Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 24.9.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 24.9.1849 (Bad Liebenstein)
(Autograph nicht überliefert, ed. Jänicke 1880, 241)

Bad Liebenstein bei Eisenach, am 24. September 1849.


Mein hochgeehrter, theurer Freund!

Seit nun bald einem Jahre sind Sie ohne unmittelbare und briefliche Nachricht von mir. Als ich Ihnen das letztere mal schrieb, bat ich Sie um die Erlaubniß, Sie verflossene Weihnachten besuchen, um wieder einige Tage in schönen Seelen- und Lebensfrieden bei Ihnen zubringen zu dürfen, und Ihre Güte erlaubte es mir. Da riefen mich des Lebens Entwickelungen unerwartet nach Hamburg und von dort zurückgekehrt, faßte mich des Lebens Getriebe und führte mich im Anfang Mai hierher, wo ich sogleich meinen Bildungsgarten einrichtete. Mit welchem Erfolg ich in demselben arbeitete, sehen Sie aus den gedruckten Beilagen.- Diesterwegs Antrag bezweckt ein großartiges deutsches National-Werk und -Wirken; ob es Anklang findet, wer mag es wissen? ob es selbst, wenn es diesen findet, die nöthige Unterstützung durch Geldbeiträge gewinnt, wer kann dies bestimmen?- Doch der Same muß ausgestreut werden; machen auch Sie sich, ich bitte sehr darum, recht mit Diesterwegs Antrag vertraut, und erlangt er Ihre Beistimmung, so suchen Sie denselben, soweit als es Ihnen möglich ist, theils unter Ihren Freunden und Bekannten, theils in Ihnen zu Gebote stehenden öffentlichen Blättern zur Besprechung zu bringen; ich bin in mir tief überzeugt, es würde durch die Ausführung des Diesterweg'schen Antrags viel Nacheiferung und so viel Segen für die gesammte deutsche Volksbildung gewonnen werden; darum wiederhole ich meine Bitte: führen Sie den Gegenstand zur Prüfung, Beachtung und förderlichen Mitwirkung Vieler in's Leben ein.
Zuletzt aber, schreiben Sie mir nun aber auch recht bald und nähren Sie so mit dem Oele der Freundschaft die Gesinnung, mit welcher ich bin
Ihr aufrichtiger Freund
Friedrich Fröbel.