Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 17.6.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 17.6.1849 (Bad Liebenstein)
(BlM XXIII,61, Bl 234-235, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Bad Liebenstein am 17en Juli Juni Abends spät.


Geliebte Luise.

Dieß ist nun wohl der letzte Brief welchen Du von mir
in Rendsburg erhältst und will es des Lebens ewiger
Einklang so ist heut in [{]14 Tagen / 3 Wochen[}] das lebendige Wort die
Vermittlung, die Einigung unserer Seelen. Welch reiches
Leben liegt zwischen dem ersten Brief welchen ich von Dir
und Du von mir empfingest und jetzt den letzten!-
Die Einheit und Eingung alles Lebens laß es uns und allen
mit uns Verbundenen zum Seegen gedeihen.- Doch
jetzt müssen die Betrachtungen zurück treten. Zum
ersten daher empfängst Du zu Deinem Bedarf noch
Zehn Thaler. Ich wünsche wenigstens nicht daß Du mit
dem Gefühl ökonomischer Beengung ja Fessel mir kom-
mest, noch weniger wünsche ich, daß sich dieß, was für
den Menschen so leicht ist in Deinen freien Lebensäußerungen
ausspreche. Ich hoffe auch zu dem Geiste alles Lebens
und seiner schaffenden Wirksamkeit, daß wir eigent-
lich nie Mangel leiden werden, wenn wir uns auch
beschränken und in unsern Ausgaben beschränken
ja vielleicht dann u wann etwas entbehren müssen,
dieß wird aber das Gefühl unserer moralischen
Kraft erhöhen. Ich will geistig wacker arbeiten
Du hilf mir dazu, daß das Geistige sich stoffig ge- /
[234R]
stalten und hilf mir das dadurch erhaltene
richtig bewalten [sc.: bewahren], so hoffe ich treu geeintes liebes
Wesen, daß uns eigentlich nie Mangel treffen wird[.]
Meine Bedürfnisse sind einfach, doch fordert mein
Körper eine gleichmäßig angemessene Pflege, da-
mit mein Geist schaffend seyn könne; denn das ist
wahr die Thätigkeit meines Geistes hängt sehr von mei-
nem Körper ab, wie auch wieder Geistesdruck, läh-
mend auf den Körper zurück wirkt.- Doch sage wa-
rum sich mir diese Betrachtungen und Mittheilungen
so entgegen drängen?-?- Wohl um Dir zu zeigen,
daß ich Dir ganz vertraue, daß ich mich ganz einig
mit Dir fühle; daß ich wünsche auch Du mögest mit
freudigem Vertrauen in Deine neue Lebensverbin-
dung eintreten, Dich aber auch darauf vorzubereiten
daß manche Trübung des Lebens gut zu machen ist
welche mir mein so langes vereinzeltes Wirken
und Leben brachte, daß aber die ganze Trübung
meines Lebens und die Störung desselben der Art
ist, daß Arbeitsamkeit, Fleiß, Ordnung, Angemessen-
heit im Leben sie leicht heben wird. Die Trübungen
und Störungen sind nicht moralischer Art, sondern
die Wirkungen gehemmten Handelns, vereinzelten
und einseitigen Lebens u.s.w. /
[235]
Hier im Bad ist ein gewisser Angerstein aus Claus[-]
thal, der Schwager meiner Hauswirthin; dieser
reist morgen von hier nach Clausthal über Osterode
zurück; dieser sagte mir heut: man reiste mit der
Post, ich glaube um die Hälfte billiger hierher als
mit der Eisenbahn. Die Post geht jeden Tag Nachmittag
½4 Uhr von Osterode ab und kommt des andern
Tages Mittags nach Eisenach. Die Post geht von Oste-
rode über Göttingen, Witzenhausen, Allendorf[,]
Eschwege und Wanfried nach Eisenach.- Würdest
Du nun hiernach Donnerstags Nachmittags ½4 Uhr
von Osterode abreisen, so würdest Du Freitag
Mittag in Eisenach ankommen, im thüringer Hofe
würden wir uns finden. Sonnabend bis Sonntag
Nachmittag ½2 Uhr würden wir in Eisenach bleiben
und Sonntag Nachmittag zwischen 4-5 in Lieben-
stein ankommen; schon im vorigen Briefe schrieb ich
Dir daß ich dieß angemessen finde. Von Osterode
aus erwarte ich nun Deine Entscheidung ob ich Dich
Donnerstags oder Freitags in Eisenach erwarten darf.
- Deine lieben Kleinen haben mir durch Dich so viele
Freude gemacht, daß ich solche ihnen gern erwiedere
darum sende ich für Otto zugleich als Geburtstags-
gabe, das Legespiel mit den 8 bunten Gevierttafeln /
[235R]
in dem grünen Kästchen, für Eberhardt eines
der beiden bunten größeren Legekästchen, und
nachdem Du es für gut fändest, das kleinere
oder größere; bestimmst Du ihm das kleinere, so
könnte Auguste das größere haben; wählest Du
das größere für ihn, so könnte Auguste die
runde Schachtel mit den Runden oder Kreisen be-
kommen. Diese[s] mittlere Kästchen, kannst Du dann
verwandten [sc.: verwenden], wo und wie Du Lust hast in Rends-
burg oder Osterode, d.h. Du kannst es dort
Eberhard oder Augusten geben.
Grüße zum Abschied die Kinder herzlich von
mir wie Fr. v. C. [sc.: Frau von Cossel] und bitte beide für mich um ihr
Andenken.
Ob Du in Hamburg Auguste Steiner bei Herrn
W Beit, große Neumarkt ich glaube 144. 2 Trep[pen]
und Christiane Erdmann bei Herrn Hoffmann
<Grindelhof / Gründelhof> N. 5 aufsuchen willst, wird von
Dir abhängen.
Ich wollte Dir erst meine schönste Lieblingsblume
die zartfarbige Rose - das Bild meiner Liebe,
und wer ist die? - beilegen, doch ich fürchte es
kommt verwelkt in Deine Hand u. das will ich
nicht. In Liebe Treue u Dank innig DFr.Fr.
Erkundige Dich doch bei Mde Lütkens, was aus meiner
letzten Sendung an Allw[ina] geworden ist.