Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 25.2.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 25.2.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,38, Bl 98, Brieforiginal 1 B 8°2 S.)

Hamburg. hohe Bleichen No 19. Am 25 Febr 1850.


Meine geliebte Luise.

Unserm treuen Manfred [sc.: Manfred Renner] und eifrigen, so erscheint er mir
habe ich einen sehr ausführlichen Brief geschrieben und ich hoffe
daß wie unser gemeinsames Wirken für uns alle 3 ein
Ganzes ist, so hoffe ich daß Ihr zur Erhebung und Förderung
Eines Lebens auch alles was allgemeines Interesse hat
auch miteinander gemeinsam beraten werdet; und so
ist dann das dort Ausgesprochene auch für Dich gesagt, was
auch bestimmt Dir auszusprechen mir hoffentlich Manfred
nicht übel deuten wird, denn ich will dadurch weder eine
Beschränkung noch Controlle seines Wirkens, sondern nur
ein frisches fröhliches Gemeinsames Wirken was stets
Gesundheit im Zusammenleben und so Freudigkeit bewirkt
die ich Euch allen so herzlich wünsche.
Dich muß ich vor Allem um Nachsicht bitten, daß Du heut noch
nicht Dein Kästchen zurück erhältst daß wir außerhalb
des Zollverbandes sind ist daran schuld, wie so, vielleicht das
nächste mal.
Schon im vorigen Briefe schrieb ich Dir, daß Anna Hesse
welche als Vertreterin der Ida Seele bis zum 1 Juny als
Führerin des 1en Bürgerkindergartens hier am 4' des fol-
genden Monat März hier eintritt, ohne Zweifel bei dem
jetzt schon in Aussicht stehenden 2n Bürgerkindergarten als Gärt[-]
nerin angestellt werden wird; da nun auch heut Helenen
Ehlers
Geburtsfest gefeyert wurde die Mutter in den letzeren
Tagen einen trefflichen Aufsatze - "Ein Wort an die Mütter" [-] ver- /
[98R]
öffentlicht und mich Helene jüngst gebeten hat bei Be-
gründung eines neuen Kindergartens auf sie Rücksicht
zu nehmen indem sie gern eine Wirksamkeit als Kinder[-]
gärtnerin haben möchte, so ist mir eingefallen, wenn sich
in Salzungen etwas thun ließ ob man dahin nicht Helene
vorschlagen könnte, wenn auch wirklich der Gehalt Anfangs
nur mäßig. Das Mädchen käme doch bald und zwar immer
in unserer Nähe in Wirksamkeit; also überlege es Dir
und antworte mir darauf.
Wie steht und geht es mit Deiner 2n Schülerin der Försterwitt-
wen Tochter aus dem Fischerschen Hause nächst der Quelle
Du schreibst mir ja gar nichts darüber? Sollte es nicht
möglich werden einen Kindergarten in Liebenstein im von
Fischerschen Hause auszuführen, mir wäre das sehr lieb: sage
ihr: Fr: v. M[a]r[e]nh[o]lz habe auch mit Herzogin Ida davon ge-
sprochen, sie möchte sich doch einmal fragend dafür [an sie] wenden,
im Fall Du nemlich überzeugt bist, daß sie zu einer guten
Kindergärtnerin taugt.
Herr Middendorff scheint - wie mir Lange sagt - sehr zu wünschen
daß sich Allwine und Lange mit uns verbinden möchten; Lange
und Allwinen scheint aber der Gedanke noch fern zu liegen,
was sagst Du dazu; es ist gut sich mit solchen Gedanken
bald bekannt zu machen.- Was meinst Du zu Vol[l]mer hältst
Du seinen Gedanken einer Verbindung seines mit unserm
Wirken für ausführbar und wo meinst Du daß er wirk[en] kann-?
Du fragst wann ich rückkehre?- Den 30 April denke ich zu
schließen; dann soll ich auf 3 Tage nach Berlin, jedoch weiß ich
noch nicht ob ich darauf eingehe; streng gedacht kann ich nicht.
Ich arbeite jetzt an der Anzeige.- Wegen Luther glaube ich ist
es gut die Sache noch zurückzustellen; bis zu einem Briefe in
nächster Woche. Mit inniger Liebe, Treue u Dank der
Deine FriedrichFr.