Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Marius Bendsen> in Keilhau v. 3.10.1849 (Bad Liebenstein)


F. an <Marius Bendsen> in Keilhau v. 3.10.1849 (Bad Liebenstein)
(BN 566, Bl 46, Brieforiginal 1 Bl 8° 1½ S. mit der wenig präzisen Adressatangabe „L. M.“. Briefliste Nr.1522 vermutet als Adressaten Marius Bendsen, Wollkopf ordnet den Brief Middendorff (sen.) zu. Für Middendorff sprechen die vorausgesetzten Kontakte in Rudolstadt, die Marius Bendsen [geb. 1828, seit 1848 in Keilhau] schwerlich in dieser Intensität hatte, sowie der Hinweis auf den Keilhauer Kreis („Du und Deine Umgebung“); für Marius Bendsen neben der späteren handschriftlichen Zuordnung "Fröbel an einen Schüler Bendsen" [46V links oben] vor allem die Schlussfloskel „D[ein] Fr[eun]d FrFr“, die F. zu dieser Zeit in dieser Eindeutigkeit für Middendorff nicht verwendet hätte. )

Badliebenstein am 3 Octbr 1849.


L. M.

Ich sende Dir die Berliner Nationalzeitung
damit Du und Deine Umgebung sehen, daß der
Gegenstand auch in politischen Blättern Auf-
nahme findet. Wir hoffen daß er nun
in mehreren politischen Blättern besprochen
werde, besonders auch in Localblättern wie
es jetzt stetig fortgesetzt in den Meininger
Werrastimmen geschiehet. Kannst Du nicht
für eine ähnliche fortlaufende Besprechung der
Sache in einem Rudolstädter Localblatte wirken?-
oder in den "Ch Cahlaschen Nachrichten"[?]-
Sollte es Dir nicht möglich werden in Rudol-
stadt durch Stadtverordneten Hennig - oder
Superint: Schumann, oder Cantor Deibel
der Göthestiftung Popularität und unterstützende
Theilnahme zu verschaffen?-
Vielleicht sogar unter einigen Bauern in
Eichfeld, Schaala, Lichtstädt?- Es ist höchst wich[-]
tig, daß die Sache unters Volk komme und
vom Volke aufgenommen und unterstützt
werde, denn nur so ist an den Beginn einer
deutschen Volks- und NationalErziehung zu glauben
nur so ist derselbe zu hoffen.
Reise doch über Stadtilm u Arnstadt und Gotha
hierher, siehe was in Stadtilm bei u mit Rector
Windorf
und Bürge[r]meister Fröbel, in Arnstadt mit
der Räthin Schubert und deren bekannten Lehrern /
[46R]
in Gotha aber ganz besonders mit meinem
Vetter dem Landstand und Tischler Meister
Müller
in der Salzengasse zu thun ist; der
ist jetzt ein sprechender Volksmann.
Um deutsche Volks- und NationalErziehung
auf dem Grunde der Kindergärten anzubahnen
ist jetzt oder nie die Zeit.
Also denke, überlege, prüfe handle!!!
D.Frd.Fr.Fr.