Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Strauch in Berlin v. <2. Hälfte/Ende> 1849 (Bad Liebenstein)


F. an Heinrich Strauch in Berlin v. <2. Hälfte/Ende> 1849 (Bad Liebenstein)
(BN 668, Bl 2, undat. Entwurf ohne Adressat auf 1 Bl 8° schmal 2 S. Datierung: Im Aufruf des Dresdner Komitees von Anfang Mai 1849 zur Subskription des von Strauch gefertigten Bildnisses Fröbels wird das fertige Porträt auf Anfang Juni 1849 angekündigt. Am 9.4.1850 rechnet Fröbel eine entsprechende Sendung Strauchs mit diesem ab. Der hier in diesem Brief ausgesprochene Dank an Strauch über sein gezeichnetes und vervielfältigtes Porträt dürfte demnach in der 2. Hälfte 1849, evtl. im Dez. ausgesprochen worden sein.)

Daß eine wohlgelungene sprechende Zeichnung
eines Anderen namentlich
seines Kopfes eine völlige Erfassung
des Wesens dieses Anderen erfordert
daß Sie von dieser Überzeugung
in sich durchdrungen sind, dieß bewies
Ihre wohlgelungene Darstellung

und daß Sie diese dadurch gege-
bene Kunstleraufgabe vollkommen gelöst
haben, dieß beweist mir Ihre
Auffassung und Darstellung meiner
als Bild indem ich mich in Anschauung
desselben in demselben in meinen
ganzen SonderWesen u meiner Eigenthü
wiederfinde u fühle; ich sage Ihnen darum
hier nochmals zur gütigen Erinnerung
meine[n] mein[en] Dank für die Mühe
welche Sie sich bey Ausführung des
Bildes gegeben haben; doch ein
Anderes u mir wegen früherer
allgemein[er] Wirksamkeit Wichtige-
res Bemerkung wollte ich an Vorstehendes
anknüpfen dies: -/
[2R]
Wenn also der Künstler u resp.
die Kunst im Stande ist im
Bilde das Sonderwesen eines
Andern Darzu aufzu fassen und
Darzu stellen, so sind auch beide
Kunst u Künstler im Stande im Geiste dieses
Anderen durch die Kunst gleich ihm selbst zu
wirken; die Kunst
wirkt aber durch ihre Gestaltung
der Idee, des Gedankens immer nur
mittelbaar u tiefer nemlich durch die <Sinn-
evidenz> u die sinnl Wahr[nehmun]g reiner Natur
besonders auf den
Menschen als das Wort, darum
muß sich das Wort je höher u geistiger
die Idee der Gedanke ist den es
ausspricht schwesterl[ich] mit der Kunst
zur Ein- u Ausführung derbeider ins im
Leben einen; es giebt aber kaum
höhern Gedanken als den der Erziehung
der wie Gott der Schöpfer aller
Dinge u Wesen ist, so ist Gott auch
der unmittelbare Erzieher aller Wesen beson[ders] der
Menschen [.]