Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 2.1./5.1.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 2.1./5.1.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,19, Bl 51-55, Brieforiginal 2½ B 8° 10 S.)

Hamburg, hohe Bleichen am 2en Tage im Monat des Doppelblickes* 50.
[Am Rand zu *:]
Janus - der Gott des Zeitenwechsels hatte 2 Gesichter; mit dem einen dem alten, blickte er ins alte Jahr
mit dem andern, dem jugentlichen blickte er ins neue Jahr. Von ihm, dem Doppelblickenden, hat der Januar seinen Namen.
Mit dem Schlage 3½ Uhr Nachmittages bin ich beim heitersten
Himmel und rosigem Scheiden der Sonne hier in Hamburg
angekommen; in beidem fand ich Deine freundliche und lieben[-]
de Einführung in den Ort meines mich wieder erwartenden
Wirken[s]. Ich sage Dir darum recht herzlichen Dank für Deine
liebe bleibende Begleitung im Geiste. Da man den
Bahnzug nicht so früh erwartet hatte, so war mir auch
Niemand an den Bahnhof entgegen gekommen, was mir
auch recht lieb war, denn nun konnte ich ganz ruhig in
mich gesammelt in den Ort meines zunächst fortgesetzten
Wirkens wieder eintreten oder vielmehr einfahren.
In der letzten und vorletzten Station machte ich noch zwei sehr
interessante Bekanntschaften oder vielmehr blos eine neue
und eine alte frühere erneue[r]te ich oder eigentlich der Reisende[.]
Dieses war ein junger sehr aufgeweckter junger Mann, ein
gewisser He. Candid: Pfeiffer aus Suhl, welcher durch
eine persönliche Bekanntschaft mit He. Wichern, auf ein
Jahr mit denselben als Lehrer im reichen Hause in eine
Verbindung getreten ist; er He. Pfeiffer hatte mich vor
ohngefähr 1¼ Jahr in Keilhau besucht, wo ich ihm Mehreres
über meine Bestrebungen und deren Principien Mitge-
theilt hatte. Er war es der mich wieder erkannte, doch
erst nachdem wir von Wittenberge bis 2 oder 3 Stationen
vor Hamburg unerkannt mit einander gefahren waren
in dem von Mütze u Umhüllung bedeckt er mein Gesicht nicht ge-
sehen hatte; erst nachdem ich diese zufällig abnahm erkannte
er mich, und wir kamen auch durch Wicherns Namen und
Bestrebungen geleitet, sogleich in die innerste Mitte der
Erziehungsgrundsätze. Er erschien mir wie es scheint
nicht nur ein denkender, sondern ein Klarheit u Wahr- /
[51R]
[heit] suchender u selbstdenkend strebender junger Mann, wie
ich es schon aussprach. Ich bin nun sehr begierig wie
er sich mit Wichern verstehen wird. Er scheint offenen
unbefangenen Urtheils, wie er mich denn besuchen will,
deßhalb freue ich mich gar sehr seiner Bekanntschaft;
es wäre sogar möglich daß er eine Vermittelung zwischen
mir und Wichern werden könnte d.h. zwischen meinen
Bestrebungen und seiner Parthei. Ich sehe darum sein
Finden wirklich als eine Schickung an.
