Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 4.2.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 4.2.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,29, Bl 75-76, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. - Aus diesem Brief geht hervor, daß der Brief v. 3.2.1850 zunächst abgeschickt werden sollte, aber aus postalischen Gründen nicht befördert wurde und erst mit diesem Brief v. 4.2.1850 abgeschickt wurde.)

Am 4' Febr 50.
Ich hatte l. L. gestern schon den Brief mit Geld zur Post
gebracht und froh war ich wie ein König, daß ich so weit
fertig war, da giebt mir der Postbeamte das Packet zurück
sagend Papiere und Geld dürften nicht zusammengepackt wer-
den, und doch habe ich es nicht gleich anders und wünsche doch das
Geld in Deiner Hand; nun bekommt Ihr alles um einen Posttag
später. Zum Ersatz wenigstens ein paar freundliche Worte.
Erstens. Eben als ich das Packet absenden will, d.h. schon versie[-]
gelt hatte bekomme ich beiliegendes Blatt von unsern August
Härter
aus Heinrichshall zu gesandt. Ich meine die Geraische Z[ei]t[un]g.
Ich halte den Aufsatz sehr pas[s]end um denselben in verschiedenen
Localblättern abdrucken zu lassen; so dachte ich z.B. an Schmal-
kalden. D[er] Herr Inspector Habicht hat mir längst gesagt, daß er wohl
wünsche etwas über den Gegenstand in dem Schmalkalder Local[-]
blatte
abdrucken zu lassen nur wünsche er nicht daß es von ihm [sei.]
Nun, das paßte ja. Du könntest also bei ihm anfragen, wäre
es nicht[s] könnte er es Dir zurücksenden. Oder haltest [sc.: haltet] Ihr es für
besser, wenn es - (die Diesterwegsche Anmerkung könnte ja dann
wegfallen oder auch nicht (?[)]) - in dem Salzunger Wochenblatte
abgedruckt würde oder in der Volksleuchte die zu Hildburghausen
heraus kommt. Benützt, dachte ich, müßte es für unsere dortige
Gegend werden, denn die Geraische Zeitung kommt nicht bis zu uns.
Zweitens[.] Auf die Übersendung der ausgeführten 4' Spielgabe freue
ich mich sehr. Ich wollte Anfangs Du möchtest meinen Kasten als
Probekasten in Liebenstein behalten. Bist Du, und seid Ihr da-
mit einverstanden, so müßten mir aber die andern Sachen
welche ich darin zur Übersendung, irre ich nicht sehr, noch mit
eingepackt habe, zur Sendung der anderen Kästen auf irgend
eine Weise beigepackt werden, ich glaube es sind die geschnittenen
Festgestalten
und die Erbsenkörper. /
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Drittens. Sollte die Geraische Zeitung in Schmalkalden oder in
Salzungen abgedruckt werden so könntet Ihr Euch cca 50
besondere Abdrücke machen lassen zum Abdruck in noch
anderen Localblättern und zum Vertheilen auf dem Lande.
In Schweina bei Weisens glaube ich solltest Du von dem Auf[-]
satze Gebrauch machen.
Viertens[.] Sollte die Absendung der ausgeführten 4[en] Spielgabe noch
nicht erfolgt seyn, so legt mir doch wenigstens 1 Dzzd
Ballkästen
bei, oder noch besser Du könntest Deine farbigen
Bälle nebst Litzen (in Schweina zu haben) und einer einfachen
Stahlschnürnadel (auch in Schweina bei Müller zu haben) und
die gehörigen Stäbe und Querbalken übersenden: zu jedem
Kasten zwei Stäbe und einen Querbalken.
Fünftens auch Kugel[-] und Würfelkästen könnt Ihr mir noch
1 Dzzd (ohne Kugel Würfel u Walze) übersenden. Hier aber
müssen zu jedem Kasten: ein Querbalken ein dünnes Stäbchen
und zwei starke [beigegeben werden]. Bei den Kästen welche an Weihnachten oder
vielmehr Neujahr mir mit gegeben wurden, ist aber zu jeden
Kasten nur ein starker Stab beigelegt worden, so, daß mir
deren noch 14, sage vierzehn fehlen.
Sechstens. Über Marius und sein Verhältniß zu Henrietten
weiß ich garnichts; ich glaube daß der Wunsch Medizin
zu studiren von Henriettens Seite angeregt ist, weil man
von jener Seite sonst wohl keinen Punkt u kein Ziel sieht wie
das Verhältniß sich verwirklichen könnte.- Doch ich weiß nichts.
Marius scheint sehr laß, wenigstens habe ich keine Beweise vom
Gegentheil, fast beginne ich für Marius zu fürchten; ich freue
mich daß sich zwischen uns hinsichtlich meiner Lebenszwecke kein
engeres Band geknüpft hat, er würde wie Henriette nur zur
Last seyn. Ich danke Gott daß sich alles so gelöst hat.-
Auch von Lange u Allwina weiß ich nicht was sie eigentlich /
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in der Zukunft wollen. Ostern geht Allwina nach Hause;
was ich für das Mädchen wieder nicht gut halte.- Sie
ist jetzt fast jeden Monat 4-5 Tage leidend, was von
früherer Vernachlässigung - wie der Doctor meint - herkommen
solle.
Nächstens mehr für heut guten Morgen d[.]h. Dir eine
gute Morgen Ruh. Verzeih das schlechte Geschreibsel
D.Frd.Fr.Fr.

Grüß Deine Kinder und All- und Malwina auch
Herrn u Fr. Müller und die Fr Inspectorin[.]
He Härter auf der Saline Heinrichshall bei
Köstritz
im Kurs[ächs]ischen
schreibt mir er habe auf der Post 1 Wochenschrift
bestellt aber die erste N° noch nicht erhalten, laß
doch Manfred fragen ob auf der Post ein Ex nach Gera
oder Köstritz bestellt ist[.] /
[76R]
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