Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 28.12.1849 (Bad Liebenstein)


F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 28.12.1849 (Bad Liebenstein)
(BN Anh. 43, Bl LC 111 - LC 116, Abschrift 3 B 8° 12 S., Handschrift unbekannt. Der Abschreiber gibt als Vorlage das Original im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an und merkt an, daß das Original eine "Wohl später angebrachte grüne Numerierung: 19" trägt, eventuell gemeint: 19. Brief .)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Bad Liebenstein am 18' des Christmonats 1849.


Werthgeschätzter, lieber Herr Stangenberger.

Sie haben im Laufe des vorigen Sommers meiner in treuer Gesinnung freundlich gedacht und mir in dieser Beziehung über Keilhau Zusendung von Drucksachen gemacht. Mehrmals setzte ich mir vor Ihnen dafür zu danken und Ihnen dagegen Sendungen von Drucksachen zu machen welche Ihnen Kunde von dem Fortgange meines Wirkens und von dessen Erfolge gäben; allein so unglaublich es für Jemanden, welcher nicht selbst Zeuge war wie das Leben mich in Anspruch nahm,- erscheinen mag, so ist es dennoch wahr: wie immer von Neuem jeder folgende Tag, /
[LC 111b]
so jede folgende Woche und nächster Monat bemächtigten sich wieder so ganz m Meiner und meiner Thätigkeit, dass ich beinah gar nicht der Pflege persönlich freundlicher und freundschaftlicher Verhältnisse und so auch nicht der Pflege Ihrer mir so werthvollen Freundschaft leben konnte.- So ereilte mich der Monat November welcher mich in seinen ersten Tagen schon nach Hamburg rief um dort einem gemischten Publicum von ohngefähr 125 Personen Mennern [sc.: Männern] und Frauen, Familienvätern und Müttern wie Jünglingen und Jungfrauen, Gelehrten und Geschäftsleuten wie erziehenden und lehrenden Männern von Fach wöchentlich /
[LC 112]
in einigen Stunden Vorträge über die von mir angebahnte Kinderpflege, und Erziehweise, besonders aber über das Wesen, die Mittel wie über den Erfolg der Kinder [sc.: Kindergärten] zu halten; dann aber ganz namentlich alle Tage (:Sonnabends ausgenommen) von 9 bis 1 Uhr gegen 20 Theilnehmenden grösstentheil[s] Jungfrauen aber auch Frauen und jungen Männern - (wie früher in Keilhau, so verflossenen Winter in Dresden und jüngsten Sommer hier in Liebenstein) - einen vollständigen Bildungscursus mehrseitig practisch wie theoretisch in der Kinder- und Kindergartenführung zu geben. Nehmen Sie nun dazu all /
[LC 112b]
die übrigen sich daraus ergebenden Verbindlichkeiten, so können Sie sich leicht denken, wie mich Hamburg seit Novbr so ganz in Anspruch nahm und wie ich mich freue, dass mir eine kurze Besuchreise in Liebenstein - (bis zum 1 Januar früh) einige Freizeit giebt um meine Schuld in Etwas abzutragen.
Aus den wenigen Druckbeilagen ersehen Sie erstlich wie die Sache der Kindergärten in verschiedenen Städten Deutschlands, Dresden Hamburg, Weimar, Gotha (:Liebenstein nicht zu vergessen) u.s.w[.] guten Fortgang gewinnt. Unsern gemeinsamen Freunden in Schalkau können Sie zur /
[LC 113]
Neujahrsfreude den "Kinderfreund von Liebenstein" vorlesen und dabei unseres, jetzt vor 2 Jahren fröhlichen Zusammenseyns in Schalkau gedenken.- Wie viel hat sich seit jener Zeit verändert, welch' eine reiche Zeit liegt dazwischen:- die Versammlung in Rudolstadt - der Winter und die Vorträge in Dresden - der Sommer und die Wirksamkeit hier in Liebenstein - und nun die Vorträge und der Bildungscursus in Hamburg!- Welche Erlebnisse!-!-
Aber wir wollen nun auch mit denselben hervortreten und unserm Volke nützen; zunächst durch eine Erziehungsschrift ein - alle Freunde /
[LC 113b]
ächter Volksbildung vereinigender [sc.: vereinigendes] Wochenschrift Wochenblatt. Die Beilage sagt das Weitere. Suchen Sie lieber Herr Stangenberger dem Unternehmen viele Freunde d[.]h. Besteller und Abnehmer zu gewinnen; denn nur so kann ein solches Unternehmen bestehen, auf eine anständige, d.h. genügende Weise bestehen und sich tüchtiger Mitarbeiter erfreuen; auch Sie lieber Stangenberger sind als solcher nicht nur bestens eingeladen, sondern ich hoffe, dass Sie uns manchen wackern Aufsatz schicken, besonders Rügen der jetzt noch bestehenden niederdrückenden und hemmenden deutschen Volks-, /
[LC 114]
ganz namentlich aber auch häuslichen und Familienbildung; - aber aber auch Hervorhebung des Rechten und Ächten, wo und wie es geschiehet. Zu Bessern und zu Bilden ist uns Hauptsache, nicht blos einzureissen sondern namentlich aufzub[au]en; nicht blos auszusäen, sondern auch aufzuerziehen.- Suchen Sie auf alle mögliche Weise die "Kindergärten" - (jetzt ein Hoffnungsreiches Loosungswort) - zu verbreiten.
Bis zum 1' Mei [sc.: Mai] werde ich in Hamburg bleiben, dann, wie jetzt die Bestimmung ist, nach Liebenstein zurückkehren um abermals nächsten Sommer, d.h. bis letzten Oktober hier einen Bildungscursus für Kindergärt- /
[LC 114b]
nerinnen zu halten. Denn obgleich im verflossenen Sommer mehr als ½ Dutzend Kindergärtnerinnen hier waren, so haben doch alle sehr gute Stellen in welchen S sie auf das Erfreulichste in ihrer Wirksamkeit geachtet und anerkannt so wie auch durch angemessenen Jahrgehalt honorirt werden. Es ist die Wirksamkeit einer Kindergärtnerinn für jede Jungfrau deren Charakter, Neigung und Fähigkeiten dazu neigen, ganz und deren Lage es einmal fordert für ihr Bestehen thätig zu seyn - ganz gewiss die angemessenste, welche sich finden lässt. Diess die freudige Überzeugung aller derer welche sich bisher der Kinder- /
[LC 115]
gärtnerei widmeten.
Wie sieht es mit den Compositionen aus?- Demnächstens wird die erste Folge unserer Baulieder erscheinen; die Platten dazu sind schon in Zink geschlagen.- In dem der ersten Nr unseres Wochenblattes werden Sie ein Liedchen zu einem kleinen Bewegungsspiele - "die Waage" finden, können Sie uns dann ein[e] recht einfache Melodie - vielleicht geknüpft an eine bekannte Volksweise - dazu senden, so wird es uns freuen.
Wenn Ihre Güte mir Etwas, sey es Brief oder was es sey senden wollen, so bitte ich es unter doppeltem Umschlage zu thun, dessen Innerer /
[LC 115b]
meinen Namen; der äussere aber die Aufschrift: - "An Herrn Manfred Renner Buchhändler in Badliebenstein - trägt. Herr Renner ist hinsichtlich des Buchhandels mein Compagnion und besorgt die Briefe mit Packetsendungen schnell an mich.-
- Schreiben Sie nach Saalfeld oder Gräfinthal - oder Sonnenberg an Collegen, so empfehlen Sie denselben unser Wochenblatt; ebenso auch in Eisfeld und Hildburghausen. Wir werden auch gern - namentlich in einem eigens dazu bestimmten