Zu Bergedorf setzte sich dann ein Frauenzimmer Deines
Alters ein; ich beachtete sie gar nicht weil ich eben mit
He. Pfeiffer im lebhaften Gespräche war. Als wir
bald aussteigen wollten, vielleicht noch ½ Station [vor Hamburg] machte
mich einer meiner Nachbarn [darauf] aufmerksam, daß gern
die jüngst eingestiegene Dame meine Bekanntschaft zu
machen wünsche. Mich zu ihr wendend sagte Sie [sc.: sie], sie
habe seit längerer Zeit unserm Gespräche zugehört;
welches ihr großes Interesse erregt habe, sie fragte mich
nun ob ich in Hamburg zu Hause sey und ob ich ihr erlaube
mich zu besuchen; sie sei aus Lauenburg, ursprünglich
Erzieherin, wolle jetzt eine Anstalt, ich glaube in oder
bei Lauenburg ausführen und reise jetzt nach Hamburg um
in dieser Beziehung Manches zu besorgen. Eigentlich sey
sie geborene Lübeckerin rc.- Ich nannte ihr meinen
Namen, jedoch schien sie denselben nicht zu kennen; doch
zeigte sie so höchst lebendigen Antheil an dem zwischen
mir und He. Pfeiffer zur Sprache Gekommenen, daß
ich Ihr [sc.: ihr] alles von Drucksachen mittheilte, was ich noch in mei-
ner Brieftasche übrig hatte. Überdieß ladete [sc.: lud] ich sie ein
morgen beim Wiederbeginnen meines engeren Bildungs[-]
cursus gegenwärtig zu seyn, was sie auch annahm und so
hoffe ich sie morgen wieder zu sehen. Auch dieses Zusammen- /
[52]
treffen betrachte ich als Wirkung und Ausfluß eines gei[-]
stigen Geschickes besonders wenn sich mir dadurch eine Ver[-]
knüpfung mit Lübeck anbahnen sollte. Ich wünschte gar
sehr, daß sich die 3 freien Städte in Deutschlands Norden, die
kleinen Republiken für die Sache der aufkeimenden Mensch-
heit ernstlich interessirten. Hast Du nicht auch Verwandte
in Lübeck?- Als ich nun wieder in meiner stillen Stube
angekommen erzählt mir He. Beit und Emilie Stieler, daß
in diesen Tagen schon einigemale und heut wieder zwei
junge Lehrer aus Altona hier gewesen, welche das größte
Interesse für den Gegenstand gezeigt und dieß um so stei-
gender als sie bei den Spielen und Beschäftigungen der Kin-
der hier gegenwärtig gewesen wären; daß beide ganz
von dem Streben durchdrungen seyen, die Sache auch in
Schleswig-Hollstein einzuführen und daß einer dieser
jungen Männer schon Einiges für die Öffentlichkeit Be-
stimmte in dieser Sache niedergeschrieben und eben in
diesem Augenblick noch einen größeren Aufsatz darü-
ber in Arbeit habe. Da die beiden jungen Männer
mich jetzt nicht getroffen hätten, so würden sie mich
demnächsten[s] besuchen. Du siehst und Ihr alle seht mit
welcher Gewalt - wie das Keimen, Knospen und Blühen
im Frühlinge - sich jetzt alles im Menschen-, im Kindheit- und
Kinderleben hervordrängt, z.B. daß jetzt abermals
ein neuer Menschheitsfrühling angebrochen ist.-
Als ich Dir nun, theure Luise, dieses alles schleunigst nie-
derschreiben und dann den Brief eiligst zur Post besorgen
wollte, damit Du denselben noch in dieser Woche empfängest
traten zwei junge Männer zu mir ins Zimmer, in welchen
einen ich einen jungen deutschcatholischen B Prediger, Herrn
Candid: Beier wieder erkannte, welcher mich schon vor
meiner Reise zu Euch besucht hatte; er führte mir den /
[52R]
jungen Ronge aus Breslau, den Bruder des viel
genannten Johannes Ronge, als künftigen Theilneh-
mer und Schüler an dem engeren und eigentlichen
Bildungscursus zu. Ja Herr Beier kündigte sich selbst
als solchen für den wiederbeginnenden Unterricht an[.]
