Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Pfarrer H. Brehmer in Breslau v. 7.1.1850 (Hamburg)


F. an Pfarrer H. Brehmer in Breslau v. 7.1.1850 (Hamburg)
(BN 393, Bl 1-2, hier: 1R-2R, dat. Entwurf/Fragment 1 B 4° 3 S. von anderer Hand [Hertlein?] auf freie Teile des Eingangsbriefs v. 20.12.1849, der auf 1V und der oberen Hälfte von 1R steht.)

[1R]
Beantwortet am 7n Januar 1850.

Hamburg Hohe Bleiche No 19.
Geehrter Herr! Nach dem Inhalte u. Wunsche Ihrer werthen Zuschrift vom
20n v.M. übersende ich Ihnen nicht nur diejenigen meiner
Druckschriften, welche besonders auf die Idee, das Wesen und
die Ausführung der Kindergärten Bezug haben, ja welche so
gar in gewisser Beziehung den Ausgangspunkt wie die Fortbildung
des Gedankens derselben ent-
halten (zu: Entwurf eines Planes zur Begründung u. Ausführung
eines Kindergartens 1840, u. Nachrichten u. Rechenschaft von dem
deutschen Kindergarten 1843, zu 2. Der Ball rc – Mutter[-] u Koselieder rc.
Die Kindergärten :) sondern ich lege Ihnen auch noch ei-
ne Mehrheit einzelner Abdrücke verschiedener Aufsätze bei,
welche von den verschiedensten Punkten Deutschlands, von den
verschiedensten Menschen, u unter den verschiedensten Ver-
hältnissen über das Wesen dieses Gegenstandes, über dessen /
[2]
Einführung u Fortgang in den öffentlichen Blättern der
sonst verschiedensten Tendenzen erschienen sind. Ich glaube
Sie dadurch auf das Vollkommenste in den Stand zu setzen ge-
stützt auf den vieljährigen praktischen Erfolg u. die Erfahrung
wie auf das Urtheil Anderer u. zuletzt auf Ihr eigenes unbefan-
genes u. freies Urtheile Ihrem achtbaren Frauenverein ein
klares u. geprüftes Urtheil über den Gegenstand zur Ent-
scheidung in letzter Instanz vorlegen zu können. Von
mehreren der einzelnen Blätter habe ich, wo es mir möglich
war zweifache Abdrücke beigelegt, das Eine gleichsam zum Ar-
chiv für das Ganze das andere zum freien Weit förderlichen
Weitergebrauch. für die Drucksachen, welche dem Buchhandel ange-
hören
Da nach Mittheilung des freundlichen Überbringers
ihres [sc.:Ihres] Briefes Herrn Ronge es kein Zweifel ist, daß die Idee
der Kindergärten für ihre Ausführung u Darstellung
lebend, in Hamburg Breslau den nöthigen Wurzelboden finden wird
u da es nöthig ist, daß der Verein resp: die der ausführende
die der Kindergärtneringarten diese Schriften selbst eigen besitze, so
habe ich für die Drucksachen welche dem Buchhandel angehören
sogleich eine Rechnung beigefügt, damit nicht eine unnöthige
Hin- u. Hersendung oder mindestens Schreiben den Zeitaufwand
u. die Kosten vermehre. Daß ich Ihnen von Middendorffs Kin-
dergärten ein so sehr abgegriffenes Exemplar beilegen muß,
thut mir leid, habe aber kein anderes, bin aber gar sehr froh
auch nur dieses Einzige noch zu besitzen, um es Ihnen über-
senden zu können, indem ich mit anderen gerade dieses Schrift-
chen für das geeignetste halte, so wohl die in Begriffe die Idee
der Kindergärten, als ihre Ausführung sachlich, anschaulich und
gegenständlich vorzuführen.
Wenn in mehreren der einzelnen Beilagen Ihnen wiederkeh-
rend das Aufschrifts- oder Titelwort “Göthe Stiftung” entgegen-
tritt, so legen Sie ja dieselben ja nicht m[it] der Meinung bei Seite /
[2R]
als wenn dieser Gegenstand Ihren Be-
strebungen fern sei. Er die Göthe-Stiftung umfaßt im
Gegentheil auch unter diesem Namen /:Göthe Stiftung:/
das gemeinsame Ziel aller wahrhaft
Strebenden, die Vereinigung in der,
u. durch die Erziehung als das Grundstre-
ben der Zeit <--> als das Eine und das Andere wie die vielfache
Beleuchtung der Grundsätze u. Mittel
durch welche ich in den Kindergärten
u durch diese in den Familien wie
in den Schulen zu erreichen über-
zeugt bin, u. daher erstrebe
die
Einigung als das Ziel der Zeitbestre-
bungen zu erreichen gedenke.
Da nun Ihre werthe Zuschrift, was auch Herr Ronge bestätigt, mir
ausspricht, daß Ihre Gemeinde so bald an die wirkliche Ausfüh-
rung von Kindergärten denken u. für sie sogleich wirken
wird als von derselben durch Ihre Mittheilung die
praktische Nützlichkeit derselben für das prakti-
sche Leben erkannt sein wird, u. dann ihr [sc.: Ihr] Verein
die Absicht hat Jemanden auf einige Zeit hier her zu sen-
den um sich in möglichst kürzester Zeit der zur Führung eines
Kindergartens hier auszubilden, u. dann in dieser Absicht
wieder nach Breslau zurück zukehren, so halte ich Ihnen
es für nöthig Ihnen Nachstehendes auszusprechen und
Ihren achtbaren Freund Verein zur Prüfung vorzulegen.
Weil das Leben und Wirken die Thätigkeit eines Kindergartens ganz wesentlich
nach zwei Seiten hin wirksam ist, nach der Seite der Familie u
des öffentlichen Lebens hin unmittelbar wirksam ist so stellt die
Erfahrung die Nothwendigkeit klar heraus, daß die Begründung
u. Ausführung eines neuen Kindergartens nur durch einen durch-
u. ausgebildeten Kindergärtner oder besser durch eine solche
Kindergärtnerin geschehen könne, auch bei der besten allgemei-
nen Schulvorbildung eine solche Ausbildung wegen der vielen
praktischen Berücksichtigungen welche dabei nöthig sind nur
durch eine sechsmonatliche u. noch überdieß völlig gesammelte [bricht ab]