Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an < ? > ["Ew. Hochwohlgeboren"] in < ? > v. zwischen 1840 und Oktober 1849 (<Blankenburg>)


F. an < ? > ["Ew. Hochwohlgeboren"] in < ? > v. zwischen 1840 und Oktober 1849 (<Blankenburg>)
(BN 707a, Bl 90-91] (Entwurf)
(Der Briefentwurf ist auf einem Quartblatt geschrieben, das zunächst Lithographien von Schönheitsformen als Beilage zum Band II (frühestens 1840) des Sonntagsblatts enthielt. Es wurde dann zu einem Oktavbogen gefaltet und zunächst auf 90V/91R mit Tinte mit zwei kurzen Notizen bezüglich des Bezugs von Spielmaterialien beschrieben. Der mit Bleistift geschriebene Briefentwurf auf 91V/90R/91R/90V ist demgegenüber sicher chronologisch später und frühestens 1840 geschrieben, aber mit großer Sicherheit vor der Hamburger / Marienthaler Zeit, also spätestens Oktober 1849.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

[90]
Sämtliche Spiele und Schriften sind zu bekommen in Leipzig bey C. F. Dörffling Grimmaische Gasse No 590 oder zu erfragen in der Engelmannschen Buchhandlung in Leipzig.
[91R]
Herr Mechanikus Warmholz in Eisleben modellirt alle Krystalle in Holz[.]
Näheres darüber vielleicht zu erfragen
In Erfurt
bey Herrn Reinthaler
Vorsteher des Martinsstiftes daselbst
-----*-----
[91]
Ew Hochwohlgebo[ren] empfangen hierbey zunächst in
die noch schuldigermaßen <weitern> 3 Exemplare der noch schuldiger[-]
maßen noch nachzureichenden Schriftchen zum Spiel 5e Gabe[.]
Wir erlauben uns über den Gebrauch nur ein Paar Bemer[kungen]
1) muß es die entwickelnde u bildende Bedingung dieses
Spiel[es] [seyn,] daß immer alle Würfel zu jeder Darstel[lun]g
nothwendiger[weise] benötigt werd[en] müssen
2) wenn das spielende Kind irgend eine Form
gefunden hat, sey es welche es sey, so ist die
weitere Beding[un]g des Spieles daß von dieser
Form aus ist: für eine einfache immer ent-
wickeltere Form[en] d[urc]h leicht einfache aber immer an allen Seiten
gleichmäßige Versetzung aufgefunden werden müsse
ist dagegen die Form eine sehr zusammengesetzte
so sucht man sie aber immer durch gleichseitige in eine <wie[der]>
einfachere ja zuletzt in eine g[an]z einfache
Form wie z[.]B[.] die auf der Tafel 1 sey <in>
aufzulösen. Auch sucht man die Gr[un]dformen
3. Bey der Gedrittform Tafel ABC in g[an]z andere
Formen nach u nach um zu wandeln das Geviert in
8 Ged[ritt]e u zuletzt ein Kreis oder das Viereck
in die sich rechtwinkl. d[urc]hschneiden[den] Durchmesser oder
Querlinien eines Geviertes oder Kreises. Für alles
dieß geben die Betrachtung[en] beyspiele an.
3. Bey den Gedrittformen Tafel ABC ist die
Bed[ingun]g erstl. wieviel Würfel an jeder Seite /
[90R]
des Gedrittes sich befinden oder befinden sollen,
hat man nun eins wo z[.]B[.] an jeder Seite
8 Würfel liegen sollen, oder liegen, so kann
nun der 9e Würfel
a) als ein Ganzer Würfel verschiedene
Stellung[en] suchen bald innerhalb des Gedritt[s]
bald außerhalb desselben, links in eine
Linie bald in eine der Ecken bald
wieder mit Fläche g[e]g[en] Fläche stehend
Kante gegen Fläch[e].
b) kann der Würfel in 2 Halbe jedes mal  3seitige
<Seitige Seite[n]> getheilt werden hier gibt
es nun der Stel[lun]g[en] nach Verknüpfung[en] auch
viel viel mehr.
c) wird nun aber der 9. Würfel gar
in 4 Viertel oder in ein Halbes u zwey
Viertel getheilt so giebt es fast schon unzähl-
bare Verbindung[en] u dieß alles nur wie
ein Würfel sey ist - Sind. Was
2, 3 Würfel sey[en] so giebt es der Verknüpfung[en]
natürl noch viel viel mehr[.]-
Auf diese Weise muß aber zu der Freyheit
gleichsam zu dem Zufall, der Willkür immer d[a]s
Gesetz die innere Best[immun]g hinzu kommen wenn das Spiel
wahrhaft d[a]s Kind erfreuen u zugl für d[a]sselb[e] bilde[nd]
u belehr[en]d seyn soll[.]-
Kann der Knabe schon etwas mit Bl[e]ystift
[91]
u <> umgehen, so kann man ihn mit Papier<streifen> /
[91R]
quartellinirt Geviert Netze ziehen
wo ihn dann auffordern
die selbst gefundenen Formen
selbst auf Papier
zu tragen giebt man ihm
nun gar Farbe[n] so kann
er dieses Formen bunt
mach[en] so steigt immer
eine Beschäftigung bildend
aus der Andern
hervor.
Wir bitten Verzeihung für
erhalten daß wir
Wir halten es für Pflicht
der Dankbarkeit für Ihre geistige
Theilnahme Ihre Hochwohlgeboren wenigstens
diese we[ni]gen Andeutung[en] zum Gebrauch
dieser Spiele in ihren wahren Geist zu geben u
[er]hoffen deßhalb Entschuldigung[.]
Die Lebensform[en] finden sich leicht selbst auch
hier gelten die oben gegeb[enen] Bed[ingungen:]
a. immer alle Würfel u Theile derselben zugl[eich verwenden]
b. nicht nur immer blos <beyzureichen> u g[an]z neue
[90]
auf zu bau[e]n u eines aus den andern zu entwick[eln]
3. Der gefund[enen] Form eine Lebensbezeich[nun]g d.h. einen Namen von rein im Leben sich finden[den] ähnl[ichen] Gegenst[änden] zu geben u dann die Bestimm[un]g Theile Eigenschaften auffinden zu [lassen]
4. Will man dazu Geschichten erfinden lassen so ist das G[an]ze auch bildend z.B.
[Text bricht ab]