Also auch hier wieder eine Erweiterung und Ausbreitung
und zwar nach der männlichen Seite hin, was man
hier besonders schon mehrfach gewünscht hat, daß sich
nehmlich auch junge geist- und talentvolle junge
Männer mit dem Gegenstand vertraut machen mög[-]
ten; Du siehst wie sich Alles und Alles nach und nach er-
füllt möchte Dir dieß treue Luise eine recht[e] Ermuthigung
seyn, daß auch gewiß zu ihrer Zeit unsere reinen und
gerechten, ja uns als nothwendig erscheinenden Wünsche
werden erfüllt werden; denn ich leugne nicht, daß ich in
dem Jahre 45, als Ronge d.ä. [sc.: der Ältere] wie ein Meteor für
freie Entwickelung erschien, sehr gewünscht habe Ronge
möge von meinen erziehenden Bestrebungen Notiz neh-
men; dortmals und später geschahe es nicht; und jetzt,
wo ich mich jenes Wunsches und jetzt wo ich mich jenes Wun-
sches und Strebens gar nicht mehr erinnerte, jetzt tritt
er unerwartet und ich möchte sagen mehrfach erfüllt
mir entgegen; denn der junge Ronge überbrachte
mir noch nachstehenden Brief aus Breslau vom 20n
Christmonaats.- "Es hat sich zwar innerhalb der
"christcatholischen Gemeinde hierselbst ein Comite gebil-
"det, dessen Aufgabe zunächst darinn bestehen soll, der
"Gemeinde eine möglichst klare Vorstellung und An-
"schauung von Zweck und Wesen der Kindergärten zu
"verschaffen; leider hat dasselbe innerhalb voller vier
"Wochen noch nichts gethan. Ich möchte nicht gern die Rea- /
[53]
"lisirung einer so schönen und folgereichen Idee, wie die der
"Kindergärten scheidern [sc.: scheitern] sehen an der Unthätigkeit einiger
"Personen; ich wende mich daher als Ältester der Gemeinde
"an Sie mit der Bitte mir sofort wo möglich alle von Ihnen
"verfaßten Schriften, welche über diesen Gegenstand
"handeln, zu senden. Sobald ich dieselbe in mich werde
"aufgenommen haben, daß ich der hiesigen Gemeinde
"einen recht klaren Begriff eines solchen Kindergartens
"werde geben können, schicke ich sie mit dem herzlichsten
"Danke wieder zurück. Erhalte ich diese Schriften bald,
"so werde ich Ihnen hoffentlich Anfangs Febr: schon melden
"können, daß auch die hiesige Gemeinde Kindergärten
"ins Leben rufen wird. u.s.w"
H Brehmer. Altbusserstraße No 1.
Siehe auch hier wieder, lebenbeachtende Luise, die unerwar-
tete und nun ganz ungeahnte Erfüllung eines früheren
Wunsches. Breslau stand nehmlich seit Jahren schon als eine
strebende Stadt vor mir und ich wünschte daß deren Bewoh[-]
ner auch den Kindergärten ihre förderliche Aufmerksamkeit
schenken mögten und nun siehe - ungeahnt wird mir
derselbe erfüllt. Es klingt darum sonderbar, aber es
bestätigte sich auf wahrhaft unzählbare Weise in meinem
Leben: - wenn wir auf unsre Wünsche und deren Er-
füllung so ganz Verzicht leisten, daß wir dieselben selbst
ganz vergessen, so werden sie ungehofft uns erfüllt. Mit
Briefen die wir sehnlichst erwarten geht es uns ja ebenso.-
Doch ich bin mit meinen guten Nachrichten von hier noch
nicht zu Ende: Herr Beit sagte mir, daß morgen noch
fünf Schülerinnen, doch so eintreten, daß sie nur mit We-
nigem ins Verflossene eingeführt werden, dann aber völlig /
[53R]
mit den Andern in bestehender Weise fortgehen.
Du siehest daraus wie rege das Ganze hier betrieben
wird und ich hoffe, daß in dem Andenken daran, dieß
auch Euer aller Kräfte erregen und anstraffen wird
um, wenn ich auch abwesend bin, dennoch in Eurer stil-
len Thätigkeit das Ganze [zu] fördern und Ihr so meine
Entfernung gar nicht fühlen werdet.
Nun würdet Ihr auch gern über u von meiner Reise
hören wollen: - Wie ich Dir in den wenigen Zeilen aus
Eisenach schon meldete, so gieng ich Abends noch zu Jul[ie] Tra-
bert
um zu sehen ob Sie Ihres [sc.: sie ihres] Versprechens gedacht
hatte. Ich fand sie eben mit Einpacken der niedlichen
Sachen beschäftigt. Sie hat alles gar zu schön ausgeführt
Mädchen Taschen - Nähkißchen in Bienenkorbform - Brief-
taschen, Tellertuchringe; ZigarrenEtuis - Briefsammler[-]
oder Wandtasche - ein Wandkörbchen - Unterteller rc, rc.
Gelegentlich kannst Du ihr immer nocheinmal von Dir aus
aussprechen, daß sie mir große Freude gemacht habe. Die
treue, sorgsame Seele verdient es immer zweimal zu hören.
Auch einen freundlichen Brief hat sie mir zum Ganzen geschrieben.
Überdieß bewirthete mich die alte Mutter mit Wein u. Kuchen.
- Die ÜbergangsStunde aus dem alten ins neue Jahr feyerte
ich im Andenken an Eurer aller und ganz besonders Deine treue
Liebe also zugleich mit herzinnigem Danke.
