Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an „Verein deutscher Frauen“ in Schweinfurt v. <nach>15.10.1849 (Bad Liebenstein)


F. an „Verein deutscher Frauen“ in Schweinfurt v. <nach>15.10.1849 (Bad Liebenstein)
(BN 730a, Bl 3-4, hier: Bl 3R-4V, undat. Entwurf 1 Bl 8° 1 ½ S. Datierung: Briefliste Nr.1525 dat. „nach 12.10.“, aber ohne Beleg, Wollkopf II,129 datiert: „Verein deutscher Frauen (Franziska Sattler) nach 15. Okt. 1849“; auch ohne Beleg. Der dazugehörige Partnerbrief, die Anfrage von Franziska Sattler, Vorsitzende des Schweinfurter Frauenvereins, bei F. um Vermittlung einer Kindergärtnerin, datiert vom 15.10. 1849, s.BlM XIX,2, Bl 240-241, ed. König 1990,144.)

Nachricht an den Frauen Verein zu Schweinfurth
Das reine volle Vertrauen mit welchem Sie der hochzuehrende
Verein deutscher Frauen zu Schweinfurt die Idee
und das Streben entwickelnder Kindheit[-] u Menschenpflege,
Erziehung und Bildung – (deren Vertreter u Träger zu seyn ich
mich verpflichtet fühle) – durch das Vertrauen einiger ihrer
Mitschwestern aus Hamburg geweckt ebenfalls pflegend in ihrer
Mitte aufzunehmen sich geneigt ist und ja gedrungen fühlen hat mich tief gerührt;
und ich gestehe offen, solchem Vertrauen zu entsprechen und, zu
genügen zu können würde mich selbst bey allen mir bewußten Ernst u Treue meines Strebens
in Verlegenheit setzen, wenn es möglich wäre, daß durch anderes als durch solches
reines und unbedingt hingegebenes Vertrauen der Kindheit und durch diese
Kindheit der Menschheit geholfen das gereicht werden könnte was sie besonders jetzt so unbedingt bedarf und zunächst
nur durch Kindheitpflege u Erziehung erlangen kann.
Denn nur Vertrauen, ja ich möchte muß sagen es aussprechen, nur unbedingtes Vertrauen -
d.h. Vertrauen zu sich ohne irgend ein anderes Pfand als das was
der Mensch in sich selbst trägt
nur solches Vertrauen zunächst zu sich selbst
zum Neben Mitmenschen zum Einzel[nen] u zum Ganzen, wie es
immer heißen möge, nur solches Vertrauen kann dem Einzelnen wie
jedem Ganzen kann uns allen das reichen was er uns bedarf und - freuen Sie sich, wünschen
Sie sich Glück, und nehmen Sie es, außer Ihrem eigen[en], in Ihrem Busen tragenden
Vertrauen, als ein äußeres als ein zweites Unterpfand außer für die Erringung des Zieles welches Sie
im Auge haben - daß wie die geehrten Frauen Traun
u Wüstenfeld - so Sie als Einzelne u als Ganzes - die ersten Frauen
die ersten Frauen und der erste Frauenverein sind, welche ohne vorher
<gegangene> [sc.: gewonnene] Sach- u RealAnschauung der Idee rein als solcher so gleich
Ihr volles Vertrauen schenken. Und gewiß seegensreich werden für jetzt die Folgen davon seyn wie sie sich schon jetzt kund thun denn,
Wie nun Vertrauen Vertrauen weckt, so hat sich auch mir meine Schülerin Frl. Emma Bothm[ann] die Tochter eines Justizbeamten in Fulda
und zwar diejenige, welche ich selbst in mir unter mehreren Schülern als die den mir dargelegten Verhältnissen unter
meinen Schülern
Entsprechendste halte entschlossen
in vielseitigem Vertrauen in die Ihr [sc.: ihr] ihr von Ihnen eröffnete Wirksamkeit
<angebo> die Ihr von Ih[nen] <angetratege> [sc.: angebotene] anzunehmen.
Es ist dieß Frl Emma Bothm[ann] die Tochter eines Justizbeamten in Fulda 27 Jahr alt
ein junges Mädchen wie edel u einfach von Gestalt, so edel Einfach im Leben u
Handeln dem gewählten Beruf mit Liebe, Ausdauer, Selbstdenken
u Selbsturtheil hingegeben. So daß ich ihr hoffe überzeugt bin Sie werden
in ihr finden was sie [sc.: Sie] erwarten u bedürfen, und wenigstens einen Versuch
ihr zu finden deßhalben gerechtfertigt finden. So eben übergiebt mir Frl.
Emma zu meiner Freude selbst <einige> Zeilen an Sie hochgeehrte Frauen u so glaube
ich nichts weiter hinzufügen zu dürfen, als die Bitte, lassen Sie ferner/
[4]
das reine u offene Vertrauen d[urc]h auf welches sich unser den gegenseitigen
Verband zum wohle [sc.: Wohle] der in den Kindern Ihres Lebenskreise[s] Familien aufkeim[enden] Menschheit zwischen uns, wie knüpfen <anstreben>
auch zwischen Ihnen u
Frl Emma der Ausführ[erin] unserer Wünsche, <in Unser[e] Beziehung>
walten - so wird auch ferner Gottes seegen vater auf unserm
geeinten Wirken ruhen und sich in reichen u reifen Früchten zur Freude
aller u kund thun. Wie ich <mit> Ihnen gern zu[r] weitern Aufklärung geneigt bereit bin so bitte ich
Genehmigen Sie verehrter Verein Er deutscher Frauen durch Ihren Hochachtbaren Vorstand, wie dieser selbst die Versicherung meiner so wahren als bleibenden
Hochachtung als
mit w[el]cher ich
mich unterzeichne
Ihr Ergeb[ener]
FrFr

Ich habe nichts mehr [zu sagen] als fördern
verbreiten sie [sc.: Sie] solches Vertrauen wie Sie verehrte Frauen d[urc]h mich
mit der Idee bewiesen haben so weit so rein u so kräftig
als Sie immer können - glauben Sie einem Mann - nur einzig d.
Wollen wie unser Volk u unser Vaterland, jedes erkennende wie
be<wußte> bedingte u so gefesselte Vertrauen bringt <uns erkennen[de]>
bringt, bedingte u gefesselte Früchte solchen Frieden u solche
Freudigkeit - welche wir ja als zur Recht im Leben, wie im
Erken[nen] u Fühlen bestimmter Menschen auch in Reinheit erstreben
u erstreben müssen[.]