Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 31.12.1849 (Eisenach)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 31.12.1849 (Eisenach)
(BlM XXIV,17, Bl 47-48, Brieforiginal 1 B 8° 1 S. + Adresse)

Eisenach im thüringer Hofe im traulichen Zimmerchen
Am Silvester Abends 8½ Uhr 49


Meine theure Luise

Vor ¼ Stunde bin ich wohlbehalten hier angekommen. Es
ist wahr, Anfangs näßte es etwas stark und später
da wir über eine Ebene, von Barchfeld nach Witzelro[-]
de u. weiter fuhren zog der Wind etwas scharf; aber
dennoch war der Weg, besonders über den Wald sehr
schön; ich habe viel entbehrt daß Ihr beide nicht bei
mir wahret und Euch schmerzlich vermißt. Siehe so
reißt das Schicksal die Menschen unerwartet von
einander, wer hätte von uns beiden gedacht, daß
als wir die Treppe herunter gingen, daß in wenigen
Minuten uns das Geschick trenne. Und ist es nicht
wahres Geschick?- Wäre Johannes nicht Herrn
Karl Müller begegnet, so wären wir früher fort
gefahren, dann wär alles wie gehofft. Sprach ich
nicht aus: -
Des Schicksals Schluß ändert der Sterbliche nie
Auf nachtbedecktem Pfad regiert es unsern Fuß
Weiß an des Abgrundsrand die Strauchelnden
zu retten
Raub[t] Kronen, schenket sie, und giebt u löset Ketten.
Siehest Du nun wie es gut ist immer auf die Trennung, sey
es selbst der Tod bereit [zu] seyn. Siehe ein, Dein guter
Genius führte Dich zu mir am Fenster, als Du zu mir
tratst und mir "Lebewohl" sagtest.- Merktest Du
nicht, ich war erstaunt; doch sah ich bald Du hattest
Recht u nun hast Du doppelt Recht.- Gott geleite Dich
und Euch alle ins neue Jahr.- Ich eile noch zu Julien [sc.: Traberth]
          Stets
DFrd.FrFr. /
[47R/48V]
[leer] /
[48R]
[Adresse:]
Fräulein Luise Levin,
in
Bad Liebenstein
frei.