Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 7.2.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 7.2.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,30, Bl 77-78, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. + Adr. - Der Brief wird in BlM mit dem an Luise Levin v. 8.2.1850 als ein Stück gezählt; es handelt sich bei dem vom 8.2. aber sicher um einen eigenen Brief, der eventuell mit dem vom 7.2. gemeinsam verschickt wurde. Die Adressierung paßt nicht zum Brief.)

Hamburg am 7 Febr 1850. Frühe am Morgen.
          Dein klagender Brief meine treue, theure Luise
thut mir recht in der Seele leid, und doch fühle und weiß ich
mich in der Hervorrufung dieser Klagen ganz außer aller
Schuld. Wenn Du ein- oder zweimal bei Sendungen gar
kein eigens an Dich gerichtetes geschriebenes Wort und Gruß
von mir erhalten hast, so lag dieß abzuändern ganz außer
dem Bereiche meiner Macht; nur mit der größten Anstrengung
konnten immer nur die nöthigen Sendung[en] zur geforderten Zeit
zur Post abgeliefert werden, weil daß [sc.: das] hier wegen der Zoll[-]
gränze immer mit mehr Schreiberei, als bei uns verbunden
ist. Eine Unzufriedenheit mit Dir, ja auch nur die allerleise[-]
ste Störung und Trübung meines Verhältnisses zu Dir und gei[-]
stigen Lebens mit Dir ist gar nicht in meine Seele gekommen;
im Gegentheil hast Du stets bei und mit mir gelebt; alles
Liebe und Freundliche was mir irgend hier geworden habe
ich, ich möchte sagen aus Deiner Hand und Deinem Herzen er-
halten; nicht das Kleinste auch nur im Geiste habe ich mir an-
geeignet ohne daß ich es nicht mit Dir getheilt hätte.
Siehe: irre ich nicht, so habe ich das liebe kl. Bildchen wo das
Mädchen vor Blumen sitzt und auf einen singenden Vogel im
Käfig hört Dir auf Deinem Tische bei meiner Abreise zu[-]
rück gelassen. In diesem Bildchen nun finde ich liebliche Erinnerung
an den friedvollen Ausdruck Deines Gesichtes wenn Deine Seele /
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und Gemüth in sich recht beruhigt, ja glückseelig sich fühlte,
siehe dieses liebe Bildchen liegt nun immer in meiner
Schreibmappe und wenn ich arbeite und schreibe neben
mir; Du siehest daraus ich thue und arbeite Alles in be-
glückender Erinnerung an Dich. Siehe l. Luise, das thut
mir eben so leid, daß Du Dir alles Leid und allen Schmerz
aus Dir selbst gezogen in und durch Dich selbst bereitet hast.
Thue dieß doch nicht! Du kannst Dich ganz auf mich ver[-]
lassen; ich werde nie unzufrieden mit Dir werden,
wenn es auch wirklich der Fall seyn sollte daß ich Eines
oder das Andere anders wünschte, was aber auch bisher
in keiner Beziehung der Fall ist. Nur eben die Zeit konnte
ich nicht länger und meine Kraft nicht ausdauernder
machen. Also beruhige Dich doch; ich habe jetzt gewiß nur
einen, nur den einen Gedanken: unserm Leben auch
äußerlich Abrundung, Festigkeit und Sicherheit zu geben.
Du kannst gar nicht glauben wie sehr langend [sc.: hangend] u. bang-
end ich mich wieder in Deine Nähe sehne um mir [sc.: mit] Dir ge-
meinsam und als Ein Wesen das Leben zu bauen. Sag,
was kann Dein Herz mehr ersehnen?- Du bist ja ein
rechtes Kind, Dir selbst so kindische Schmerzen ohne allen
Grund zu machen.- Thue es doch nicht ferner!- Werde
doch stark!
Nun zu Geschäften. Hatte ich nicht in dem Probekasten
allerhand z.B. Thonkörper und Stäbchenarbeiten zu /
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zurück gelassen und habt Ihr diese Sachen wohl dem Abge-
sandten beigelegt?-
Frau v. M. [sc.: Marenholtz] reist den heutigen von Weimar nach
Merseburg ab, wird dort 8 Tage bleiben und gedenkt
gegen Ende Febr: in Berlin zu seyn und Anfangs
März hier mehrere Monate zu ihrem Sohne nach Bran-
denburg zu gehen; ich schreibe dieß auch besonders
für Manfred. Briefe sollen ihr unter ihrer einfachen
Adresse: Geh: R. v. M. geb. von Bülow zugesandt wer-
den und zwar unfrancirt. Für Merseb[u]rg kann noch
der Aufschrift beigefügt werden: Wohnung Frl. von Dewitz.
- Du hast doch das Manuscript für Manfred und
das beigefügte Päcktchen mit 4 Louisd'or erhalten?-
Und Manfred die zweite Sendung des Manuscriptes mit
20 Rth. prCt.-?-
Nun lebe recht wohl. Gott sende Dir Frieden und
Freudigkeit des Herzens. Grüße alle die sich
meiner gern erinnern namentlich Allwinen
und Malwinen. Mit Kuß und Gruß.
D.Frd.Fr.Fr. /
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[Adressat:]
Der l. Tante./