Am Neujahrstag 6½ gings auf den Bahnhof wovon ich nach 7
Uhr abfuhr. In Gotha an der Eisenbahn traf ich meinen Vetter
den Tischlermeister Heinrich Müller aus Gotha. In Erfurt den
Schu[h]machermeister Gottlob Langethal, welchem ich Allwinens
Briefchen an seine Tochter Regina gab. Bei unausgesetzt
glücklicher Reise kam ich gegen 8 Uhr Abends in meinem
Hotel an. Es war das mir von unserm lieben Manfred em-
pfohlene Zernikowsche. Ich war zufrieden. Gegen 9 Uhr /
[54]
gieng ich zu Diesterweg. Die Familie war noch beim Nacht-
essen. Bei einer Flasche Wein wurden die Erlebnisse seit un[-]
serm jüngsten Zusammenseyn ausgetauscht. Dr. Martini
war Tags vorher bei ihnen gewesen. Man erzählte mir
wie es derselbe so aufrichtig mit mir mir [2x] meine. Ich
bitte Euch es Ihm [sc.: ihm] gelegentlich bemerklich zu machen, daß ich
es dankbar erkenne. Im Thiergarten war ihm der eben
zu seiner Verlobung hier anwesende Erbprinz von Meiningen
begegnet, welcher ihn angeredet und für nächsten Morgen
einladete. Bei solchen Gelegenheiten kann er dann immer ein
förderlich gutes Wort für die Sache mit unterfließen lassen,
welches dann eben als ein absichtliches gelegentliches um so
besser wirkt.
Diesterwegs waren höchlich erfreut, und dieß um so mehr
als ihnen mein Besuch unerwartet kam. Diesterweg sagte
mir nun daß er zu Ende dieses oder zu Anfang, oder im
Laufe des nächsten Monats nach Berlin [sc.: Hamburg] kommen werde,
besonders um Carl Fröbels Hochschule zu besuchen, wo-
zu er von den Frauen Traun und Wüstenfeld u Carl
Fröbel
eingeladen sey. Der Kindergarten wird nemlich
in dieser Wochen, die Hochschule aber in Mitte dieses Mo-
nats errichtet werden.
Von Berlin sagte er mir daß daselbst ein Schulvorsteher
Schmidt
sey, welcher sich sehr für die Kindergärten interessire
darum künftigen Frühjahr einen zu errichten [beabsichtige] und daher zu
dieser Zeit eine tüchtige Kindergärtnerin von mir wünsche,
vorher aber mich in Hamburg besuchen wolle, um vorher alles
klar abgesprochen zu haben. Du siehst wie also auch nach die[-]
ser Seite hin die Sache still wächst. Jetzt ist es nur auch
nöthig, daß wir und ganz namentlich ich gehörig thätig sind.
- Die beeilte Herausgabe der Wochenschrift, des Wochenblattes
hält nun Diesterweg vor Allem wichtig, weil des Fragens /
[54R]
darnach kein Ende. Darum bitte ja unsern Manfred, daß
er nach Möglichkeit die Herausgabe und Versendung der
1n der Probenummer betreibe.- Ich hätte gewünscht
heut schon Casse an Manfred einzusenden; doch sey es
unmöglich, jedoch in den ersten Tagen wird sie folgen.
- Das Wichtigste ist nun nur, daß wir für nächsten
Sommer für künftige Schülerinnen zu Kindergärten sorgen.
An welche von Deinen Freundinnen u Bekannten Du auch
immer schreiben mögest, so muß dieß Bedürfniß diese
Forderung immer ein Gegenstand Deiner Mittheilungen seyn.
- Aber auch ein Wort über Marienthal - Du wirst
Dich erinnern daß der alte Hicketier, seines kleinen En-
kels, des Söhnchens des jungen Hicketier in Schweina er[-]
wähnte.- Es ist nothwendig, daß ihn Manfred heim[-]
suche, besonders auch um zu hören wie es mit des Jägers
oder Forstdieners Wohnung im Schlosse steht.
Wenn wir den jungen Hicketier durch seinen Sohn für
die Sache gewinnen können, so glaube ich, ist viel gewonnen.
So viel ist gewiß - so wie die Sache jetzt steht müssen
wir das Marienthal uns sichern.
