Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Rendsburg v. 20.6.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Luise Levin in Rendsburg v. 20.6.1849 (Bad Liebenstein)
(BlM XXIII,62, Bl 236-237, Brieforiginal 1 B 8°4 S.)

Bad Liebenstein b. Eisenach am 20 Jun. 1849


Liebe Luise, meine Freude.

Du wirst Dich wundern schon wieder und noch einen
Brief in dem Dir lieben Rendsburg von mir
zu erhalten, und dieß um so mehr, als ich meinen
letzteren Brief an Dich, welchen Du, bei Lesung die[-]
ses, durch unsere Rosalie schon erhalten haben wirst,
- selbst als den letzten dahin bezeichnete; allein,
Du wirst es auch ganz natürlich und wäre es an-
ders, es als das Gegentheil finden, daß ich jetzt,
wo es sich bald um die gemeinsame Ausführung
eines Werkes handelt, im Geiste schon viel mit
Dir lebe, mit Dir es schon durchdenke, mit Dir es ord[-]
ne, mit Dir das Beste zu wählen mich bemühe um
es gleich in seinem erste[n] Beginne, seinem innersten
Wesen und Zwecke getreu zu beachten, zu pflegen,
Dir also von Allem eine und die richtige Stellung
und den Andern zu Dir zu geben, welche der Zweck
und das Ziel des Ganzen nöthig [machen]. Nicht nur aber
äußeres geordnetes Zusammenwirken fordert un-
ser LebensZweck, nicht nur äußere Eintracht fordert
unser Leben[s]ziel unter und bei uns, sondern innere
wahre, auf Vertrauen ruhende, daraus hervor- /
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gehende Lebenseinigung aller Glieder unseres klei-
nen Kreises; diese Herzens- und Lebenseinigung
aller mit Dir und Deinen, diese möchte ich Dir beim
Eintritt bei uns entgegenbringen, mindestens
pflegend vorbereiten, und dieß ist der Zweck dieser
Zeilen. Nun ist aber das Beachtungswerthe, Jedes
in ein neues Verhältniß Eintretende bringt,
Geschenke mit sich, selbst das neugeborene Kind
thut dieß; der Sinn davon ist wohl kein andrer
als sich die Anderen dadurch gewogen zu machen
ihnen zu zeigen, daß ihr Leben, ihre Freude werth
für uns habe, daß wir Theil an der Entwickelung
ihres Lebens nehmen rc; (daher) es kommt aber da-
bei und dieß ist wieder beachtenswerth, keineswe-
ges auf den äußern Werth an, sondern auf den Aus[-]
druck des innern Sinnes; daher glaube ich wäre es
schön wenn Du Deinen künftigen, wenn auch vor-
übergehenden Hausgenossen, Jedem, oder vielmehr
jeder eine Kleinigkeit mit brächtest und sey es
eine ganz einfache Schleife, ein Cravattenband, ein
Kragen, Manschetten oder hundert andere kleine Nöthi[g]keiten
namentlich für das weibliche Leben; Nun hat auch die Er[-]
fahrung in Dresden selbst schon hier gelehrt, daß man
solche Kleinigkeiten von 10 Sgr. Werth an z.B. Kragen /
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bis zu 15 Sgr. (z.B. Cravattenbänder[)] recht sehr
schön haben kann. Da nun aber eine Sache um so grö-
ßeren Werth hat als sie aus der Ferne, selbst aus
einem anderen Lande kommt, so sende ich Dir in all
diesen Beziehungen nach Rendsburg beiliegend noch
Rth. 5.- prCt. damit Du, meine theure Seele, jedoch
in der
einzigen Voraussetzung daß Deine Meinung
hierüber keine verschiedene sey, - damit Du für
Deine künftigen Hausgenossen hier irgend entspre-
chende Kleinigkeiten aus Rendsburg, Hamburg,
oder Lüneburg mitbringen [kannst]. Allein ich hebe noch-
mals mit Bestimmtheit [hervor,] ganz allein nach Deinem Gefühl
und wollen [sc.: Wollen]; ich wollte nur, auf den Fall, daß sich
ein ähnlicher Wunsch in Dir frei mache, durch die Bei[-]
lage die Möglichkeit Dir verschaffen Deinen Wunsch
auszuführen. Diesem nach findest Du hier Henr: B. [sc.: Henriette Breymann]
Frl. Emma Bothmann, eine edle, stille, sinnige Natur
Amalie Mattfeldt, Frl. Luise Härtlein eine gebildete junge
Wienerin; Frl. Drabert [sc.: Traberth] aus Eisenach, welcher Du Dich
vielleicht noch von Rudolstadt her erinnerst, Dr. Mai [sc.: Mey ?]
welcher vor einigen Monaten gestorben, führte sie
dort ein, ein junges wackres Mädchen wie es deren viele
giebt, dann die beiden Zwillingsschwestern Philippine
und Adele Gössel, zwei natürliche Landpfarrer Töchter. /
[237R]
Dann theilt noch Wilhelm Middendorff welcher aber
als Curgast jetzt noch ganz im Curhause wohnt u
speist mehrfach unsere Stunden u unser Leben
Krell dagegen scheint die alte Heimath wieder fest
zu halten -
Abends 9 Uhr. Welch ein herrlicher Abend war
es heut wohl war es wolkenreich, allein wie
durchdrang, wie vergoldete die klare Sonne alles[.]
Wie dachte ich da Deiner meiner Luise, wie be-
grüßte Dich sehnend meine Seele, wie freute sie
sich, wie freute ich mich der künftigen Zeit wo
alles dieß ich mit Dir erleben durchleben soll u.
werde: trüb und wolkenreich ist wohl mein
Leben allein Deine D Liebe die Sonne meines Lebens
wird mit ihrer Kraft die Wolken desselben durch[-]
leuchten, in Gold, werthvolles Gold wird Deine Lie-
be die trüben Wolken verwandeln vergolden.
Wohl hat das Leben als solches seine Trüben, allein
Gottes Liebe durchleuchtet vergoldet sie, allein
wie durch die Sonne die Wolken, so durch liebende
Menschen die dunkeln Schicksale anderer, so durch Deine
Liebe, durch Dich meine Luise das Dunkel meines
Lebens; sollte ich darum Dich nicht innig und doppelt
lieben als treue Gottes Tochter u als Treue Freud[i]n? DFrFr