählt daselbst gebildet, welcher sich die
thätigste Förderung der Sache zur Aufgabe stellt.
Ein großer Bildungscursus und sehr ausführliche Vorträge
werden in Hamburg vorbereitet an welchen beiden wie es
scheint gegen 150 Personen Antheil nehmen werden. Da
kommt uns nun die Herausgabe unserer Baulieder recht zu
statten. Doch davon nachher.-
Aber auch hier ordnet sich das Ganze immer mehr zusammen:
wir haben jetzt täglich festbestimmt 2 mal Spiel- und Beschäfti- /
[2]
gungsstunde, Vormittags von 11-12 und Nachmittags von 5-6.
Sie sind jetzt gewöhnlich von 20 Kindern, jedoch noch sehr verschie-
denen Alters besucht; denn auch die schon in die Schule gehenden
Kinder freuen sich der frohen Spiele, und zu den Bewegungsspie[-]
len haben wir einen sehr schönen Anger: Ich glaube ich habe
Ihnen, als Sie hier waren den Platz gezeigt; Fräulein Breymann
und Frl. Bothmann spielen wacker mit. Abends Nachmittags von 5-6 spielen wir
im Freyen, Vormittags von 11-12 im Zimmer.
Da ist es nun sehr gut, daß wir das Instrument haben und daß
Frl. Bothmann wenigstens die Melodie vorspielen kann. Hier[-]
bei hat sich aber ein neuer Mangel, ein neues Bedürfniß fühl-
bar gemacht, das ist die Clavierbegleitung zu den Melodien.
Ja, lieber Herr Krell, das sehe ich, das ist nöthig wir müssen für
diejenigen Kindergärtnerinnen und für die Familien, welche
ein wenig mit dem Clavier bekannt sind nothwendig, und
so vor Allem zu unsern Handgebrauch eine Bearbeitung
aller unserer Spiele d.h. der Liedchen u Gesänge dazu, mit
Clavierbegleitung vornehmen. Machen Sie sich recht bald da-
rüber und besuchen Sie uns recht bald und bringen Sie dann
schon einige mit.- Überhaupt müssen Sie uns recht bald ein[-]
mal besuchen; Henriette Breymann freut sich sehr darauf und
S sie wird gewiß die Zeit Ihres Hierseyns besser als früher
benutzen. Auch sollen Sie schon Arbeit bekommen. Den 15en
dieses Monats kommen 2, 20zig jährige Zwillingsschwestern aus
Königsbrück hinter Dresden, von welchen ich Gutes höre.
Noch einige Andere werden dann auch bald eintreten. Gegen
den 5-6 July wird Frl. Luise Levin kommen. Sie schreibt
mir, daß sie sich freue Sie hier zu finden; Frl. Rosalie Rhrd [sc.: Reinhard]
wird uns gegen den 20n dieses auch besuchen, um von hier nach Rend[s]burg zu
gehen.- Frl. Amalie Mattfeld gedenkt auch noch längere Zeit hier
zu leben ehe sie nach Hamburg geht. Es wäre darum recht schön
lieber Herr Krell wenn Sie vielleicht heut in 8 Tagen uns besuchen
würden; wir wollen dann ein kleines Dresdner Erinnerungsfest /
[2R]
in einer unserer nächsten schönen Gegenden vielleicht auf dem In-
selsberg begehen; Zum Willkommen der beiden Zwillingsschwestern
und zum Abschiede der Frl. Rhrd.
Hat Ihnen Frankenberg Einladungen zur Subscription auf
das Bild übersandt? - oder ist es Ihnen so gelungen einige Unter[-]
zeichnungen zu erhalten?- Wenn dieses ist so bitte ich Sie solche
bald nach Dresden einzusenden, damit der Stich beginnen kann,
wenn die nöthige Anzahl von Unterzeichnungen beisammen ist.-
Da sich jetzt wieder ein so schöner Jungfrauenkreis zusammen
findet, so wäre es schön wenn sich Ihre Verwandte in Kalten-
Nordheim noch zur Theilnahme verstände, denn schwerlich möch-
te ich nächsten Winter hier in Liebenstein einen Cursus geben.
Grüßen Sie Ihren Vater und sonst diejenigen unter Ihren
Freunden welche zugleich auch die meinen sind. Laden Sie
Herrn Gerber auch nach Liebenstein - ich sagte gern zu mir
ein, wenn ich nicht wie Sie wissen sehr eng wohnte. Allein
Ihnen will ich doch sagen, damit Sie weniger Anstand nehmen
mich zu besuchen, daß wir jetzt immer mehr unsere eigene
Wirthschaft einrichten, so auch schon ganz einfach auf meinem
Zimmer speisen.
Nun leben Sie wohl, lieber Herr Krell, Sie sehen aus die[-]
sem langen Briefe, daß ich Sie noch immer als ein lebendiges
Glied unseres ganzes Kreise[s] achte und pflege.
Also entweder brieflich oder persönlich erwarte ich Sie
bald bei uns, bey bei mir einsprechend.
I.Frd.Fr.Fr.

NS. Ich sende Ihnen diesen
Brief unfrankirt, da[-]
mit derselbe sicher in Ihre
Hände komme.-