Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 7.12.1849 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 7.12.1849 (Hamburg)
(BlM XXIV,11, Bl 38, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. - Dieser Brief wird in BlM und in Briefliste gemeinsam mit dem vom 3.12.1849 irrig als ein Brief aufgefaßt. Der Brief v. 7.12. ist aber eindeutig ein eigener, der einem nicht erhaltenen und wohl am selben Tag geschriebenen F.-Brief an Manfred Renner beigelegt wurde [vgl. 38V].)

Am 7n Decbr 49. Abends 6 Uhr.
[F F] In diesen zwei Buchstaben und durch dieselben
nur zwei Worte des herzinnigsten Grußes
Dir: Friede und Freude Dir, das dritte in Dir erzeu-
gend: die innere Geistes-, Seelen- und Gemüthsfreiheit;
denn ich mag den Brief an Manfred [sc.: Manfred Renner] doch nicht abgehen
lassen ohne wenigstens zwei Worte der Liebe und des
Lebens für Dich meine Liebe und mein Leben beizufügen;
wenn ich auch sonst gar nichts, wie dieß heut wirklich
der Fall ist, Dir zu senden habe.
Gestern Nachmittags war Lange bei mir, wie
er denn unserer gemeinsamen Arbeiten halber zum
Öfteren zu mir kommt. (:Ben[d]sen jeden Tag wenigstens
einmal, weil er den wirklichen Bildungscursus theilt,
Friedemann dagegen 1- höchsten[s] 2mal, auch wohl in man-
cher Woche gar nicht:) Den Lange nun fragte ich ge[-]
stern, ob er mit nach Liebenstein zum Fest reisen
wollte, er bejahte es, und ich schreibe Dir dasselbe,
daß Du wie mir Deine hausfrauliche Sorge es schon
angedeutet Alles weiter besorgen kannst. Daß ich
die beiden Gössel nicht mehr [anwesend] finde, thut mir, ob ich es
gleich schon bei meiner Abreise von Keilh Liebenstein
wußte, doch recht leid. Grüße Sie [sc.:sie] wünsche Ihnen [sc.:ihnen]
des Himmels besten Seegen zu ihrem neuen Wirken
und ermahne sie alles Ernstes zur Treue gegen ihren /
[38R]
Beruf und gegen den Grundgedanken, die reine Idee
desselben wenn ihnen [sc.: sie] auch beide noch nicht in allen ihren
Richtungen hin klar vor dem erkennenden Geiste
stehen und standen. Zu Weihnachten, wenn wir
beide Rücksprache genommen haben, will ich ihnen
auch von Liebenstein aus Zeugnisse zusenden;
es würde sonderbar aussehen ihnen solche in Ham-
burg zu schreiben und von hier aus zu überschicken.
Dieß können sie den Eltern u. Vätern ihrer künfti-
gen Erziehungskreise antworten, wenn dieselben
nach den Zeugnissen fragen sollten.
Hier ist ein gewaltiges regendes und bewegendes
Leben hinsichtlich der Kindergärten eigentlich zwi-
schen 4-5 Kreisen oder kürzer zwischen so viel ganz
verschiedenen Frauen, welche an der Spitze derselben
stehen. Ich bin sehr begierig was der gährende Berg
gebären wird, wenn nur am Ende keine Maus.
Jedoch scheinen, nein! ich darf nur in der Einzahl re-
den, scheint eine Frau (Fr. G) [sc.: [Goldschmidt] mit Diesterweg
einen größern Plan in Beziehung auf Hamburg [zu haben];
und eine andere (Fr. v. M. in W:) [sc.: Frau von Marenholtz in Weimar] wieder mit Diester-
weg (weil die Göthestiftung gescheidert) einen grö-
ßeren Plan in Beziehung auf Berlin zu haben. Laßt
uns alle in Liebe, Treue und Dank unser Liebenstein
d.h. Marienthal festhalten. Allen meinen Gruß. FrFr.