Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an < ? > ["Mann"; "Sie"-Anrede] v. <Frühjahr 1849>


F. an < ? > ["Mann"; "Sie"-Anrede] v. <Frühjahr 1849>
(BN 707a, Bl 79) (Entwurf)
Datierung nach Briefliste Nr. 1476, nicht gesichert. Anhaltspunkte: 1848/49 nimmt Henriette Breymann am Kurs in Dresden teil; 1849 ist sie mit F. in Bad Liebenstein.

[79]
Hochgeachteter, deutscher Mann
Es wird Ihnen wunderbar vor[-]
komm[e]n daß einer welcher gar
nicht die Ehre hat von Ihnen persön[-]
lich bekannt zu seyn, brieflich u
noch überdieß mit dieser u[n]ge[-]
wöhnl Anrede zu Ihnen zu
kommen; Es wird Ihnen aber ge[-]
wiß dabe[y] sogl. entgegen treten,
daß der Schreiber dieses eine von
den gewöhnl Lebens- u Weltan[-]
sichten verschiedene habe und dem
gemäß auch die LebensErschei[nun]gen
u. Thatsach[e]n
von der gewöhnlichen Ansicht u Weise
verschieden, betrachte
und beachte, und so ist es auch
wirklich: in einer rein geistigen
und innerlichen Auffassung beruht
meine Ansicht der Dinge, daher
in einer auch das Getrennteste
u Fremdartigste einenden
geistigen, das später Große
in seinen frühen unbedeutenden
scheinbar nichtigen Anfang, einem
h[in]geworfenen Gedanken erkenn[en]d
u[n]d so ist es w[i]rklich. Sie
wissen ich habe eine[n] Kreis jungf[e]rne[r]
Schülerinn[en] für frühe Kinderpflege
um mich und in demselben da[s] Ihn[en]
bekannt[e] Frl. Henr[.] Breymann[.]
Sie wissen aber auch daß alle[i]n
was ein weibl Wesen, namentl
ein j[u]ngf[räu]l[iches] noch mädchenhaftes <einmal>
erlebt gehört hat, zu e[i]ner andr[e]n
Zeit seine[n] Gespiel- u Lebe[n]s[-] oder gar
Berufsgenossen zum Besten gegeben
wird zumal wenn es ein we[ni]g den
Ausdruck des <Eigenthüm[lichen] u Un->
<erfah[renen]> hat - <durch> <dem [sc.: den]>jü[n]gsten
Eintritte der beiden Zwill[in]gs[-] /
[79R]
schwestern <Göschel / Gössel>, wurde
d[urc]h die Theilnahme Ihrer geehrten
Frau daran - natürl auch
Ihrer G gedacht und meine Groß[-]
nichte erzählt zuerst von dem
Schwesternpaar, u hier namentl die acht[-]
baren Äuße[r]ungen über den Geist
I u[n]d die Kraft in Ihrer Worten
u[n]d Rede mitgetheilt, dann aber
als eine der besondere auffal[l]endsten diese
mitgetheilt h erwähnt: - "Was <gewinnst>
<Du> Frau wenn ich die Päd[a]g[o]g[i]k
mit der T[h]eologie <verknüpfte>!!!["]-
Die so wen von Henrietten h[i]ngegewo[r]fe[nen]
Äuße[r]ungen von Ihnen, fielen aber
in meinen Inneren in das Meer
der Lebensansichten. Daß die
Theolog[i]e überhaupt sich überzu
zu Päd[a]g[o]gik nicht nur vor-
übergehend sondern bleib[e]nd
h[i]nwenden sollte, daß die
Theol[o]gen, ganz voralle[m] jetzt
Päd[a]g[o]gen werden sich <dahin>
wenden sollten, denn nur d[urc]h
die Pädagogik u als Pädagogen
können sie zwar wieder w[i]rk[-]
same Theologen werden denn der
<Ausgang> wie das <letztliche> Ziel der Theol[ogie] ist ja <immer> Pädagogik, Erziehung des Menschenwesens wie <es> dieß Less[i]ng so <meisterhaft ? ? ? > sagt.
Durch diesen hier a[n]gedeuteten
Lebe[n]szusam[m]menh[an]g erhielten
<nun> Ihre scheinbar bedeutungs[-]
los hingeworfene Lebensäußerung
für mich die größte Bedeutung
d.i. wandellose Lebensg[e]wiß-
heit; ich erkannte in der schein[-]
bar <zufällig> hingeworfenen
Rede die Äußerung <innerer>
[Text bricht ab]