Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 18.2.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 18.2.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,27, Bl 64-65, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. Die Monatsangabe ist nicht deutlich zu lesen; aus inhaltlichen Gründen muß es sich um den 18.2. handeln; Briefliste Nr. 1554 dat. "18.1.", daher auch noch alte Einordnung in BlM XXIV. - Das erste Blatt des Bogens hat eine Rahmenverzierung.)

Hamburg, hohe Bleichen No 19. Am 18/I [sc.: II] 50.


Meine theure Luise.

Deine jüngsten lieben Zeilen vom 11-15[.]
dieses haben mich vielfach hoch erfreut;
glücklich bin ich, daß wie Du selbst sagst
Ruhe und Friede in Dich zurück gekehrt
ist. Schwer ist es mir zu begreifen, wie
Dir beides so ganz schwinden konnte, da
Du erstlich ein so Gott vertrauendes
frommes Wesen bist, und - wenn ich
eine Einwirkung des Geistes auf den
Geist annehme: - in meinem Gemüth
eine gleichmäßig ungetrübte Zufrie-
denheit mit Deinem gesammten We-
sen ruht. Und Dein heut empfange-
ner l. Brief beweist mir wieder
mehrfach wie dieselbe tief in Dir
begründet ist. Erstlich erfreut es
mich außerordentlich, daß Du Dir /
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nicht nur in Dir bestimmte Urtheile
bildest, sondern daß Du solche auch, und
besonders mir offen aussprichst.
Zweitens stimme ich noch überdieß
Deinen besondern Urtheilen bei.
Ich habe den Aufsatz der Fr. v. M. [Marenholtz]
gar nicht kritisch, sondern nur
flüchtig über lesen; so ist mir z.B.
die Stelle welche Manfred [Renner] heraus
hebt ganz entgangen. Wegen
des Abdruckes des Ganzen werde
ich nun mit Manfred Rücksprache nehmen.
Auch Dein Urtheil über den Brief des
Mädchens hat Genossen gefunden.
Ich habe aus folgenden Gründen für
die Aufnahme des Briefes gestimmt:
Einmal weil, wie Du selbst von
Augusten in R. [Rendsburg] weißt und von Elisen
oder Bertha in Döllstädt u.a. -, jetzt /
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in vielen deraltrigen Mädchen der Wunsch und
wirkliche Vorsatz und Entschluß ausspricht,
- wie ich am Fastnachtssonntage bei meinem
Ausfluge nach Berlin mich wieder zu überzeu[-]
gen Gelegenheit hatte - im entsprechenden
Alter einst Kindergärtnerin zu werden;
ich finde und erkenne hierinn einen Ruf
des bildenden, erziehenden Geistes der Zeit; in
diesem allgemeinen Bedeuten war mir der Brief
wichtig, welcher auf ganz einfache Weise der
Sache und der Form nach völlig frei aus dem
Mädchen selbst kam. Wirklich soll der Brief
wirklich durch das Weglassen ein paar <meiner>
aber nicht wohl abzudruckender Ausdrücke (ich
weiß nichts davon:) - an Kindlichkeit ver-
loren haben. Übrigens glaube ich nicht, daß
das Mädchen selbst etwas vom Abdruck weiß.
Das Dritte warum mir Dein Brief lieb ist: daß
Dir mein Aufsatz Freude macht, ja daß er
sogar, wie Du mir schreibst: Dich von neuem
für die Sache begeistert, so wird er dann auch
nach weiteren Richtungen hin, nicht ohne Wir- /
[65R]
kung seyn. Frau Doris Lütkens welche mir
heut ein paar Worte über No 3 schreibt,
nennt den Aufsatz einen interessanten.
- Was Du mir als Gedanken in Beziehung
auf Anna Hesse schreibst, ist mir wichtig
aus Folgendem: Wie Du aus der jüngsten
Sendung zu No 6 weißt, so ist nun der erste
Bürgerkindergarten in Hamburg gegründet.
Ida Seele aus Darmstadt ist für Rth 240 -
alles in Allem als Kindergärtnerin für
30-40 Kinder täglich 5 Stunden angestellt.
Da sie jedoch erst am 1n Juni eintreten kann
der Kindergarten aber schon am 1' März
eröffnet werden soll, so habe ich der Anna
Hesse vorgeschlagen dieß Vierteljahr als
Stellvertreterin hierher zu gehen; in der
gewissen Hoffnung, daß sich dann weitere
Aussicht zeigen werde. Und siehe - Du
zeigst mir in demselben Augenblick diese.-
- Ich danke Dir es in meiner tiefsten Seele,
daß Du Dich so treu der Pflege meines Lebensge[-]
dankens annimmst. Seeleneinigung sey Dein Dank.-
D.FrdFrFr.