"Sprechsaale"

ihre Wünsche hören und nach Möglichkeiten beachten.- /
[LC 116]
Doch Sie haben ja so viel Gelegenheit das Unternehmen im Kreise Ihrer Collegen und Ihrer sonstigen freundschaftlichen Verbindungen zu fördern, dass ich sie gar nicht alle zu nennen im Stande bin. Darum sey es genug, dass ich auf Ihre treue Mitwirkung zur Förderung des Blattes freudig rechne.
Grüssen Sie alle unsere Freunde in Schalkau und wo es sonst sey recht freundlich von mir.-
Den Brief an Krell nach Mengersgereuth bitte ich bestens vielleicht am sichersten durch die Post zu besorgen.
Unter der hierher angegebenen Adresse /
[LC 116b]


"An Herrn Renner pp"

erwarte ich recht bald einige Nachricht von Ihnen, wenigstens nach Eingang und Verbreitung der 1en ProbeNummer welche ich Ende dieser Woche z noch zu versenden hoffe.
Wo ist denn eigentlich jetzt Krell Lehrer?-
Ich freue mich sehr darauf Sie nächstes Frühjahr einmal persönlich hoffentlich hier wieder zu sehen.-
Leben Sie recht wohl und bleiben Sie auch im neuen Jahre gewogen
Ihrem
Freunde Friedrich Fröbel.