Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 24.1.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 24.1.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,25, Bl 66-67, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Hamburg, hohe Bleichen No 19. Am 24 Jenner 50.
Allem zuvor Dir meine theure Luise meinen
Dank für Deinen lieblichen Blumengruß welchen Deine
jüngsten freundlichen Zeilen begleiteten. Du schreibst,
ich würde mich dessen vielleicht nicht freuen von wegen
des Lebensernstes welcher überall entgegen drängt,
dieß kann aber wohl nicht Dein Ernst gewesen seyn, denn
eben in solchen Stimmungen und Zeiten sind die Natur-
und somit die Blumengrüße so erhebend. Mit den Blu[-]
mensendungen von Dir geht es mir überdieß ganz eigen,
ich habe Deine Briefe und deren Inhalt außerordentlich
lieb und ich lese sie gewöhnlich gleich zweimal; allein
enthalten Deine Briefe zugleich einen Blumengruß, und
sey es nur ein ganz einfaches kleines Blättchen, so ist mir
dieser doch vor allem lieb und zieht zuerst meine ganze
Aufmerksamkeit auf sich; es ist mir, wie wenn ich Dich
darin leibhaftiger, vollständiger in der Ganzheit Deines
Wesens empfing[e]; also no[ch]mals Dank für die 3 schönen Ge-
denkmein; ja ich Gedenke dabei dankbar Deiner.
Beikommend erhältst Du einen Brief von Rosalien
aus Rendsburg; ich gedenke wegen der so warmen Ein[-]
ladungen von daher bald einen Besuch daselbst zu machen
doch nicht eher bis ich wieder Briefe von Dir habe. Hät-
test Du Etwas, was Du mir mit der großen Sendung /
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welche ich ja gewiß demnächst erwarte - (:denn ich komme
in meinem nächsten Vortrage zur 4' Gabe:) etwas
für die Kleinen in Rendsburg schicken [könntest, ] so wäre mir
es ein rechter Gefalle[n], ich möchte ihnen gern etwas
mitbringen und weiß nicht was? Für Augusten
könntest Du mir eine solche von Perlen umwundene
Nadelbüchse schicken wie Du an Weihnachten gekauft
hast und ich hier als ein ächt Liebensteiner Erzeug-
niß zur Freude der Empfängerin, verschenkt habe.
Die Frau Kampf oder Kämpf die Porzellainhändle-
rin hatte im vorigen Sommer 4 Bilder von den Schwei[-]
naer Höhlen ich weiß nicht ob dieß etwas für den
Knaben wäre?-
- Ja, bei der nächsten Sendung könntest Du immer, wenn
Du solche eben fertig hast, 40 Stück Bälle beigeben
womöglich mit der Angabe wie theuer Du selbige
die Zeit ihrer Fertigung mit in Anschlag gebracht, zu
rechnen hast. Darnach will ich dann erst den Verkaufs[-]
preis bestimmen; wenn Du einen Pall [sc.: Ball] nicht für
7 Xr [sc.: Kreuzer] = 2 Sgr: herstellen kannst, so haben wir minde[-]
stens keine Vergütigung für mehrere anderweitige
VersendungsMühe, rechne dazu den Kasten mit Kö-
cher, Stäbchen, Litzen und Schnürnadel, auch noch da-
zu das Schild, wie theuer soll ich dann eine Farben-
folge verkaufen? - und doch ist es nöthig sie zu haben. /
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- Mache ferner nur daß ich recht bald, wie ich schon
nebenstehend bittend aussprach die ausge-
führte 4e Spielgabe bekomme 3 Kästen
1 für Beit 1 für die Mattfeld und 1 für Hoffmann[.]
Suche mir auch mit Manfred [Renner] den Preis auszumitteln
ich glaube bei 6-7 Rth gewinnen wir eben auch nicht
viel, Fracht und Versendungskiste und Kosten gerechnet[.]
Der Preis wird hier wohl 8 Rth. seyn müssen, was wohl
viel ist. Doch wer es hat, hat es ja für das ganze Leben.
Mit dem "Bürgerkindergarten" geht es hier recht gut;
die Fr Goldschmidt ist - vielleicht um sich mit der Thätig[-]
keit der Frau Traun und Wüstenfeld für die Hochschu[-]
le ins Gleichgewicht zu setzen für den "Bürgerkinder"[-]
garten unermüdlich thätig. Sie und Dr. Detmer mit
noch andern achtbaren Männern und Frauen ist im Vorstan-
de. Gestern habe ich die Freude gehabt daß mir Ida Seele
nicht blos die Hoffnung nein! die bestimmte Zusicherung
macht, daß sie die Leitung des ersten hiesigen überhaupt
des ersten Bürgerkindergartens in Deutschland über[-]
nehmen will; ich fühle jetzt, daß ich, mir selbst unbe-
wußt in meinem Innern wegen Besetzung dieser Stel-
le in großer Spannung gewesen seyn muß, denn
nach Empfang ihres Briefes war mir ganz unaus[-]
sprechlich leicht und wohl. Aber deßhalb thut es mir
um so mehr Leid, daß sie so großen Schmerz findet /
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findet [2x]; es wäre mir daher recht lieb, wenn Du, als
die betrauete Vorsteherin der Fröbelschen Bildungs-
anstalt, als dessen Schülerin und Freundin, wenn Du
es für nöthig fändest auszusprechen: auf Anregung von
mir ein paar erhebende Worte aussprächst und -
daß sie mit dem Austritt aus Darmstadt in einen
schönen Kreis sich schwesterlich achtender Kindergärt[-]
nerinnen träte, auch könntest Du sie einladen ihre
Reise nach Hamburg anstatt über Cassel und Hannover
über Eisenach zu machen und so von Vach aus über
Salzungen nach Liebenstein zu gehen. Er [sc.: Es] wäre mir
recht lieb, und ich hoffe es, daß ihr zwei beide Euch
befreundetet, wie Du Deine so wird ihre Wirksam-
keit eine verbreitende werden und es wird für
Euch beide im Leben kräftigend seyn, wenn jede die
andere in gleicher Weise wirkend weiß.
Ihre Adresse ist: "Frl. Ida Seele, Kinderführerin
in der Kleinkinderschule zu Darmstadt; vor dem
OberJägerthor."
Den in Abschrift beiliegenden Brief von Dr. Zimmer an Friedmann
theile Manfred [Renner] mit; nächstens einen 2en dieser Art.
Marius [Bendsen] will Medizin studiren und denk[t] demnäch[-]
stens von hier ab nach Jena zu gehen. Wegen Deiner
Ansicht von Marienthal demnächstens. Fr. v. M. [sc.: Marenholtz]
beginnt es jetzt als einen festen Punkt, fest zu halten.
DFrd.FrFr.