Ich habe Dir auch sonst noch einen wichtigen Gedanken mit[-]
zutheilen welcher sich an den Namen Luther knüpft, doch
habe ich heut keine Zeit dazu, Du kannst mich jedoch einmal,
sollte ich es vergessen, daran erinnern.-
Was dieser Brief Allgemeines u Förderliches ent[-]
hält kannst Du zur Förderung auch allgemein z.B.
im Curhause an Meurer u Motschmann mittheilen.
- Grüße Manfred und sage ihm er solle es mir nicht
übel deuten, daß ich ihm heut nicht geschrieben, sondern
ein paar Notizen für ihn, weil ich eben im Fluß der Schrift
gewesen sey, für ihn hier eingestreut habe. Nächstens
solle er einen Brief erhalten. Mögest Du nur diesen lesen können.
- DFrdFrFr.- /

[55]
Am 5/I Abends 6 Uhr. Wie ich Dien Donnerstag und Frei[-]
tag Vormittags von 9-1 meine besondern
Vorträge, so habe ich heut meinen erstern öffent-
lichen von 1½-3 Uhr gehalten. Ich freue mich recht daß sie
alle vorüber sind, ich habe, da ich so vieles andere und
großartige Leben in mir durchlebt und durchdacht habe, recht
Mühe gehabt mich wieder in dieß besondere hineinzuarbei[-]
ten ob nun aber auch meine Zuhörer mit dem Vorgetra-
genen zufrieden sind, weiß ich nicht; nur Eines weiß ich,
daß mein Sinn und Streben ein Ziel, als einiges und nun
einziges Lebensziel fest im Auge hat: Ausführung
"eines Erziehungsganzen für Lebenseinigung."
So eben erhalte ich nun Wichard Lange's 2en Beitrag
zum Verständnisse Fr. Fr.
Ich kenne also dessen Inhalt fast noch gar nicht; nur die
Zueignung "an Fr Fr" habe ich gelesen und die letzten sieben
prosaischen Zeilen S. 20. welche, wie ich eben wünsche und
ich Dir im vorigen Brief schon aussprach meinen Lebens-
gedanken, das letzte Ziel, den letzten Zweck meines Strebens
ungesucht und absichtslos in die Öffentlichkeit und Allge[-]
meinheit einführen, nemlich das so eben, wie schon mündlich
und im letzten Briefe wieder schriftlich ausgesprochene
Streben nach Ausführung - "eines Erziehungsganzen für
Lebenseinigung."- Gieb das Schriftchen nicht aus der Hand
ehe Du es durchlaufen und Renner es durchblickt hat.- /
[55R]
werden [sc.: Werden] in Deiner Nähe mehrere Exemplare gewünscht
so kann Euch ja Renner so viel Ihr deren bedürft auf
dem kürzesten Weg durch den Buchhandel besorgen
das Schriftchen kostet 5 Sgr. Ich gedenke 1 Ex an
Frau v. M.- 1 an D[ie]st[e]rw[e]g nach B[e]rl[in] 1 an He Diac. M. in
Meiningen und 1 Ex an den He Erbgrh v. W. [sc.: Erbgroßherzog von Weimar] zu senden.
- Könnte ich nun nur recht bald die erste Nr der
W.-schrift erhalten, bitte ja unsern Renner die
Sache recht zu betreiben, hier ist man ganz hungrig
darnach.- Bitte ihn auch - daß er mir wo möglich
noch cca 100 Programme beilege; die 100 welche
ich mitgenommen sind schon fast vergriffen und viele
viele Bedürfnisse sind noch zu befriedigen.-
Es ist magisch wie jetzt von allen Seiten für unsere
Sache gewirkt wird. So ist in diesem Augenblick wieder
ein Schriftchen erschienen und mir so eben von der
Verfasserin "Amalie Marschner" in Dresden zugesandt
worden welche unsere Sache wieder herz- und geist-
voll ins Leben einführt, der Titel heißt[:]
Andeutungen über Erziehung. Ein Leitfaden für Mütter und
Erzieherinnen nebst Vorschlägen zu einer zeitgemäßen Bildung
der Töchter rc, Leipzig. Verlag v. Gustav Meyer 1850.
Bitte den l. Manfred, daß er es Dir in meinem Namen
und auf meine Rechnung sogleich aus Leipzig verschreibe
Du wirst es schön u für Dich nützlich finden. Herzliche Grüße
an alle also auch an Müllers rc DFrdFrFr.