Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 3.1.1850 (Hamburg)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 3.1.1850 (Hamburg)
(KN 57,7, Brieforiginal/Fragment 1 B 8° 3¼ S. - Aus dem Textanfang geht hervor, daß diesem Teil ein weiterer Text, zuletzt wohl v. 2.1.1850, vorausgegangen sein muß.)

Freundlichsten Gruß zum dritten Tage im neuen Jahre.
Da der Brief gestern nicht mehr abgehen konnte, so will
ich noch die Erlebnisse des heutigen Tages hinzufügen! Heut
empfing ich ein Packet von Frau von Mahrenholz mit
besonderen Abdrücken ihres jüngsten Aufsatzes, welcher
eigentlich nun nicht mehr ebensowenig erwartet, als ge-
wünscht würde. Frau von Mahrenholz hat daher schrift-
lich eine deßhalb nöthige Bemerkung hinzugefügt. Ich lege
Dir hier ein Blatt des Aufsatzes bei. Ihre Bemerkung:
daß sich nothwendig ein Verein zur Ausführung einer Mu-
sterbildungsanstalt im Geiste und nach dem Wesen der
Kindergärten bilden müsse, - diese Bemerkung halte ich
nicht nur für höchst beachtens-, sondern alles Ernstes der
Ausführung nicht nur werth, sondern unerläßlich noth[-]
wendig. Ich meine es sey daher gut, daß Du dich in näh-
ere briefliche Verbindung in dieser Angelegenheit mit ihr setzen
mögest. Überhaupt hälte ich es für unser Ganzes
sehr ersprieslich wenn Du der Frau v. M. und gerad
jetzt beim Jahreswechsel Kunde von Deiner Wirksamkeit
und von Deiner Kinder Leben giebst; und mit ihr die uner-
läßliche Nothwendigkeit er- und anerkennst, daß eine Muster
Anstalt im Geiste unseres Gesammtwirkens aus gesähet
werde, daß eine solche Anstalt aber so unabhäng[ig] und frei
als möglich, - d. heißt: nur einzig von dem Geiste und We-
sen des Grundgedankens derselben abhängig, dastehen müsse.
Daß aber nach meinem und unsern Ermessen - wenn sich
ganz Deutschland dafür interessire - wie wir er [sc.: es] er-
sehnten und sich dann Mittel dazu darbothen - auf dem
Lande und zwar in unserm Marienthal ein geistiger
Punkt dafür darböthe. Mir [sc.: Wir] müssen einen Punkt und
zwar zunächst diesen dafür festhalten, wie die Planeten
mit ihren Sonnen Monden, die Sonne, um welche sie sich drehen. /
[1R]
so [sc.: So] (schreibt) sagte mir z.B. auch Julie Traberth, daß sich
mehrere Frauen und Jungfrauen (?) in Eisenach für die
Fortführung des früheren "Deutschen Kindergartens" oder

"Der Gutenbergsstiftung"
interessirt und dazu ihre Beiträge zugesichert hätten;
Du könntest Dich einmal bei ihr brieflich erkundigen wie
dieß eigentlich zu verstehen sey. Ich werde den Gedanken
recht ernstlich in mir bearbeiten. Der richtige Name
ist für mich so höchst wichtig und ich glaube es geht damit
wie mit den "Kindergärten" - wenn der richtige, der
rechte Name - wie z.B. hier "Kindergarten" gefunden
ist, so entwickelt sich daraus das Weitere folgerichtig
von sich selbst; weil mir nun "LebensEinigung" das Grund-
streben der Zeit erscheint - "allseitige Lebenseinigung":
so möchte ich auffordern einen Verein für Aus-
führung einer Musteranstalt

zur Erziehung für allseitige Lebenseinigung
zu bilden; oder, wenn diese Form entsprechender wäre:
zur Ausführung einer Mustererziehungsanstalt

für allseitige Lebenseinigung.
oder Verein zur Ausführung eines Erziehungsganzen

für allseitige LebensEinigung.
Wo an die Stelle des Ausdruckes "Kindergarten" nun das Wort

Erziehungsganzes träte
welches als solches die Kindergärten, wie die Schulen
in sich einschlösse. Die Schule oder Schulen, als vom Kindergarten getrennt betrachtet, ließen sich dann Einigungsschulen - nennen.
Sprich mir ruhig Dein Gefühl und den
ersten Eindruck aus, welchen diese Mittheiluung und Dar-
stellung auf Dich macht. Du hast mir dieß zwar schon bei
meiner ersten mündlichen Mittheilung, am Schluße unserer
Eisenacher Reise gethan; allein es schadet nicht, wenn Du
mir nun auch aussprichst, welchen Eindruck diese geschriebe-
ne Mittheilung auf Dich gemacht hat.- /
[2]
Du kannst nun ebenso auch hören, welch' einen Eindruck
die scheinbar ganz zufällige, absichtslose, ausgesprochene
Mittheilung auf Andere macht: - Ich wolle in Marien-
thal eine Erziehungsganzes für Lebenseinigung ausführen
oder ein andermal, ich wollte dort eine Ein[i]gungsschule
ausführen; Du mußt Dich vorher selbst mit diesen Ausdrücken
ganz bekannt ge und vertraut gemacht haben, daß Du
von der Sache und über dieselbe in diesen Ausdrücken als
eine schon längst bekannte und anerkannte sprichst.
Nun lebe für heut recht wohl. In dem nächsten Briefe
die Fortsetzung davon. Wir wollen uns nun bemühen das
Leben recht innig einig, als ein Einiges gemeinsam zu bauen
Hand und Herz, Gesinnung und That ist ja bei uns dazu
innig einig. Nochmals die herzlichsten Grüße an alle.
Doch bald hätte ich vergessen Dich zu bitten ja die 4e ausgeführte Spiel-
Gabe sobald als möglich zweimal
vielleicht gleich dreimal zu übersenden. Ich halte es für
nöthig wenn das Verzeichniß ähnlich wie das der 3en
Spielgabe gedruckt wird, wo immer das Gleichartige
in eine Zeile zusammen gedruckt wird. Unser Manfred
kann ja das in Meiningen und gleich cca 500 Abdrücke
davon besorgen lassen, wo man sie dann auch mit den
Lithographien der 4' Spielgabe mit ausgeben kann, als
weiteren Nachweis für all dasjenige was man mit
der 4' Spielgabe auszuführen im Stande ist. Später
können auch alle diese Gegenstände weiter noch litho-
graphiert werden.- Die Nummern oder Ziffern, läßt
Manfred am besten auch gleich cca 100 mal oder mehr
ebenfalls in Meiningen drucken lassen. Das Schreiben
macht sich beim Aufkleben nicht gut. Nur ist dabei zu bemer-
ken, daß bei den Gegenständen wo mehrere Stücke sind, auch
immer jede Nr so viel mal gedruckt werden muß; als eben /
[2R]
Stücke sind.
Einen so langen und gegenstandsreifen Brief hast Du
seit langer Zeit nicht von mir erhalten. Bleibend
Frieden und Freude Dir im neuen Jahr[.]